Bei seiner Geburt im Jahr 1989 wurden Lukas Mosert die Fußballschuhe schon in die Wiege gelegt. Die großen Fußstapfen, die sein Vater auf den Plätzen der DDR hinterließ, füllte er zwar nicht aus, doch mit seinen technisch Fähigkeiten muss er sich vor keinem Spieler in der Landesliga Nordwest verstecken. Die Lobeshymnen auf seinen Vater sind für ihn auch kein Problem – ganz im Gegenteil: „Papa war am Ball eine absolute Granate.“

Der 32-jährige Allrounder, der beidfüßig schießt und außer Torwart jede Position spielen kann, kehrt am Samstag mit seinem SV Friesen an seine alte Wirkungsstätte zurück. Im Dr.-Stocke-Stadion will Mosert ab 16 Uhr die Punkte beim FC Coburg entführen.

Im Interview gibt sich der Bankangestellte, der vor zwei Jahren den Weg von der Vestestadt ins Flößerdorf fand und längst im Konzept von SVF-Trainer Armin Eck eine tragende Rolle spielt, absolut optimistisch .

Herr Mosert, schon aufgeregt vor dem Duell gegen die Ex-Kollegen?

Lukas Mosert: Um ehrlich zu sein: Überhaupt nicht. Es ist ein Spiel wie jedes andere auch. Es geht bei 0:0 los und es sind nur drei Punkte zu holen.

Warum gewinnt der SV Friesen das Derby?

Wenn die angeschlagenen Spieler auflaufen können und wir unser Potenzial abrufen, haben wir das bessere Team und werden das Derby gewinnen.

Zwei Siege in Folge geben natürlich jede Menge Selbstvertrauen. Werden Sie mit breiter Brust in Coburg aufkreuzen?

Nach dem holprigen Saisonstart und vielen Ausfällen nehmen wir diesen kleinen Positivtrend mit nach Coburg. Er wird für uns kein Nachteil sein.

Wie kam es zu Ihrem Wechsel von der Vestestadt ins Flößerdorf?

Armin Eck hat mich nach meinem Engagement in Coburg angerufen und gefragt, ob ich nicht gerne in Friesen spielen möchte. Wenn Armin Eck anruft, gibt es natürlich nicht viel zu überlegen, obwohl die Entfernung und der Aufwand natürlich schon ein Thema waren. Letztendlich hab ich mich auch nach guten Gesprächen mit Sepp Geiger dazu entschieden, in Friesen Fußball zu spielen.

Wie gefällt Ihnen die Mentalität hier?

In Friesen kann man sich sehr wohlfühlen. Es herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre und die Mentalität ist ganz besonders. Die Mannschaft hat eine sehr gute Mischung aus jungen und älteren Spieler. Es macht Spaß, hier zu spielen.

Wo sehen Sie den größten Unterschied zwischen diesen beiden Landesliga-Klubs?

Ich denke die Philosophien der beiden Clubs sind vor allem durch das Nachwuchsleistungszentrum in Coburg sehr unterschiedlich. In Coburg wird mehr ein technischer Fußball gespielt, bedingt auch durch den Kunstrasen, der dies auch zulässt. Der Fußball in Friesen ist mehr von der Physis geprägt. Es ist immer unangenehm gegen Friesen zu spielen, das musste ich schon zu meiner Zeit in Coburg erfahren.

Wenn Sie die Spielstärke der Landesliga mit der in der Landesklasse Thüringen vergleichen: Wo wird denn besser gekickt?

Ich spiele jetzt schon länger nicht mehr in Thüringen und kann deshalb das aktuelle Potenzial nicht wirklich einschätzen. Dennoch gibt es auch dort gute Teams und Fußballer , die brauchen sich nicht vor dem Niveau in Bayern verstecken.

Apropos Thüringen – Ihr Vater war Nationalspieler in der ehemaligen DDR. Nerven Sie Vergleiche mit ihm?

Nein, das nervt mich nicht. Er war einfach ein guter Fußballer und hat einen Namen, der vielen bekannt ist. Das macht einen in gewisser Weise stolz. Am Ball war Papa eine absolute Granate und man kann immer noch von ihm lernen.

Was haben Sie Ihrem Vater zu verdanken, der Sie ja lange Zeit auch als Trainer gefordert und gefördert hat?

Vor allem in der Jugendzeit eigentlich alles. Die fußballspezifischen Sachen habe ich alle von ihm. Technik und Beidfüßigkeit hat er immer mit mir trainiert.

Sie galten als eines der größten Talente Ihres Jahrganges in Thüringen. Manche Trainer haben Ihnen sogar eine Profikarriere vorhergesagt. Warum hat es nicht geklappt?

Fußball ist kein Wunschkonzert. Es muss eben alles passen, um ganz oben anzukommen. Zu einer Profikarriere gehört auch das gewisse Quäntchen Glück. Du musst zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Ich persönlich hatte auch mit schwereren Verletzungen zu kämpfen, die einen natürlich immer wieder zurückwerfen. In der heutigen Zeit ist es für deutsche Talente wegen des internationalen Marktes, der bereits im Jugendbereich sehr präsent ist, besonders schwer. Du brauchst aber auch einen Trainer, der dir das Vertrauen gibt. Auch die physische Entwicklung im Jugendalter spielt eine ganz große Rolle.

In den Auswahlteams haben Sie mit bekannten Spielern gekickt. An wen erinnern Sie sich noch?

Missen möchte ich meine gemachten Erfahrungen natürlich nicht. Ich habe zum Beispiel zusammen mit Nils Petersen (Stürmer des SC Freiburg/Anm. d. Red.) gespielt. Außerdem habe ich auch gegen den einen oder anderen heutigen Topstar gespielt und hatte dabei immer das Gefühl , dass ich von der Qualität nicht all zu weit weg von diesen Jungs war.

Zurück zum SV Friesen : Was ist für die Mannschaft in dieser Saison möglich und wo sehen Sie den FC Coburg am Saisonende?

Vom Potenzial her ist mit dieser Mannschaft alles drin. Voraussetzung ist natürlich, dass alle weitestgehend gesund und fit bleiben. Die personelle Situation war in den vergangenen Wochen der Grund für unseren schlechten Start in die Saison. Coburg kann und möchte ich nicht einschätzen. Dafür bin ich schon zu lange weg und personell hat sich da in den letzten zwei Jahren auch einiges getan. Aber: Allein von den Namen her, kann der FC Coburg immer eine gute Rolle spielen.

Sie können berufsbedingt nur einmal in der Woche trainieren, stehen aber dennoch regelmäßig in der Startformation. Haben Sie ein Abkommen mit den Trainern getroffen?

Das war ein Kernpunkt in den Gesprächen mit Armin Eck . Von der Arbeit und der Entfernung her kann ich leider nur einmal die Woche mit der Mannschaft trainieren. Ich halte mich individuell fit.