"Nach elf Jahren intensiver Bemühungen sind die Weichen für eine zukunftsfähige Entwicklung des Lucas-Cranach-Campus gestellt", betont Hans Rebhan, Vizepräsident der IHK für Oberfranken und Vorsitzender des IHK-Gremiums Kronach bei einer Sitzung des IHK-Gremiums zu der auch weitere Vertreter der Industrie und des Handwerks geladen waren. Geplant ist laut einer Pressemitteilung ein mittelständisch gedachtes und in Bayern einzigartiges Weiterbildungskonzept.

Rebhan gerät ins Schwärmen, wenn er über den Lucas-Cranach-Campus (LCC) spricht: "Dass mehrere Hochschulen an einem Standort wirken, ist eine absolute Besonderheit." Dieser Bildungscampus solle nicht nur Wert auf Studierende legen. "Die Verbindung von beruflicher Bildung, akademischer Bildung und lebenslangem Lernen steht denn auch im Mittelpunkt einer Begleitforschung, deren erste Stufe in Auftrag gegeben wurde." Bereits im Jahr 2021 sollen die ersten Studiengänge starten. Rebhan: "Es gibt noch viel zu tun, aber wir sind auf einem sehr guten Weg." Er bedankt sich in diesem Zusammenhang auch bei den Treibern des Projektes, Landrat Klaus Löffler, dem Kreistag und MdL Jürgen Baumgärtner.

Wahrnehmung für Erfolg wichtig

Drei Experten skizzieren Ansätze zur Weiterentwicklung des LCC. Design -Strategin Ricarda Jacobi von der TH Ostwestfalen-Lippe entwickelt die Idee eines "partizipativen Gestaltungstools". Ihr geht es dabei primär um die Gestaltung des Campus als Ort. "Ziel ist ein besonderer Ort, auf den alle Mitglieder stolz sind, ein Ort, der Zugehörigkeit und Gemeinschaftsgefühl ausstrahlt, aber auch ein Ort, der anregt, Verantwortung zu übernehmen", sagt Ricarda Jacobi. Sie argumentiert, dass der Erfolg des Campus stark abhängig sei von der öffentlichen Wahrnehmung.

Sie macht deutlich, dass "Innovation" nicht einfach behauptet, sondern bewiesen und gelebt werden muss. Ihr Ansatz für den LCC ist deshalb ein öffentlichkeitswirksames, technologisch innovatives Planungstool, das Interessierte bereits in der Planungsphase einbindet und Insights generiert."

Steckenpferd von Tobias Bocklet, Professor für "Machine Learning" von der TH Nürnberg, ist die künstliche Intelligenz. In Kronach will er ein lokales Kompetenzzentrum für künstliche Intelligenz etablieren.

Er entwickelt mit und für Unternehmen fallbasierte Konzepte, wo die Studierenden Prototypen entwickeln und vorstellen sollen. Mit diesem Ansatz stieß er bei den anwesenden Unternehmern auf großes Interesse.

"Mut zum Machen" gefordert

"In Deutschland gibt es ein immenses Angebot an Hochschulen und damit einhergehend auch eine unglaubliche Konkurrenz", macht Pablo Neder, Co-Gründer und CEO des Beratungsunternehmens "The Ringsight", deutlich. 426 Hochschulen mit über 20 000 Studiengängen gebe es in Deutschland. Diese Tatsache führe automatisch zur Frage, wie man bei Studierenden Interesse für den Hochschulstandort Kronach weckt.

"Oder anders formuliert: Wie macht man aus der Vision des Lucas-Cranach-Campus eine Marke?", so Neder laut der Pressemitteilung. Um dies zu erreichen, stehen aus seiner Sicht drei Aspekte im Mittelpunkt: "Mehr Offenheit für Neues", "Mut zum Machen" und "Fachkräfte für die Region gewinnen". Er macht deutlich, dass es die Marke "Lucas-Cranach-Campus" bereits gebe als Resultat einer Entwicklung, einer größeren Idee und Ergebnis einer Geschichte.

"In einem nächsten Schritt muss diese Marke für Außenstehende bekannt, erlebbar und relevant gemacht werden. Das ist die Aufgabe der Markenführung", sagt Pablo Neder. Dabei komme Kronach die Dynamik und die hervorragende Zusammenarbeit von Wirtschaft, Wissenschaft und Praxis zugute.

Rebhan bedankt sich für die inspirierenden Vorträge. Viele der Teilnehmer zeigen sich beeindruckt, was in den vergangenen Jahren - oft im Verborgenen - erreicht worden sei. red