Die Familienbeauftragte der Stadt Bamberg, Gisela Filkorn (64), erhielt die Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste. Seit 2006 und noch bis Februar 2018 bekleidet die Diplom-Kauffrau diese Aufgabe. Staatsministerin Emilia Müller würdigte das "unermüdliche Wirken" Filkorns für die Belange von Familien in Bamberg: "Zusammen mit dem Familienbeirat der Stadt haben Sie zahlreiche Vorhaben und Projekte initiiert. Zum Beispiel das ,Bamberger Ferienabenteuer', den ,Familienpass Däumling' oder das ,Familienfreundlichkeitsprofil der Stadtverwaltung', sagte Müller. Wir sprachen mit Gisela Filkorn über ihre Tätigkeit.

Frau Filkorn, wie wird man eigentlich Familienbeauftragte?
Gisela Filkorn: 2004 wurde der Familienbeirat gegründet. Nach kurzer Zeit hat man gesehen, dass so ein Beirat eine Koordinationsfigur braucht und auch eine Person, die die Belange der Bamberger Familien kontinuierlich und nachdrücklich in der Stadtverwaltung und nach außen vertritt. Nachdem ich schon beim Entstehen des Familienbeirats kräftig mitgemischt hatte, fiel die Wahl auf mich.

Was zählt zu Ihren Hauptaufgaben?
Meine Aufgaben habe ich mir immer selber gesucht. Ich finde es sehr anerkennenswert, dass die Stadt nie versucht hat, darauf Einfluss zu nehmen. Sehr wichtig ist mir die Vernetzung von unterschiedlichen Akteuren für Familien in Bamberg, um gemeinsam etwas zu bewirken. Dann halte ich immer die Ohren weit offen, um zu hören, was Familien brauchen. Ich entwickle neue Ideen, um den Bedürfnissen von Familien so gut wie möglich gerecht werden zu können. Konkret beziehe ich immer wieder Stellung gegenüber Stadtverwaltung und Politik, um auf Missstände oder Verbesserungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen. Ich biete eine offene Sprechstunde für Familien an, damit sie Sorgen und Nöte loswerden können. Und ich rufe mit anderen Einrichtungen zusammen viele Projekte ins Leben, von denen ich hoffe, dass sie für Familien hilfreich sind. Darüber hinaus arbeite ich mit den Bündnissen für Familien in der ganzen Bundesrepublik zusammen. Deren Motto "Ideenklau erwünscht" begeistert mich immer noch und davon habe ich auch reichlich Gebrauch gemacht.

Würden Sie sagen, dass es ein schwieriges Amt ist? Schließlich kollidieren die Interessen und Forderungen von und für Familien manchmal mit den Vorstellungen von Stadtrat und -verwaltung.
Ich halte das Amt für sehr gewinnbringend. Es befriedigt mich sehr, wenn ich das Gefühl habe, etwas bewirken zu können. Natürlich ist der Weg dahin manchmal steinig und man braucht oft einen langen Atem. Insbesondere in den Anfängen meiner Tätigkeit musste ich mit vielen Widerständen kämpfen. Aber das gehört dazu. Veränderungen rufen ja immer Widerstände hervor.

In welcher Hinsicht ist Bamberg noch nicht so familienfreundlich, wie Sie es sich wünschen?
Gut ist, dass die Politik erkannt hat, dass deutlich mehr Geld in die Hand genommen werden muss, um ausreichende Kinderbetreuungsplätze bereit zu stellen. Aber nach wie vor ist der Bedarf hoch, insbesondere an Krippenplätzen, an Plätzen für die Mittagsbetreuung in Grundschulen und in der Ferienbe-treuung. Das Thema bezahlbarer Wohnraum treibt mich schon meine ganze Amtszeit um und hier besteht unverändert hoher Handlungsbedarf. Auch das Thema Familienarmut und damit die ungleichen Chancen für viele Kinder in unserer Stadt ist und bleibt mir ein großes Anliegen.

Welche Ziele haben Sie sich für den Rest Ihrer Amtszeit gesetzt?
Da gibt es einiges, was mir am Herzen liegt. 1. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter stärken; 2. Die Väter stärker ins Boot holen: viele wünschen sich das, begegnen aber betrieblichen und gesellschaftlichen Hindernissen; 3. Ins Bewusstsein rufen, welche vielseitigen Möglichkeiten sich aus gegenseitiger nachbarschaftlicher Unterstützung ergeben; 4. Die Stadt dazu bewegen, deutlich mehr Engagement in das Entstehen gemeinschaftlicher Wohnprojekte zu legen. In drei Monaten ziehe ich selber in ein Mehrgenerationenprojekt!
Es gibt so viel, was ich noch anstoßen möchte, aber da muss ich mich wohl einfach bescheiden. Stattdessen möchte ich dafür sorgen, dass die bestehenden Projekte von anderen gut weitergeführt werden, insbesondere auch die gute Zusammenarbeit innerhalb der Metropolregion Nürnberg.

Die Fragen stellte J. Behr-Groh.