katharina müller-sanke

Wenn makabre Texte mit unfassbarer Ernsthaftigkeit gesungen werden - wenn die Liebe in allen ihren Facetten pointiert wird - wenn das Leben ganz leicht scheint und man dazu auch noch tanzen könnte - dann ist man in der Musik der 1920er und 1930er Jahre angekommen. In Putzenstein mit den "Ballhaus Boys" hatte der Zuhörer genau dieses Lebensgefühl. Da wird über Affären, Mord und Stalker gesungen, als wäre es das Natürlichste der Welt.
Und es ist tatsächlich lustig. Durch die überzeichneten Texte und die spießige Art des Sängers Peter Wittmann entsteht eine unfassbar komische Mischung, die aber selten plump ist. An vielen Stellen des Programms wird zumindest ein Grundstock humanistischer Bildung zum Verständnis vorausgesetzt. Und oft geht es um die Liebe und um Herzensangelegenheiten. Das passt besonders gut, weil Frontmann Peter Wittmann im echten Leben Kardiologe ist. Die Musik und das Schauspiel sind seine Leidenschaft.
Es ist wahrhaft nicht nur Musik, sondern gleichzeitig auch Schauspiel, das dem Zuschauer und Zuhörer bei den Ballhouse Boys geboten wird. Wittmann und seine Band sind dabei dermaßen authentisch, dass das Publikum tatsächlich den Eindruck gewinnt, die fünf seien einer anderen Zeit entsprungen und Max Rabe würde sie porträtieren - und nicht umgekehrt. Sie singen und spielen "Frauen brauchen einen Hausfreund", "Musik hat mich verliebt gemacht" und packen Themen unserer Jetzt-Zeit in erfrischendes Gewand. Zum Beispiel wenn Wittmann singt "Klonen - Klonen kann sich lohnen - Erbsen oder Bohnen - oder auch Personen..... ich hab Dein Duplikat, Du selbst bleibst mir erspart". Ein wunderbar unterhaltsamer Abend auf hohem Niveau.