Als Schüler malte Gerhard Schmidt häufig eine Insel mit großen Palmen, als ob er damals schon wusste, dass er irgendwann seinen Lebensabend auf den Philippinen verbringen würde, genauer gesagt im Süden des Landes auf Mindanao, wo vor wenigen Tagen islamistische Terrormilizen eine Großstadt angegriffen haben.
Vor wenigen Wochen feierte Gerhard Schmidt, der in Neuenmarkt geboren und hier auch aufgewachsen ist, in seinem Heimatort die goldene Konfirmation, und derzeit befindet er sich auf dem Flug ins Ungewisse, denn die Berichte aus der Stadt Marawi im Süden der Philippinen erinnern eher an Szenen aus Syrien oder dem Irak.
Feuergefechte toben seit drei Tagen zwischen den Häusern, in denen sich Scharfschützen positioniert haben. Rauch steigt über der Stadt auf und das alles geschieht nur ein paar Hundert Kilometer entfernt von einigen der schönsten Palmenstrände der Region. Die Kämpfe auf den Philippinen hatten begonnen, nachdem die Sicherheitskräfte versucht hatten, den meistgesuchten philippinischen Terroristen, Isnilon Hapilon, in einer Wohnung festzunehmen.
Gerhard Schmidt hat seinen Hauptschulabschluss an der Volksschule Neuenmarkt abgelegt und danach lernte er in Neuenmarkt das Maurerhandwerk, aber schon ein Jahr später verschlug es ihn im Oktober 1968 in die Mainmetropole nach Frankfurt, wo sich seine verwitwete Mutter ein neues Leben aufbaute.
Gerhard Schmidt erinnert sich: "Ich wollte einfach wieder heim nach Neuenmarkt, denn da hatte ich ein Zimmer." Und manchmal kommt halt der Zufall oder besser gesagt die Liebe hinzu: "Ich habe dann mit 15 Jahren meine erste Liebe kennengelernt, die gleich nebenan wohnte und ab dem Zeitpunkt gefiel mir es in Frankfurt natürlich besser."
Bei der Hoch-Tief AG setzte der heute 64-Jährige in Frankfurt seine Maurerlehre fort und in der Zeit, als die Mondlandung erfolgte, legte er 1969 seine Gesellenprüfung ab: "Im zweiten Lehrjahr begann ich dann schon mit der Berufsaufbauschule und habe die Mittlere Reife nachgeholt und damit konnte ich die Fachoberschule besuchen und dort auch mein Fachabitur machen." Das Architektur-Studium begann dann mit dem Sommersemester 1975, 1980 legte er das Examen ab.


"Nicht ins Büro"

Die große Frage war dann, wie es beruflich weiterging. Gerhard Schmidt: "Ich wollte nicht in ein Büro, sondern auf eine Baustelle und wollte sehen, wie ein Bauwerk nach dem Plan wächst." Er bekam schließlich eine Arbeitsstelle bei der Philipstofflabor in Saudi-Arabien. Später arbeitete er auch in Dubai. Es folgte auch eine Beschäftigung beim Amt für Verteidigungslasten, wo Schmidt Gebäude in ganz Europa bewertete, die von den Amerikanern angemietet werden sollten.
Gerhard Schmidt ist ein Mann, der Zeit seines Lebens das Risiko nie gescheut hat. Er ist heute mit einer Philippinin liiert und stellt fest: "Mein jetziger Wohnort auf den Philippinen beinhaltet auch Risiken, beinhaltet aber auch die Möglichkeit eines Zugewinnes, nicht nur wirtschaftlicher oder finanzieller Art, sondern auch lebensqualitativer Art." Heute hat er sich im Süden von Mindanao eine große Farm gekauft und ein schmuckes Haus errichtet. Eben seinen Kindheitstraum: "Genau das, was ich als Kind immer gemalt habe".