Von der Pilzlampe „Pila“ zu besonderen Präsentkörben: Hat Margot Weiß aus Bad Staffelstein im Sommer diesen Jahres noch intensiv an ihrem Abschlussstück der Staatlichen Berufsschule für Flechtwerkgestaltung gearbeitet, bilden heute Brötchen- und Präsentkörbe ihren Auftrag. Dieser ist wohl etwas ganz Besonderes: Er ist der erste für Margot Weiß als frisch gebackene Kleinunternehmerin und gleichzeitig schon ein Großauftrag. Erhofft hatte sie sich solch einen zwar, aber dennoch war sie anfangs überrascht: „Zuerst war von weniger Stücken die Rede, darüber hatte ich mich auch schon gefreut, aber dann wurden daraus immer mehr“, erzählt sie. Mit Profession und Tatendrang ist sie bestrebt, diese große Chance zu nutzen und weiß: „Wenn ich meine Sache gut mache, ist es leichter Nachfolgeaufträge zu bekommen.“

Zufall und Begeisterung

Zwar hatte sich die 55-Jährige bereits eine eigene Werkstatt im Keller des Hauses eingerichtet, in dem sie wohnt, doch waren es wohl der Zufall und ganz viel Begeisterung, die diese Chance ermöglicht haben: Der Auftraggeber ist eine Bäckerei , die samstags mit ihrem Verkaufsbus in verschiedenen Regionen Halt macht, so auch bei Margot Weiß. „Da kam man mal ins Gespräch, da wir unsere Brötchen und unser Brot bei diesem Bäcker auch mit einem meiner Körbe geholt haben“, erzählt sie. Der Zeitpunkt stimmte: Die Bäckerei hatte im vergangenen Jahr ein neues Café eröffnet, die zugehörige Feier könne jedoch erst in Kürze stattfinden und die Pläne mit Frühstückstischen und einem Brunch-Angebot umgesetzt werden.

Heute verbringt Margot Weiß viele Stunden in ihrer Werkstatt und wendet das in der Korbfachschule Gelernte an, entwickelt es aber auch weiter. Das geschieht auf zwei Wegen: „Learning-by-doing ist das A und O bei diesem Beruf, man lernt aus eigenen Fehlern und man muss nun selbst schauen: Wo habe ich den gemacht und warum habe ich den gemacht? Meistens macht man den dann kein zweites Mal, aber vielleicht einen anderen. Aber das ist eben Lernen“, sagt sie.

Dass die „Staatlich geprüfte Flechtwerkgestalterin“, wie Margot Weiß nun betitelt wird, kein „einsamer“ Beruf ist, ist ihr wichtig. Schon in ihrem vorherigen Beruf als Zierpflanzengärtnerin hatte sie das Handwerk und Kundenkontakt gleichermaßen geschätzt. Dann kam sie mit dem Flechtwerk in Berührung, das sie auch heute noch als „meditativ und beruhigend“ empfindet. Ihre Nähe zu Naturmaterialien konnte sie sich auf diese Weise bewahren.

Auch in ihrer Freizeit geht sie gerne wandern und pflegt ihren Garten. Dort findet sie auch Ausgleich und tankt neue Energie. Denn die hat Margot Weiß zweifelsohne: Nach ihrem Abschluss hatte sie sich aus diesen Gründen erst einmal zwei Wochen Urlaub gegönnt. Kaum zu Hause, hat sie jedoch gleich ihr Gewerbe angemeldet. „Das war schon während der Ausbildung mein Ziel“, erzählt sie. „Ich bin optimistisch, weil ich ja nicht der Alleinverdiener bei mir bin und meinen Lebensunterhalt damit bestreiten muss, da mir mein berufstätiger Mann erstmal eine große Stütze ist.“

Gute Berufsaussichten

Sich auf die faule Haut legen, möchte Margot Weiß trotzdem nicht und schätzt auch die Berufsaussichten der nächsten Absolventinnen und Absolventen der Korbfachschule als gut ein: Es seien auch sehr viele junge Menschen dabei, die sich noch weiterbilden können. Ihr wichtigster Tipp lautet jedoch: „Um sich verwirklichen zu können, braucht es Ehrgeiz und Durchsetzungsvermögen. Liebt das Handwerk, die Natur und die Produkte, die Ihr mit euren Händen herstellt, habt Mut eigene Stärken zu suchen, zu finden, einzusetzen und auch Einzigartiges zu erschaffen.“

Diese positive Kraft möchte Margot Weiß auch in Kursen zum Flechthandwerk weitergeben: Von November bis Dezember wird sie zum Beispiel einen monatlichen Workshop im Lichtenfelser Stadtschloss abhalten.