Gehören Smartphones in die Hände von Grundschülern? Und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Das war der Kern der Fragen, zu deren Beantwortung die Adam-Riese-Schule eine Referentin zum Elternabend eingeladen hatte. Und die konnte sich über mangelndes Interesse nicht beklagen.
Denn das Thema, mit welchem die Medienpädagogin Stefanie Weiß aus dem Landkreis Kulmbach einmal pro Monat Schulen aufsucht, ist heikel, bietet Chancen und Gefahren gleichermaßen. Die aber sollte man kennen, denn die schöne neue Medienwelt ist unübersichtlich. So sehr, dass es sogar eine Stiftung Medienpädagogik gibt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat,
Referenten dazu touren zu lassen. Ein Gedanke, der bei der Schule auf fruchtbaren Boden fiel und auch vom Landratsamt Lichtenfels, Sektion Jugend und Familie, mitgetragen wird.


Suchmaschinen für Kinder

"40 bis 50 Prozent der Kinder im Grundschulalter haben Smartphone und Handy", so Stefanie Weiß. Zu dem, was dazu wissenswert ist, waren aus den Zuhörerreihen ab und an Laute des Erstaunens zu hören - und es war klar, dass etwas angesprochen wurde, das neu war oder bislang unterschätzt wurde. Neu war manchen Eltern, dass der Beitritt zu einer WhatsApp-Gruppe frühestens 13-Jährigen vorbehalten ist, der Beitritt zu Facebook erst 16-Jährigen. Neu war manchen auch die Existenz von Suchmaschinen, die eigens für Kinder eingerichtet werden können. Keine Verfänglichkeiten also bei der Eingabe von Begriffen wie beispielsweise "Pipi" für Pipi Langstrumpf, zu denen übliche Suchmaschinen unter Verkettung von Umständen auch pornografische Seiten anbieten könnten.
Überhaupt beinhaltete der Vortrag Aspekte, bei denen man sich lange fragen mochte, ob es um eine empirische Studie ging und wann denn nun die Empfehlungen für Eltern kommen, die den Wünschen ihrer Kinder nach einem Handy ratlos oder leichtfertig gegenüberstehen. Darauf angesprochen, schmunzelte Stefanie Weiß und erklärte, dass der auch von ihr mit erarbeitete Vortrag Hintergründe und Erziehungstipps gleichermaßen im Sinn habe.
Hintergründe gibt es einige und die sind vor allem wirtschaftlicher Natur. "Keine App ist umsonst", klärte die 32-Jährige auf und setzte den Zuhörern auseinander, mit welchen Geschäftsmodellen Anbieter im
Netz auch auf dem Handy von Kindern operieren. Sonderdienste wie Servicenummern, Premium-SMS und Lockanrufe sind Üblichkeiten im Netz und schon Erwachsene steigen oft genug nicht durch den Dschungel der Zusammenhänge.


Kinder in die Pflicht nehmen

Und so verständnisvoll und ausgleichend die zweifache Mutter sich in Bezug auf Kinderwünsche nach einem Smartphone zeigte, der mit Sätzen wie "Die anderen haben das auch alle!" vorgetragen wird, so prinzipienfest war sie bei dem, was sie von den Eltern einforderte: "Beachten Sie USK-Empfehlungen bei Filmen - da brauchen Sie mit dem Kind nicht diskutieren." Oder: "Nehmen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Sicherheitseinstellungen am Handy/Smartphone vor (...), stellen Sie gemeinsam Regeln zum Umgang mit Daten auf!" Mehr noch, denn man kann auch mit seinen Kindern einen Vertrag schließen, sie also bei der Mediennutzung in die Pflicht nehmen. Und Weiß hielt fest: "Vermittlung von Medienkompetenz ist zuallererst Familiensache."