Es ist Montag, kurz vor 18 Uhr. Rund 100 Mitglieder des Aktionsbündnisses "20plus1" um Harald Steger versammeln sich auf dem Marktplatz. Sie haben eines gemein: Sie können den staatlich verordneten Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie so gar nichts abgewinnen.

Steger betont , dass es bei den Veranstaltungen immer darum gehe, die Meinung gegen die Impfpflicht öffentlich kundzutun. Corona-Leugner wollen die Anhänger der Gruppe nicht genannt werden, sie sehen sich eher als Impf-Skeptiker.

Innerhalb eines abgesperrten Bereichs dürfen die Teilnehmer auch ihre Masken abnehmen. Polizeibeamte müssen die Leute mehrfach ermahnen, den Mindestabstand einzuhalten, standen dabei aber auf verlorenem Posten.

Im "Raum des Schweigens", wie der abgesperrte Bereich genannt wird, herrschen andere Gesetze. Da ist von Mikrowellenstrahlung und Verschwörung der Herrschenden die Rede. Die Pandemie wird als "Corona-Märchen" bezeichnet. Und natürlich steckt Bill Gates hinter all dem pandemischen Leid. Die Wortwahl ist teils drastisch.

Steger betont, dass die Existenz des Virus nicht geleugnet werde. Ihm geht es um die Impfstoffe.

Eine Krankenschwester namens Sybille tritt ans Mikrofon und klärt die Menschen als "Expertin" auf. Wo sie ihr vermeintliches Fachwissen her hat, sagt sie nicht. Impfungen sind für sie ein "genetischer Eingriff" oder ein "Experiment an Menschen".

Seltsam mutet bei dem Treffen an, dass christliche Lieder gesungen werden. Die amtierenden Politiker werden verunglimpft. So spricht Steger von "Zahnfee Karla Lauterbach" und von "unserem Ersatzkönig Södolf". Die Inzidenzwerte seien manipuliert, die Medien würden Falschinformationen verbreiten. Stattdessen erklärte Steger, dass der Comedian Mirco Nontschew nach einer Booster-Impfung verstorben sei. Dies habe angeblich die renommierte Tageszeitung "Die Welt” berichtet, inzwischen sei der Artikel jedoch wieder verschwunden. Doch das Gegenteil ist der Fall: Der vermeintliche Screenshot war ein übler Fake. Aber das will keiner hören.

Vielmehr wird Stadtpfarrer Hans Roppelt für seine Impfaktion an den Pranger gestellt.

Die meisten Impfskeptiker sind stark verunsichert, ja geradezu verängstigt. Einer von ihnen ist der Künstler Beka Gigauri. "Es regt mich auf, dass mir jemand ein Medikament, das ich nicht möchte, aufzwingen möchte" sagt der Kulmbacher. Gigauri lehnt auch Tests kategorisch ab. "Wenn ich krank bin, bleibe ich zu Hause. Das war schon immer so." so