Wo leben mehr Eichhörnchen – im Wald oder in der Stadt? So genau weiß das niemand. Der Bund Naturschutz (BN) will das mit Hilfe von engagierten Bürgerforschern ändern. Seit einem Jahr sammelt er nun Daten über Eichhörnchen. „Wir wollen wissen, wie es den Eichhörnchen in Bayern geht und wie sie in unserer modernen Landschaft zurechtkommen. Dafür brauchen wir die Unterstützung von Freiwilligen, die sich gerne in der Natur aufhalten und uns zufällig beobachtete Eichhörnchen melden“, erklärt Claudia Drenda vom BN. „Je mehr wir wissen, umso besser können wir die flinken Kletterer und ihren Lebensraum schützen.“ Obwohl Eichhörnchen in Bayern noch flächendeckend verbreitet sind, leiden sie sehr unter dem zunehmenden Verlust alter Stadtbäume und älterer Bäume in Laub- und Mischwäldern . Nun gibt es eine erste Bilanz des Bürgerforscher-Projektes und Tipps für eine aktive Eichhörnchen-Hilfe.

18 Meldungen im Landkreis Lichtenfels

Im April 2020 startete der BN das großangelegte Bürgerforscher-Projekt „Eichhörnchen in Bayern“. Ziel ist es, mehr über die Verbreitung der Tiere zu erfahren und das Wissen über Entwicklung und Zustand der Populationen zu verbessern.

„18 Meldungen mit insgesamt 23 Einzeltieren wurden seit Projektstart im Landkreis Lichtenfels abgegeben. Bayernweit sind es sogar 10 400 Meldungen und rund 12 500 Tiere . Das sind hoffnungsvolle Zahlen für ein Pilotprojekt. Die Menschen haben großes Interesse an Eichhörnchen und möchten sich aktiv an ihrem Schutz beteiligen“, freut sich Günter Lutz, Lichtenfelser BN-Ortsvorsitzender.

Die Teilnahme am Projekt ist ganz einfach: Jeder kann mitmachen und Eichhörnchen-Forscher werden. Interessierte melden dem BN, wann und wo sie Eichhörnchen gesehen haben – schnell und einfach über die BN-Webseite oder noch einfacher mit der Smartphone-App „Eichhörnchen in Bayern“, die es für Android und iOS-Betriebssysteme kostenfrei zum Download gibt. Eine erste Bilanz findet man auf der Webseite des BN unter „Aktionen/Eichhörnchen beobachten und melden“.

Alleen, Gärten, Friedhöfe oder Parks – Eichhörnchen haben unsere Städte erobert. Die Nager gehören vielleicht zu den beliebtesten Wildtieren. Trotzdem haben sie es zunehmend schwer, gute Lebensräume zu finden. Der ursprüngliche Lebensraum des Eichhörnchens sind Wälder . Als sogenannte Kulturfolger sind sie auch in Städten und Gärten anzutreffen. Dort ernähren sie sich von  energiereichen  Baumsamen und

-früchten, die jedoch erst ab einem gewissen Baumalter produziert werden. Im Siedlungsbereich profitieren die Baumkletterer von Streuobstwiesen und Pflanzungen von Walnussbäumen und Haselnusssträuchern.

Wirft man einen Blick auf die interaktive Bayernkarte der Projektmeldeseite, gewinnt man den Eindruck, dass Eichhörnchen nur in der Stadt leben. „Dieser Anschein trügt. Momentan sind mehr interessierte Tierfreunde in den Städten und Siedlungen unterwegs und melden dort ihre gesichteten Tiere . Aus diesem Grund freuen wir uns besonders über Daten zum Vorkommen von Eichhörnchen aus größeren Waldgebieten , zum Beispiel dem Bucher Forst und Langheimer Forst“, erklärt Ute Hauptfleisch. „Jede Meldung ist wichtig!“

„Die bisher eingegangenen Daten sind sehr gut und verraten uns eine Menge über das Verhalten und die unterschiedlichen Fellfarben der Eichhörnchen. Richtig gute Aussagen über die geografische Verteilung der Nager können wir aber erst treffen, wenn wir Daten aus allen Ecken Bayerns erhalten und die Meldungen mehrerer Jahre miteinander vergleichen können“, begründet die Naturschützerin .

Tipps für aktive Eichhörnchen-Hilfe

Die einfachste Hilfe ist: Alte Bäume stehen lassen! Diese bieten, besonders wenn Totholz vorhanden ist, auch für viele andere Tiere gute Lebensbedingungen. Ansonsten reichen oft schon ein paar Handgriffe, um den Baumkletterern zu helfen und den eigenen Garten „hörnchenfreundlich“ zu gestalten. „ Pflanzen Sie nuss- und fruchttragende Gehölze, wie Haselnuss, Walnuss oder Buchen, Kastanien und Obstbäume. So können sich die sympathischen Nager mit genügend Vorräten eindecken“, rät BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt. Regentonnen können zur Todesfalle werden! Aus diesem Grund sollte unbedingt ein Deckel oder ein stabiles Drahtnetz darüber angebracht werden. Als Tränke ist eine flache Schale mit Wasser besser geeignet – die nehmen auch Vögel gerne an. Wilde Ecken in Gärten sind außerdem pflegeleicht und schaffen zusätzlich Lebensräume für Igel und Wildbienen (mehr hilfreiche Tipps auf der Webseite des BN). red