Bamberg — Es ist kurz nach 12.30 Uhr, als mir eine Gruppe von Jugendlichen am Gabelmann auffällt. Es ist ein heißer Tag und viele legen dort eine Pause ein, um ihr Eis oder andere Leckerei zu genießen. Weil schon viele Steine belegt sind, die dort als Sitzgelegenheit dienen, müssen sich die vier Mädels zusammen auf einen Stein quetschen. Zwei Jungs bleiben davor stehen, um sich mit ihnen zu unterhalten. Plötzlich schreit einer der Jungen auf und rennt, wild mit den Händen fuchtelnd, über den Platz. Wie sich herausstellt, versucht er verzweifelt eine Biene loszuwerden. Von Sicherheitsabstand kann weder zwischen Biene und Junge, noch zwischen den Umhersitzenden, die darüber schmunzeln müssen, die Rede sein.

In Schulen, Geschäften, Imbissbuden und Restaurants muss genauestens auf die Einhaltung der Maßnahmen geachtet werden. Im Freien sind die Maßnahmen zum Schutz gegen die Corona-Pandemie allerdings oft nicht ganz eindeutig und oft sogar widersprüchlich.

Was gilt eigentlich?

Laut dem Freistaat Bayern muss beim Spazierengehen oder Radfahren keine Maske getragen werden. Was Wochenmärkte im Freien angeht, gibt es allerdings keine eindeutige Regelung. "Das Tragen einer Alltags-Maske im öffentlichen Raum wird in bestimmten Situationen dringend empfohlen, vor allem dort, wo der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Das kann sowohl im Freien, als auch bei der Arbeit sein", sagt Frank Förtsch, Pressesprecher des Landratsamtes Bamberg. Die Frage, ob eine Maske im Freien notwendig ist, kann also mit einem klaren "Jein" beantwortet werden.

Bei meinem Rundgang, den ich am ZOB gestartet habe, fällt mir der Zwiespalt der Bamberger Bürger immer wieder auf. Muss ich nun eine Maske tragen oder nicht? Teilweise bin ich mir selbst unsicher. Viele setzen den Mund- und Nasenschutz erst kurz bevor sie in den Bus steigen auf. "Die Maskenpflicht gilt an allen Bahnsteigen und Haltestellen", sagt Jan Giersberg, Pressesprecher der Stadtwerke Bamberg. Schon beim Warten auf Bus oder Bahn muss die Maske getragen werden.

Ich laufe weiter Richtung Kettenbrücke und von dort aus zum Maxplatz. In der Fußgängerzone wird der Platz zwischen den vorbeigehenden Leuten immer enger. Frauen mit Kinderwägen, Passanten mit Fahrrädern und Kunden, die aus den Ein- und Ausgängen von Geschäften kommen, kreuzen meinen Weg. Es wird zunehmend schwieriger, genügend Abstand zu halten.

Nur kurz Kirschen kaufen

An den Marktständen mit frischem Obst entsteht eine langgezogene Schlange. Einige Leute setzen die Maske beim Warten auf, andere erst kurz bevor sie an der Reihe sind. Eine ältere Dame verzichtet ganz auf den Mundschutz und packt ihre frisch abgewogenen Kirschen in eine Tasche auf ihren Rollator. Auch hier: Unsicherheit.

An einem anderen Marktstand stehen gerade keine Kunden an. Dort lockert die Verkäuferin kurz erleichtert ihre Maske und atmet tief durch. Die Verkäufer und Bedienungen müssen ständig einen Mundschutz tragen. Nach dem Grünen Markt laufe ich weiter Richtung Obere Brücke und beobachte eine Gruppe älterer Touristen, die ihre Köpfe für ein Gruppenbild vor dem alten Rathaus zusammenstecken, das Lächeln darf natürlich nicht fehlen - also keine Maske. Im Reisebus freilich, müssen alle Mitfahrer eine Maske zum Schutz tragen.

Ich schlendere über die Untere Brücke und muss Fahrradfahrern ausweichen, die sich an den Fußgängern vorbei schlängeln. Hier wird es zeitweise etwas eng. Eine Maske trägt aber fast keiner von den Passanten, Studenten und Touristen, die es sich dort gemütlich machen. Der Sicherheitsabstand beim Sitzen wird aber relativ gut eingehalten.

"Der Abstand wird regelmäßig kontrolliert. Vor allem in der Innenstadt, im Sandgebiet, in Fußgängerzonen, Supermärkten und an Bushaltestellen" sagt Silke Gahn, Pressesprecherin der Polizei Bamberg Stadt. In Bayern kann es zu einem Strafgeld von 150 Euro bei Privatpersonen und bis zu 5000 Euro für Ladenbesitzer kommen, wenn keine Maske getragen wird.

Mundschutz im Freibad

Beim Baden in den Freibädern gelten ebenfalls strenge Regeln. Der Mundschutz muss sobald man seinen Liegeplatz verlässt getragen werden. Da legen sich viele lieber auf eine Wiese im Hainpark oder springen mal schnell in die Regnitz. "Ich kann nachvollziehen, dass sich die Menschen abkühlen wollen und sie, wenn das Freibad voll ist, an einen Badesee ausweichen, aber dort sind die Hygieneregeln nicht kontrollierbar und es gibt keine Badeaufsicht", sagt Jan Giersberg. Die Stadt Bamberg warnt deswegen vor Baden in Seen. In der Regnitz sei das Baden ohnehin verboten. Zumindest in diesem Bereich bleiben keine Zweifel offen.