Linedancer aus ganz Bayern verwandelten die Brückleiner Kerwa in ein amerikanisches Westernfestival
Krachlederne und Dirndl haben ausgedient. Nachdem die Lederhosen-Lackl in der Freitagnacht ihren letzten Ton gespielt haben, werden sie an den Nagel gehängt. Wer am Samstagabend zur Brückleiner Kerwa geht, trägt coolere Sachen: It-Piece des Abends ist der Cowboyhut. An den Füßen gibt es nur ein passendes Schuhwerk: Cowboyboots – lang, spitz, mit auffälligen Stickereien, Ledersohle und hohem Absatz.
Schon kurz nach 19 Uhr ist der Teufel los. Die Tanzfläche ist proppenvoll. Cowboys und Cowgirls präsentieren sich „in Linie“: Linedancer aus ganz Bayern sind gekommen. Möglichst synchron wirbeln sie über den Holzboden. Die Stiefel setzen gleichzeitig auf. Ein Schritt nach rechts, einer zurück, eine Drehung – und schon bewegt sich die gesamte Tanzfläche wie eine einzige große Formation. Wichtig ist, dass die Füße gleichzeitig aufstampfen. Immer wieder.
Cowboyhüte wippen im Takt, karierte Hemden und auffälliger Schmuck ziehen die Blicke auf sich, Gürtelschnallen blitzen. Für ein paar Stunden liegt Brücklein nicht mehr in Oberfranken, sondern irgendwo zwischen Nashville und Texas.
Natürlich dürfen auch die entsprechenden Klischees nicht fehlen: Cowboys und Cowgirls, Westernstiefel und ein kräftiger Schuss Marlboro-Romantik.
Petra Baran kommt aus Peesten. „Ich mache seit zehn Jahren Line Dance. Wir tanzen einmal pro Woche“, erzählt sie. Zusätzlich besucht sie einmal wöchentlich einen Volkshochschulkurs. Denn ohne Übung funktioniert das synchrone Tanzen nicht.
Die Linedancer bilden eine feste Gemeinschaft. Sie teilen in ihren Gruppen, wo gerade ein Line-Dance-Programm stattfindet – und dann kommen die Westernfans von überallher. In Brücklein findet das große Line-Dance-Event erst zum zweiten Mal statt. Trotzdem ist es bereits Kult.
„24 Gruppen haben sich angekündigt. Manche bringen bis zu 40 Leute mit und haben Tische reserviert“, erzählt Michael Fuchs vom Organisationsteam der Feuerwehr. Auch Bürgermeister Rainer Strobel (FW) ist begeistert. Zur Feier des Tages trägt er selbst Cowboyhut. „Den hatte ich noch zu Hause. Einmal im Jahr hole ich ihn heraus“, sagt Strobel und freut sich über den riesigen Andrang bei der Kerwa.