von unserer Mitarbeiterin Pauline Lindner

Oesdorf — Nur zwei Einträge für Keller gibt es auf den topografischen Karten für den Raum Hausen, Heroldsbach und Oesdorf. Dieses Gebiet zu erfassen, hat sich Anna Hofmann für diesen Vormittag vorgenommen. Die Geographin arbeitet im Auftrag des Landschaftspflegeverbands daran, Felsen- und Gewölbekeller im ganzen Landkreis aufzulisten. Ein Aspekt ist dabei, ob sie von Fledermäusen bewohnt werden. Das trifft besonders auf alte aufgelassene Keller zu, die völlig versteckt und den meisten unbekannt irgendwo in der Flur liegen.
"Den Keller, der in der Nähe der Egloffsteiner Weiher bei Wimmelbach eingetragen ist, muss ich wohl streichen", sagt sie am vereinbarten Treffpunkt. Er liegt in einem Gartengrundstück und dürfte der Lage im Gelände nach ein jüngerer Erdkeller sein.
Der andere eingetragene Keller liegt in Oesdorf an der Straße nach Poppendorf. Ihn hat die örtliche Jugend vor einigen Jahren revitalisiert und organisiert dort gelegentlich einen Bierausschank.
Der Keller ist ganz wörtlich mit Schloss und Riegel verschlossen. Eine Tafel daneben weist als Erbauungsjahr 1845 aus und die 1990er-Jahre als Zeit seiner "Rettung". Hofmann wird sich mit dem Eigentümer in Verbindung setzen, damit sie auch den Innenraum begutachten und klassifizieren kann. Vorerst hat sie nur die GPS-Koordinaten eingespeichert.
Interessanter ist für sie an diesem Tag die Frage, ob in dem Hohlweg noch mehr Keller vorhanden waren und ob es Spuren oder Reste von ihnen gibt. "Auch sie kämen in die digitale Karte, mit der meine Arbeit abgeschlossen werden soll", erläutert sie ihr Vorgehen, während sie aufmerksam die Seiten der aufsteigenden Straße anschaut.
Eine Stelle scheint ihr interessant, als wäre ein Baum über einen Kellereingang gewachsen. Ein genauerer Blick sagt: Das war eine optische Täuschung. "So sehen alte Kellerzugänge oft aus. Das habe ich besonders im Raum Eggolsheim erlebt. Ohne Günter Brokt von der Naturschutzwacht hätte ich die meisten gar nicht gefunden, so versteckt liegen sie im Wald und an Steilrändern."
Hofmann ist bei ihrer Arbeit sehr auf die Mithilfe Ortskundiger angewiesen. Denn in den vorhandenen Karten sind nur wenige Keller eingezeichnet. 1995 ist das Projekt schon mal angegangen worden; mit einer Umfrage in den Gemeinden. "Damals wurden aus Niedermirsberg 32 Keller gemeldet samt ihren Besitzern. Das hat mir dort die Arbeit leicht gemacht", berichtet sie.
Keller im Juragebiet wurden meist in den relativ weichen Sandstein, den Dogger, gegraben. Das weiß Hofmann zum Beispiel aus dem Leutenbacher Raum, von der Ostseite des Walberla. Aber auch bei der Moritzkapelle gibt es drei Keller. Die möchte sie gerne in Augenschein nehmen, weil sie womöglich im harten weißen Juragestein liegen und vielleicht natürliche Gesteinsspalten einbezogen wurden.
Ein älterer Passant fragt Hofmann, was sie da mache, und berichtet ihr dann, dass beim Ausbau der B 470 am westlichen Ortsrand alte Felsenkeller angeschnitten und damit zerstört worden seien. Das veranlasst Hofmann, auch diesen steilen Hang entlangzugehen. Auch hier kann sie keine Spuren entdecken.
Beim Gang durchs Dorf fällt ihr Blick auf einen großen, sehr gepflegten Kellereingang. Man erkennt von außen das unterirdische Gewölbe und den überdachten Lüftungsschacht. Die Besitzer lehnen aber Hofmanns Anfrage ab, ob sie den Keller betreten dürfe. "Schade", merkt sie an, denn für ihre Arbeit sind durchaus auch noch genutzte "Kühlanlagen" von Bedeutung.
"In und um Anwesen gelegene Keller sind oft nicht bekannt. Wie in Pretzfeld." Die Keller, bei denen das Kirschenfest gefeiert wird, kennen nicht nur die Festbesucher. Aber auch in den tiefen bebauten Ortslagen gibt es viele. Wegen des hohen Grundwasserstandes wurden die Häuser nicht unterkellert, sondern ein bisschen höher extra Keller in den Stein gegraben.
Von 290 Kellern hat Hofmann inzwischen erfahren. "Weitaus mehr, als vorher bekannt waren, wurden mir während meiner Arbeitszeit genannt", sagt Hofmann. Deshalb ist sie verwundert, dass im Hirtenbachgebiet nicht mehr Felsen- und Gewölbekeller existieren. Auch wenn es hier keine Brauereien gegeben haben sollte, Bier und Nahrungsmittel mussten auch in Zeiten vor dem Kühlschrank gelagert werden. Hofmann will deshalb auch den Revierförster ansprechen. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Förster sehr gute Ortskenntnisse haben. Auch für jeden privaten Hinweis ist sie dankbar, damit die weißen Flecken auf ihrer Landkarte kleiner werden.