Die Region Obermain-Jura umfasst den Landkreis Lichtenfels und die Randgebiete des benachbarten Landkreises Bamberg. 16 Gemeinden und Städte haben sich in den vergangenen Jahren unter dem Namen "Obermain Jura" aufgemacht, um in verschiedenen Bereichen die eigene Identität zu stärken und weiterzuentwickeln. So wurde beispielsweise vor drei Jahren die gleichnamige Tourismusregion gegründet. Außerdem wurden im kulturellen Bereich regionale Plattformen entwickelt. Jüngst wurde auf dem Sektor Naturschutz/Kulturlandschaft mit der Installation einer Gebietsbetreuung die Initiative für eine Stärkung der Region ergriffen. Die teilnehmenden Gemeinden sind Michelau, Marktzeuln, Marktgraitz, Redwitz, Burgkunstadt, Altenkunstadt, Weismain, Hochstadt, Lichtenfels , Bad Staffelstein, Ebensfeld sowie Stadelhofen, Scheßlitz, Zapfendorf, Wattendorf und Königsfeld.

Die Region Obermain-Jura möchte nun die naturverträgliche Landbewirtschaftung in Kombination mit einer regionalen und gesundheitsbewussten Ernährung weiter vorantreiben. Für die "Öko-Modellregion" erhofft sich die Projektleiterin einen starken Impuls für mehr regionale Erzeugung, Verarbeitung und Verbrauch ökologisch erzeugter Lebensmittel mit Ausstrahlung auf weitere Lebensbereiche. Im Raum stehen dabei folgende Fragestellungen und Ziele: Wie ist es möglich, dass sich Privathaushalte direkt, regional, saisonal, ökologisch und sozial nachhaltig mit Obst und Gemüse versorgen können, dass in Gasthäusern , Cafés und Großküchen ökologisch und regional erzeugte Produkte verarbeitet werden beziehungsweise auf den Tisch kommen (Bio-Essen)?

Derzeit noch zu wenig Bio-Bauern

Doch die Region punkte nicht nur etwa mit Gebackenem und Gebrautem als Touristenmagnet und als Gesundheitsregion - sie habe auch Schwächen.  Diese macht Bianca Faber anhand aktueller Zahlen deutlich: Die Region, sagt sie, habe nur wenige Biobauern, "nur fünf Prozent der Betriebe sind Bio- oder Umstellungsbetriebe, sie bewirtschaften sechs Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche". Beide Zahlen lägen unter dem bayerischen und bundesdeutschen Durchschnitt nach Angaben des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg/Bad Staffelstein von 2018. Angepeilt seien aber 30 Prozent, so Bianca Faber. Und weiter: "Wir haben viel Potenzial und große Chancen - aber die Struktur fehlt noch a bisserl." Die Region bräuchte nicht nur einen, der Brot bäckt, und einen, der Linsen anbaut: "Wir brauchen einen Zusammenschluss!" Was die Definition von "regional" angehe, so könne wohl keine abstrakte Zahl genannt werden, sagt Bianca Faber: "Man kann ganz Bayern sagen, oder auch noch im Umkreis von 100 Kilometern."

Ziele der Öko-Modellregion Obermain-Jura wären somit mehr Biobetriebe mit möglichst bäuerlicher Struktur, die Verbesserung der Vermarktung und Vernetzung und damit auch eine Verbesserung des Bioangebotes für Verbraucher. Bio-Essen aus der Region könnte sich in der Gastronomie und in Großküchen etablieren. Davon würden auch die Landschaftspflege-Projekte und die Artenvielfalt langfristig profitieren.  Gelingen könne das durch mobile Gemeinschaftsläden, Vernetzung der Direktvermarkter oder ein Online-Bestellsystem. Denkbar wären ferner ein Öko-Regio- Präsentkorb, eine Bio-Zertifizierung von Streuobst-Beständen und die Organisation der Vermarktung. Hilfreich wären zudem Genuss-Angebote für Touristen und Einheimische sowie ein Öko-Tourismus , bei dem die Akteure aus dem Bereich Obermain-Jura, den kommunalen Tourist-Büros und den Biobetrieben kommen könnten.

Dörfer sollen vitalisiert werden

Durch die Ökomodell-Region sollen die Dörfer als Arbeits- und Wohnorte gestärkt, kleinere Hofstrukturen vitalisiert werden, die Nahversorgung sollte verbessert und die Handwerksbetriebe wie Landmetzgereien,  Mühlen, Bäckereien und Direktvermarkter sowie die Gastronomie für mehr Bio-Regionales gewonnen werden - das wünschte sich Landrat Christian Meißner ( CSU ) beim Startschuss des Projektes im Jahr 2019. Vor rund zwei Jahren hatten sich die Initiatoren und Vertreter der beteiligten Kommunen zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft im Landratsamt Lichtenfels getroffen.

Das Team des Projektmanagements besteht aus BBV-Kreisobmann  Michael Bienlein, dem Leiter der Umweltstation, Michael Stromer, und Projektleiterin Bianca Faber. Regelmäßig tauschen sie sich im Team untereinander aus. Bianca Faber ist Ansprechpartnerin, wenn jemand Auskünfte, etwa zur Zertifizierungen oder Vermarktung, haben möchte. Sie ist per Mail erreichbar unter bianca.faber@landkreis-lichtenfels.de .