Nachdem CSU und SPD ihre Kandidaten zur Bürgermeisterwahl nominiert hatten, wurde am 4. Februar Simone Naumann von den Freien Wählern , ebenfalls einstimmig, als Kandidatin für die Wahl am 11. April nominiert. Sie bewirbt sich als unabhängige und überparteiliche Bürgermeisterkandidatin.

Bereits im Bericht über die Nominierungsveranstaltung wurde darauf hingewiesen, dass sie für ihren Wahlkampf vollumfänglich eigenverantwortlich handelt. Dass sie hierfür viel mehr Energie aufbringen müsse, eben weil sie als unabhängige Kandidatin alles selber stemme, darüber sei sie sich im klaren. Aber, so sagt sie selbstbewusst: "Diese Energie habe ich!" Seit dem Bekanntwerden ihrer Kandidatur erhalte sie beinahe täglich spontane Hilfsangebote von Bürgern aus der Gemeinde. Diese große Bereitschaft zur Wahlkampfunterstützung habe sie sehr gefreut und tief bewegt.

Im Pflegeheim in Marktgraitz tätig

Die 42-jährige, gebürtige Michelauerin, die ihr ganzes bisheriges Berufsleben im Landkreis Lichtenfels tätig war, arbeitet zurzeit im Pflegeheim in Marktgraitz. Bei ihrem Dienst für die Ältesten unserer Gesellschaft, denen sie mit Engagement und aus tiefster Überzeugung hilft, ihren Alltag Lebenswert zu gestalten, benötige sie vor allem eine hohe Sozialkompetenz. Diese sei das Fundament und somit auch ein Hauptmerkmal ihres Charakters.

Folglich sei es, ihr politisches Wirken betreffend, auch nicht überraschend, dass sie immer bestrebt sei, zwischen Konfliktparteien einen Kompromiss zu finden. Ihre Eigenschaft, sich offen und wissbegierig neuer Aufgaben anzunehmen, um diese dann zu meistern, sei sicher zum Teil auch eine Folge ihres bisherigen, anfangs auch sehr schwierigen Lebensweges. So hätte sie bereits als junger Mensch beide Eltern verloren. Diese unfreiwillige, früh erforderliche Eigenständigkeit habe sie natürlich stark geprägt. Selbst sagt sie über sich: "Ich nehme stets gerne neue Herausforderungen an, und es macht mich stolz und glücklich, wenn ich meinen Mitmenschen und mir beweisen kann, was ich zu leisten in der Lage bin."

Ihre prägenden Lebenserfahrungen würden ihr auch rechtzeitig helfen zu erkennen, wenn gehandelt werden muss. Der unvermeidbare und folgerichtige Austritt aus der SPD sei ein solcher Moment gewesen. Abschließend hierzu betont Sabine Naumann, dass es im Leben jedes Menschen Ereignisse und Umstände gebe, welche dem Betroffenen keine andere Wahl mehr ließen als konsequent zu handeln, um letztlich sich und seinen Idealen treu zu bleiben. Dass die Entscheidung zur Kandidatur richtig war, zeige der starke Zuspruch, unter anderem auch von Gemeindemitgliedern, von denen dies so nicht zu erwarten war. Jetzt, als parteiloses Gemeinderatsmitglied, sei es ihr möglich, den direkten Vergleich zu ihrer vorherigen parteigebundenen Tätigkeit zu ziehen.

Bereits damals fiel ihr auf, dass mitunter schwierige und zeitraubende Diskussionen stattfanden, bis es dann endlich zur Umsetzung verschiedener Vorhaben kam. Die Kandidatin sieht für die Gemeinderatsarbeit gerade darin einen großen Vorteil, wenn sie als Bürgermeisterin parteilich nicht gebunden wäre. Parteilose Bürgermeister seien schon längst eine sehr häufige politische Realität, in mehr als 40 Prozent der deutschen Rathäuser. Hier hätten die Bürger erkannt, welche Chancen es bietet, wenn ihr Bürgermeister sachgerechte Entscheidungen auch ohne ideologische Einengungen treffen kann. Naumann wäre es auch ein großes Anliegen, zwischen den Gemeinderatsfraktionen eine vermittelnde Rolle als Mediator einzunehmen. Ein weiterer Vorteil ihrer Überparteilichkeit. Somit wäre es auch deutlich einfacher, Mehrheiten im Gemeinderat zu realisieren. Diese Mehrheiten könnten, je nach Anliegen und Zuspruch der Fraktionen, flexibel gewonnen werden. Vorschläge, Ideen oder Projekte, welche von einer neutralen Bürgermeisterin kämen, hätten es viel leichter, eine fraktionsübergreifende Zustimmung zu erhalten. Es wäre schön, wenn dieser politische Mehrwert auch für die Gemeinde Michelau genutzt werden könnte.

Mix aus Industrie, Handwerk und Handel

Von ihren Zielen hat die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Gemeinde höchste Priorität. Hier möchte sie einen gesunden Mix aus Industrie, Handwerk und Handel unterstützen. Gelinge das, dann wäre dies ganz sicher aber immer noch zu wenig für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes. Deswegen ist es ihr ein ebenso großes Anliegen, gewerbliche Neuansiedlungen auch mit kommunaler Hilfe zu realisieren. "Mein ganz besonderes Augenmerk liegt hier auf Industrie- und Gewerbeansiedlungen, welche Produkte und Dienstleistungen in neuen, nachhaltigen und digitalen Bereichen anbieten."

Ganz aktuell möchte Naumann hier auf ein Pilotprojekt verweisen, welches die Wasserstofftechnik in Oberfranken unter Realbedingungen testen und etablieren soll z. B. für Verkehr und Gebäudebeheizung. So soll in Lichtenfels für rund elf Millionen Euro ein Forschungs- und Anwendungszentrum entstehen. Für die Menschen in der Gemeinde könnten solche Unternehmen und Start-ups attraktive Arbeitsplätze mit langfristiger Bestandsperfektive bieten. Es sollte allen klar sein, dass nur zukunftsfähige Arbeitsplätze, welche den Menschen langfristig ein gesichertes Einkommen ermöglichen, das Fundament unseres Gemeinwesens sind. Als direkte Folge hängen Familienplanung, Bautätigkeit, Gastronomie, Vereinsleben, soziale Einrichtungen sowie auch die sehr hoch einzuschätzenden ehrenamtlichen Tätigkeiten und eine aktive Kirchengemeinde von einer erfolgreichen Arbeit für die wirtschaftliche Weiterentwicklung ab. Es besteht hier natürlich eine Wechselwirkung zwischen Gemeinde- und Wirtschaftsleben.

Dabei ist es ihr auch ein wichtiges Anliegen, dass über Vereine, Rettungsdienste und Ehrenamt immer versucht wird, auch Kinder und Jugendliche zur Mitarbeit zu gewinnen. Naumanns Arbeitsweise sei es aber, nicht Versprechungen zu machen, welche sie nicht einhalten kann. Gerade im Hinblick auf die Corona-Pandemie wäre dies unseriös, weil mit großer Wahrscheinlichkeit nicht alles umgesetzt werden könnte. Die finanziellen Auswirkungen auf die Kommunen seien heute noch nicht abzusehen.

Sabine Naumann: "Ich will durch Leistung überzeugen und so in fünf Jahren eine Wiederwahl durch die Bürger erreichen. Gerne möchte ich mich in verantwortungsvoller Position politisch einbringen und langfristig, mit Würde, Respekt und Anstand für unsere Gemeinde arbeiten. Mitglied einer Partei muss ich hierfür nicht sein."