Simon Holl hat sich entschieden, mit ganzem Herzen und mit all seiner Kraft Landwirt zu werden. Das war vor vier Jahren, als er seinen Halbtagsjob aufgab und seitdem den Hof fit für die Zukunft macht.

Elke Werner, SPD-Vorsitzende in der Schney und der Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz machten sich von der Entwicklung und den Hürden ein Bild vor Ort. Treffpunkt ist dort, wo die Zukunft scharrt und gackert, bei den mobilen Hühnerställen der Familie Holl. Inzwischen sind das 1600 Hühner, und die Spaziergänger schauen ihnen gerne zu. Die Eier gibt es dann ein einem Hofladen in Michelau und demnächst auch am Lichtenfelser Güterbahnhof in einem ausrangierten Übersee-Container. Simon Holl setzt auf Direktvermarktung. Kleine Eier von jungen Hennen werden zu Nudelteig verarbeitet, der Rest geht direkt an die Verbraucher. "Das ist der Weg, den wir unterstützen wollen", so Elke Werner. Was Holl sich wünscht, ist Planungssicherheit, schließlich hat er in den vergangenen Jahren über eine halbe Million Euro in seinen Betrieb investiert. Dafür braucht er die Politik - doch die, so erzählt er, beschert ihm eher das Gegenteil. Zum Beispiel ist das Gebiet, in dem die Hühnerställe stehen, "rote Zone", was die Nitratbelastung angeht. "In Michelau gibt es im Trinkwasser mit Nitrat keine Probleme - der Messpunkt, der festlegt, dass wir hier rote Zone sind, liegt in Rattelsdorf auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionslagers." Für Holl ist das absurd.

Wenn er sich in Deutschland umhört, ist das aber kein Einzelfall. Er muss unter anderem auf die Herbstdüngung verzichten. "Da hat er Recht", sagt Bundestagsabgeordneter Schwarz. So einfach zu ändern ist das aber nicht. Das Bayerische Umweltministerium legt die Messpunkte fest, das Berliner Umweltministerium sendet die Werte nach Brüssel. Das eine ist politisch in Hand der CSU, das andere SPD-geführt. "Die Messstellen passen nicht", so Schwarz, "wir brauchen eine saubere Datengrundlage und ein klares Mess-System." Für den Bundestagsabgeordneten, der vorher 17 Jahre Bürgermeister in Strullendorf war, ist es an der Zeit, die Düngeverordnung an die Region anzupassen, anstatt alle über einen Kamm zu scheren.

Als Direktvermarkter muss Simon Holl die gleichen EU-Standards erfüllen wie eine Fleischfabrik. Das stellt ihn vor allem bei der Weiterverarbeitung vor neue Probleme. Ein genehmigter Schlachthof für Geflügel ist in Buch am Forst. "Das sind fünf Minuten Fahrzeit für die Tiere." Der nächste Schlachthof mit EU-Zertifizierung ist in Augsburg, die Hühner hätten drei Stunden Fahrt vor sich. "Was ist für die Tiere und für den Verbraucher besser?", fragt Holl. Elke Werner hakt nach. Was bräuchte ein Direktvermarkter wie Holl? "Ein zertifizierter Schlachtraum, den mehrere Direktvermarkter nutzen können, würde uns weiterbringen als irgendwelche Marketingkampagnen", so Holl.

Werner möchte das unterstützen. Auch SPD-Kreisvorsitzender Sebastian Müller sieht für den Landkreis Lichtenfels damit Chancen und möchte die Idee in den Kreistag tragen. Der Landwirt verkauft seine Hühner nach einem Jahr inzwischen überwiegend lebendig. "Mit Corona hat der Wunsch nach eigenen Hühnern deutlich zugenommen", sagt er. Wenn sie also nicht mehr in den mobilen Hühnerställen gackern und Eier legen, scharren sie in privaten Höfen und Gärten in der Region. tb