Die Sitzung des Jugendhilfe-Ausschusses hatte ein konstituierendes Wesen. Dennoch wurden am Montag im großen Sitzungssaal des Landratsamts auch drängende Fragen behandelt. Besonders ins Augenmerk der rund 20 Ausschussmitglieder gerieten zwei Tagesordnungspunkte, bei denen es auch um finanzielle Folgen für den Landkreis Lichtenfels ging.

Helmut Fischer, Stellvertreter des Landrats, sollte am Ende des Treffens, bei dem er den Vorsitz führte, den alten und neuen Jugendhilfe-Ausschussmitgliedern wünschen, dass sie "viele Ideen und wenige Probleme" haben mögen. Was die Ideen anbelangte, so mochten manche mit Überlegungen aus dem Saal gegangen sein, die durch Stadträtin Christine Schmidt (Die Grünen) angestoßen wurden. Ihre Frage lautete: Wie viel Bedarf an Schulsozialarbeit gibt es im Landkreis und wie lassen sich Hemmschwellen für mögliche Begünstigte absenken?

Zweimal ging's um Geld

Rückblende, eineinhalb Stunden vorher: Stefan Hahn, Sachgebietsleiter Jugend und Familie am Landratsamt, rief allen in Erinnerung, was ein Jugendhilfe-Ausschuss ist. Dieser ist neben der Verwaltung Teil des Jugendamts und setzt sich aus 15 stimmberechtigten und neun beratenden Mitgliedern zusammen. Letztere werden unter anderem aus Vertretern der Erziehungsberatung, der Schulverwaltung, der Kirchen, der Agentur für Arbeit, der Polizei oder eben auch des Sachgebiets Jugend und Familie gebildet.

Insgesamt wurden sechs Tagesordnungspunkte behandelt. Bei zwei von ihnen ging es um Geld, beispielsweise bei der Koordinierenden Kinderschutzstelle (KoKI). Es handelt sich dabei um ein Netzwerk, das werdenden Eltern und Alleinerziehenden mit Kindern bis zu drei Jahren in schwierigen Lebenslagen und bei Überforderung kostenfreie Beratung und Unterstützung bietet, auf Wunsch auch anonym. Auch selbstständige Familienhebammen und Fachkräfte anderer Gesundheitsberufe sind für KoKi tätig. Bislang liegt ihr Verdienst bei 35 Euro in der Stunde. Sollte er auf 40 Euro erhöht werden?

Stefan Hahn erklärte den Versammelten hierzu die Sachlage aus seiner Sicht und führte an, dass es auch darum gehe, für diese wichtigen Berufe ein Signal zu setzen. Jenes nämlich, sie attraktiver zu machen und die in ihnen tätigen Fachkräfte im Landkreis zu halten. Derzeit handelt es sich dabei um fünf bis acht Fachkräfte, mit denen man im Regelfall zusammenarbeitet. Was eine Anhebung des Stundensatzes auch empfehle, so Hahn, sei der Umstand, dass es seit Bestehen der KoKi (Dezember 2010) noch nie zu einer Erhöhung des Stundensatzes kam.

Bevor es zur Abstimmung kam, meldete sich Georg Deuerling zu Wort und erkundete die Stundensätze in Oberfranken. Dabei erfuhr er von Hahn, dass es sich bei den 40 Euro um übliche Sätze handelt und dass Forchheim und Bamberg wohl zu den wenigen Orten zählen, bei denen es tariflich "größere Ausreißer" nach oben gebe. Dann folgte die Abstimmung, und sie sollte einstimmig für eine Erhöhung ausfallen.

"Auf Kommunen abgewälzt"

Schon seit Februar dieses Jahres im Gespräch ist die Bedarfsermittlung von sonderpädagogischen Stütz- und Förderklassen, Einrichtungen also, die laut einer Definition Schülern zugute kommen, die aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten sowie eines emotionalen und sozialen Förderbedarfs das reguläre Schulangebot nicht angemessen wahrnehmen können. Für das Schuljahr 2020/21 wurde im Kreis eine solche Klasse mit neun Schülern gebildet. Doch zwischenzeitlich hatte sich der Bedarf einer weiteren derartigen Klasse für das Schuljahr 2021/22 angedeutet.

Es ging bei dem Beschluss um die Fortführung beziehungsweise den Ausbau des Modells Stütz- und Förderklasse. Auch wenn der Beschluss einstimmig fiel, stand Stadtrat Sebastian Müller (SPD) dem kritisch gegenüber: Hier werde etwas "auf Kommunen abgewälzt", wofür eigentlich das Land in der Pflicht stünde, schließlich sei Kultus und Bildung Ländersache. MH