"Wir brauchen keine Autobahnen für unsere Landwirtschaft", schimpften etliche Landwirte im Gasthaus Aures in Hiltpoltstein. Andrere Flur- oder Waldbesitzer würden diesem Ausbau durchaus zustimmen. Die Stimmung war so geteilt wie die Meinungen zum Thema Kernwegenetz durch eine zweite Flurbereinigung.

Der Grund dafür sind die etlichen öffentlich gewidmeten Wald- und Feldwege, die stark ausgespült oder aus anderen Gründen ramponiert sind und saniert werden müssen. Bisher hatte es immer eine Lösung bei den Jagdversammlungen gegeben, doch die Sanierung dieser in den 60er-Jahren flurbereinigten Wege ist dort zum Konfliktthema geworden.

Das Gesetz sieht eine Umlage vor

Die Gemeinde selbst kann die Sanierung nicht stemmen, es sei zudem gesetzeswidrig. Von Summen in schwindelnden Höhen erzählte Bürgermeisterin Gisela Schulze-Bauer, die mögliche Kosten bereits überschlagen ließ. Die Gemeinde müsse diese Kosten dann nach gesetzlicher Rechtslage zu 75 Prozent auf die Anlieger umlegen. Eine andere Lösung muss her, war Schulze-Bauers Gedanke und lud deshalb zu einer Informationsveranstaltung in den Gasthof Aures ein.

20 betroffene Landwirte und Waldbesitzer und einige Gemeinderäte waren der Einladung gefolgt, um andere Möglichkeiten zu erfahren. Dazu war Wolfgang Kießling, der zuständige Bereichsdienstleiter des Amts für ländliche Entwicklung aus Bamberg, angereist und nannte die Flurbereinigung als Lösung, die zudem mit 85 Prozent gefördert würde. Den Rest leiste die Gemeinde.

Der Haken für die Grundstücksbesitzer: Sie müssen eventuell Grund verkaufen oder tauschen, um die geforderte Straßenbreite zu erreichen. Denn um in den Genuss der Fördermittel zu kommen, gibt es Vorgaben: eine Straßenbreite von 3,5 Metern asphaltiert, links und rechts je 1,50 Meter Bankette, meist mit Entwässerung. Acht Meter Flächenverbrauch sind deshalb schnell erreicht, wenn nicht sogar mehr. Die Kosten für den Ausbau: 275 Euro pro laufenden Meter, bei einem stärkeren zweischichtigen Ausbau werden 350 Euro pro Meter angesetzt.

Vier Kernwege sind angedacht

Angedacht ist diese Sanierung durch Kernwege, die dann bis zu 11,5 Tonnen Achslast tragen und Wirtschaftswege, die zwar ebenso das geforderte Breitenmaß und die anderen Anforderungen aufweisen müssen, jedoch mit Rasengittersteinen oder Rasenverbundsteinen ausgebaut werden könnten. Als Kernwege, das sind die Hauptwirtschaftswege, sind der Weg von Möchs Richtung Staatsstraße FO 33, ein Weg von Schoßaritz herunter führend, im südlichen Bereich Hiltpoltsteins bei Kemmathen, Görbitz und Wölfersdorf und östlich von Hiltpoltstein die Straße nach Großengesee angedacht.

Der Naturschutz würde trotz "Highway" beachtet werden. Ausgleichsflächen geschaffen. Aber: "Die Wege werden nicht von der Landwirtschaft alleine, sondern auch von anderen aus dem Nahverkehr, von Fahrradfahrern oder Fußgängern benutzt", verdeutlichte Kießling. Was, wenn ein Landwirt nicht mitmacht? "Dann wird entweder die Trasse verändert oder der Weg nicht gebaut und wir vergeben die Zuschüsse an andere", meinte Kießling leicht verärgert.

Warum zusätzlich überhaupt Bankette und Wassergraben gebaut werden müsse und warum die Maßnahme so dimensioniert sei, lautete eine Frage. "So sind nun mal die technischen Vorgaben"" antwortete Kießling und erklärte, dass als nächster Schritt der kleinen Flurbereinigung eine Teilnehmergemeinschaft gegründet werden müsse.

Themaverfehlung

Doch dazu waren nicht alle bereit. Einige Grundstücksbesitzer befürworteten das Vorhaben, aufgrund der Förderung. Andere nannten die Veranstaltung eine Themaverfehlung, denn die Betroffenen wollen keinen luxuriösen zwei-schichtigen Ausbau und auch keine Autobahnen in der Flur, zumal die Nebenwege, die von den Landwirten befahren werden müssten, nicht in dem Verfahren aufgenommen wären.

"Es sind die normalen Wege, die gerichtet gehören. Ihr macht hier ein Fass auf, in einer Dimension, die hier niemand will", schimpfte ein Landwirt. Wenn die Gemeinde die Wege einfach wieder sauber und ordentlich aufschottere, komme das noch immer wesentlich billiger, als die 15 Prozent, die die Gemeinde nach Abzug der Förderung bei einer Flurbereinigung leisten müsste, war der mehrheitliche Grundtenor der Land- und Waldbesitzer.

Dass auf manchen Wegen nicht richtig gefahren werde und sie deshalb ramponiert seien, liege zum Teil auch an der Gemeinde, die ihrer Pflicht nicht nachkomme die bewucherten Wege freizuhalten. Immer nur schottern und auffüllen, möchte Bürgermeisterin Gisela Schulze-Bauer nicht, sondern eine Grundsanierung mit neuem Aufbau. Zum anderen wurden auch in anderen Gemeindeteilen kürzlich eine Flurbereinigung durchgeführt - und es soll Gleichstand herrschen: "Ich werde damit weitermachen, bis ich mir die Zähne ausbeiße", meinte die Bürgermeisterin, die für den Ausbau zu Kernwegen plädierte.