Karl-Heinz Hofmann

Die Durchführung und der Fortgang der im Jahr 2014 eingeleiteten Einfachen Dorferneuerung (EDE) in Reitsch wurden auf dem Dorfplatz in einer Open-Air-Veranstaltung heftig diskutiert. Aber es gab keine faulen Tomaten, wie der Rathauschef befürchtet hatte. Vielmehr trugen die genervten Reitscher ihre Fragen und Kritik mit Fassung und sachlich vor.

Bürgermeister Rainer Detsch (FW) hatte zu dieser außergewöhnlichen Versammlung eingeladen. Dies hatte zwei Gründe: Einerseits die Corona-Pandemie, andererseits drängt dem Gemeindeoberhaupt schon seit einigen Wochen die Zeit für Informationen zur EDE an die Bürgerschaft. Denn seit zwei Jahren tut sich nichts Sehenswertes im Baugeschehen in der Dorfmitte.

Detsch rief nochmals seine Worte aus einer Bürgerversammlung vom Mai 2019 in Erinnerung. Die angestrebte EDE biete große Chancen für den Ortsteil Reitsch , den Kernbereich neu zu gestalten und das Dorf damit noch attraktiver zu machen.

Startschuss vor sieben Jahren

Schon Ende 2014 ist der eigentliche Startschuss für die Dorferneuerung gefallen. Dann bildete sich eine Projektgruppe, die Anfang 2015 loslegte. Insofern könne Detsch mit ruhigem Gewissen sagen, die Bürgerschaft war von Anfang an Mitgestalter und in allen Belangen einbezogen.

Eine erste Verzögerung brachte ein Hochwasserereignis im Sommer 2016, als ein Starkregen den Nachbarort Eila binnen weniger Stunden im Hochwasser stecken ließ. Da man ein ähnliches Ereignis in Reitsch mit dem Grünerbach in der Ortsmitte nicht ausschließen kann, waren neue Planungen im wasserwirtschaftlichen Bereich unerlässlich. „Das hat uns sicher weit über ein Jahr an Zeit gekostet, war aber dringend notwendig“, sagte der Bürgermeister. Dass es darüber hinaus noch zu weiteren Verzögerungen wegen wasserrechtlicher Belange kommen würde, war damals noch nicht vorhersehbar. „Heute sind wir alle schlauer und haben auch einige Nervenbelastungen aushalten müssen.“

Das Wasser wird zum Problem

Dabei lief bis Mitte 2019 noch alles gut. Bereits im Sommer 2018 konnte das Gebäude „Dorfstraße 3“ abgerissen werden; auf diesem Grundstücksareal sollen ein Kinderspielplatz , Geräteschuppen, ein Schullehrgarten und eine Streuobstwiese entstehen. Inzwischen hatte man sich mit dem Planungsbüro und dem Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) aufgrund der Anregung des Wasserwirtschaftsamtes auf einen Ökologischen Ausbau des Grünerbachs geeinigt. Aus heutiger Sicht für den Bürgermeister ein fatales Unterfangen, denn niemand konnte vorhersehen, welche langwierigen Folgen das haben könnte.

Eigentlich dachte man, nach dem Einsetzen von zwei Brückenbauwerken ginge es Zug um Zug weiter. Doch der ökologische Gewässerausbau zeigte sich nach weiteren Gesprächen mit der Regierung als nicht realisierbar ab. Erneut verstrich ein Jahr mit Planungen.

In einem kürzlich im ALE Bamberg geführten Gespräch wurde von den Verantwortlichen des ALE aufgezeigt, dass man zum einen sichtbare Einsparungen erreichen muss, zum anderen dass die Finanzierung aus den Mitteln des Dorferneuerungsprogramms auch wegen der gestiegenen Kosten (2,77 Millionen Euro), nicht mehr möglich ist. Die Mittel müssten in die Zuwendungsbereiche Dorferneuerung und Eler (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums) aufgeteilt werden. Für das Programm Eler liegt die Mittelzuteilung allerdings auf höherer Ebene, und eine Berücksichtigung ist voraussichtlich im Rahmen eines Wettbewerbs einzelner Maßnahmen zu ermitteln. Momentan rechnet die Gemeinde die bisher förderfähigen Kosten in Höhe von circa 600 000 Euro mit dem ALE ab. Verbaut wurden mit Kanal, Wasser und Glasfaserverlegung in der Dorfstraße bereits knapp 800 000 Euro.

Wo bleibt der Spielplatz?

Vor allem Eltern fragten, warum nicht wenigstens der Spielplatz in Angriff genommen wurde. Der Rathauschef informierte, dass dessen Areal zunächst als Lagerplatz für Baumaterialien und Gerätschaften vorgehalten wurde. Außerdem hatte man für den Kinderspielplatz noch keine Fördergenehmigung.

Zweifel tauchten auf, als der Bürgermeister erklärte, dass es im Frühsommer weitergehen werde. Ein Bürger meinte, das sei unrealistisch. Der Bürgermeister ist sich aber weiterhin sicher, es bestehe eine große Chance, aus dem Ortskern von Reitsch ein Schmuckstück entstehen zu lassen.