Ungefähr zehn Minuten kann man spielen. "Danach muss man bei diesen Temperaturen regenerieren", sagt Tobias Ziegler (Trompete). Und er meint die Lippen und die Gesichtsmuskulatur.

Er und fünf weitere Blechbläser des Philharmonischen Orchesters des Landestheaters hatten sich bereit erklärt, auf der Baustelle des "Globe" im Orchestergraben ein Mini-Konzert zu spielen - bei zwei Grad Außentemperatur. Ziegler: "Aber wir machen das gerne! Wir freuen uns, hier erstmals spielen zu können."

Und so präsentierten Ziegler und Markus Riepertinger, Hedwig Emmerich (Trompete) sowie Michael Gößmann, Carsten Fuss und Peter Vörös (Posaune) drei kurze Werke aus der Spätrenaissance vor Presse, Zaungästen und der Leitung des Landestheaters.

So erklangen aus der Baugrubes des "Globe" drei Blechbläserstücke aus dieser Epoche, Werke von Hans Leo Hassler (1564 - 1612), Benedetto Marcello (1686 - 1739) und Melchior Franck (1579 - 1639). Franck war ab 1603 Hofkapellmeister bei Herzog Johann Casimir und starb in Coburg. Ein Gedenkstein auf dem Schlossplatz erinnert an ihn.

Andere Instrumente als Blechbläser hätten an diesem Tag auch nicht zum Einsatz kommen können, sagt Ziegler. "Streicher oder Holzblasinstrumente machen das bei diesen Temperaturen nicht mit. Nur Blechbläser halten das aus, diese Instrumente kommen sogar mit noch tieferen oder sogar ziemlich hohen Temperaturen klar."

Blieb also das Problem der Gesichtsmuskulatur. Und um das ein wenig aufzufangen, hatte Posaunist Michael Gößmann sich ein Hilfsmittel mitgebracht - eine Thermoskanne. Aber nicht mit Tee oder einem anderen Heißgetränk. "Da ist heißes Wasser drin", sagt er. Und das war auch nicht zum Trinken gedacht. Damit brachte er vor den Stücken jeweils das Mundstück seiner Posaune auf Temperatur. "Ich bin schon ein wenig älter, da spielen die Lippen nicht mehr so mit", sagt er lachend. Stimmt aber gar nicht, dass das mit dem Alter zu tun hat, sagten seine Musiker-Kollegen später. "Er macht nur Scherze."

Schon Ende Februar war im Zuge der Bauarbeiten der Orchestergraben erkennbar geworden. Das Tageblatt hatte angefragt, ob eine musikalische Darbietung auf der Baustelle denkbar wäre, und das Landestheater machte es möglich. Fritz Frömming, kaufmännischer Direktor: "Das nächste größere Ereignis auf der Baustelle dürfte dann das Richtfest sein."

Der Fortschritt am "Globe" lockte etliche an. Einige Dutzend Zaungäste hatten sich eingefunden, konnten dem Blitz-Konzert von außen zuhören.

Nach rund zehn Minuten war die erste "Einweihung" der künftigen Interims-Spielstätte des Orchesters also wieder vorbei. Und was macht man als Musiker dann, um die Lippen wieder auf Temperatur zu bringen? "Maske aufsetzen", sagt Ziegler. Immerhin, die haben ja heutzutage alle immer dabei...

Am Ende jedenfalls waren auch die Musiker zufrieden, auch wenn das Spielen bei winterlichen Temperaturen anders ist. Ziegler: "Wir müssen natürlich bei der Weise, wie wir spielen, Abstriche machen im Vergleich zum Spiel in einem Orchestersaal. Aber auf das Ergebnis für Zuschauer dürfte das keine Auswirkungen haben." Nein, hatte es auch nicht - es war einfach ein schöner Musik-Moment.