Lebendiger lässt sich Heimatkunde wohl kaum erleben. Am kommenden Samstag, 7. August, führt Hans Blinzler zum dritten und letzten Burgstall im alten Grenzgebiet von Nordhalben und vermittelt dabei mehr als nur historische Zusammenhänge.

Die Wanderung der Ortsgruppe Nordhalben des Frankenwaldvereins ist das Finale der „Burgstall-Trilogie“, die zu den abgegangenen Mittelalterburgen bei Mauthaus, Hohenrod(e) und Wallenrod(e) führt. Die rund fünf Kilometer lange, mittelschwere Rundtour erstreckt sich über 150 Höhenmeter. Im Anschluss ist eine gemütliche Einkehr in Nordhalben vorgesehen.

Auch Heimatkundige kommen bei den Wanderungen des sachkundigen Nordhalbener Führers immer wieder ins Staunen, mit welchem Wissen er vor Ort aufwartet. Wer kennt schon den Zusammenhang zwischen einer vor Jahrhunderten abgegangenen Burg und der Ortsumgehungsstraße von Wallenfels? Und wer weiß, woran man mitten im Wald jahrhundertealte Grenzverläufe ohne irgendwelche Markierungen nachverfolgen kann? Bei der zweiten Tour zu den nördlich und östlich von Nordhalben gelegenen Burgplätzen, diesmal über das Lamitztal, erfuhren es die rund 15 Stammwanderer. Und auch Sagenhaftes. An verwunschenen Stellen tief im Wald ließ Heimatkundler Blinzler die alten Überlieferungen vom „Feurigen Reiter“ und vom „Verwunschenen Eselsknecht“ aufleben, die von schaurigen Begebenheiten im damaligen „Nortwald“ erzählen.

Vom Wanderparkplatz zwischen Geroldsgrün und Wolfersgrün ging es zunächst talabwärts auf dem heutigen vom Frankenwaldverein unterhaltenen Wanderweg „DÖ 92“, der einst das Markgräflergebiet vom Bambergischen Hochstift trennte. Noch heute imposante und zugewachsene Buchenbestände kennzeichnen das damals weniger genutzte Waldgebiet der Meranier, Schlagholz der Fichtenforste das des Fürstbischofs. Im Lamitzgrund mit seinem Floßteich begann die vom Nordhalbener Vogt überwachte Blöchertrift, die mit den großen Flößen auf Flüssen und Strömen weitab, sogar mitunter erst in den Niederlanden endete. Das mit hohem Aufwand als Ausgleichsfläche für den Straßenneubau der Wallenfelser Umgehung renaturierte Areal ist heute ein idyllisches Naturschutzgebiet .

Mit allmählicher Steigung auf von ehemaligen Geroldsgrüner Bergarbeitern aus dem Fels geschlagenem Forstweg näherte sich die Gruppe dem Schlossberg mit seiner früheren Befestigungsanlage auf 635 Meter Höhe. Von der alten Hohenrod sind noch zwei deutlich erkennbare Wallgräben und Mauerreste auf der Kuppe vorhanden, nach über 500 Jahren inmitten des Waldes durchaus erstaunliche Zeugnisse. Der bald folgende eindrucksvolle „Lamitzblick“ über das enge Schluchttal des Baches gehört zu den bekannteren Aussichtspunkten in diesem Teil der Wanderregion. Nach gut drei Stunden und einem stärken Aufstieg zum Ausgangspunkt endete die zweite „Burgstall-Tour“ mit der Einkehr in Neuengrün .

Anmeldung

Mitglieder und Gäste können an der Abschlusswanderung am kommenden Samstag kostenlos teilnehmen. Hierfür ist jedoch für 6. August, 18 Uhr, erforderlich (bei Hans Blinzler, Tel. 1705 oder per E-Mail an: fwv-nordhalben@t-online.de). Die Abfahrt mit Privatautos erfolgt um 15.30 Uhr am Lindenplatz, die Wanderung beginnt und endet am Langenau-Parkplatz.