Der Auftakt in die neue Saison des von KRONACH Creativ getragenen VHS-Musikrings hätte besser nicht sein können. Der Berliner Pianist Alexander Wienand überzeugte mit einer Bandbreite der Musikstile, indem er Klassik und Jazz ineinanderfließen ließ. In seinem Programm „Preludes and Improvisations“ verband der komponierende Tastenkünstler ausgesuchte Meisterwerke von Bach bis Skriabin mit raffiniert arrangierten Jazzstandards , eigenen Stücken und Improvisationen.

Der 40-Jährige ist ein komponierender Pianist, für den die Welten des Jazz und der sogenannten ernsten Musik von Anfang an untrennbar zum Inspirationsfeld gehörten. Bereits bei den ersten Stücken von Claude Debussy konnte man die Nebel und welken Blätter, um die es bei den Préludes II:I Modéré und II:II Lent et mélancolique geht, förmlich aus dem Steinway-Flügel aufsteigen hören. Damit aber nicht genug, denn perfekt verknüpft wurde das Stück Chelsea Bridge von Duke Ellington . Aber es sollte noch besser kommen, denn Préludes von Debussy , hier Doucement expressif, fulminant interpretiert und gemischt mit dem Beatles Altmeister George Harrison und seinem „Here comes the Sun“ ließ die Sonne im Kreiskulturraum aufgehen.

Pianist erzählt Geschichen zu den Stücken

In Maurice Ravels „le tombeau de Couperin“ floss eine Eigenkomposition mit dem Namen Little King. Dieses Lied hat Wienand für seinen kleinen Sohn komponiert. Das Kronacher Publikum zeigte sich begeistert, als George Gershwin mit Titeln von Duke Ellington und Dizzy Gillespie meisterhaft verwoben wurde. Ein überaus sympathischer Künstler ist Wienand obendrein. So griff er öfter mal zum Mikrofon und erzählte dem Publikum , welche Geschichten hinter den Titeln stecken. Wienand hatte kurz vor seinem Auftritt erfahren, dass zur Gründung des Musikrings vor 40 Jahren Keith Jarrett , die Musiklegende aus Allentown, Pennsylvania, auf der Bühne in Kronach stand. Ob er dessen Fußstapfen auch nur annähernd ausfüllen könne, fragte sich Wienand. Ja, er konnte es. Nach der Pause waren es die barocken Klänge von Johann Sebastian Bach , die in meisterhafter und präziser Spielweise mit jazzigen Elementen von Friedrich Gulda , der Band Petros Klampanis und eigenen Jazzkompositionen in Kronach nicht nur die Ohren, sondern auch die Herzen öffneten.

So wurde aus Bachs wohltemperiertem Klavier eine absolut hörenswerte Reise mit dem Lucky One. Diese Eigenkomposition hatte Wienand für seinen älteren Sohn geschrieben. Die Zuhörer spendeten dem Tastenkünstler langanhaltenden Applaus. Den hatte er sich mehr als verdient, und er belohnte seine Zuhörer mit einer Reise in die Karibik, genauer gesagt nach Kuba zum Buena Vista Social Club. Viele aus dem Publikum fühlten sich an den Dokumentarfilm von Wim Wenders mit dem gleichen Titel aus dem Jahre 1999 erinnert. Ein tosender Schlussapplaus belohnte den Virtuosen am Flügel für seine Welt- und Zeitreise durch die einzigartigen Facetten von Klassik und Jazz. Er bedankte sich beim Publikum mit einer letzten Zugabe aus der Feder von Jazzlegende „Lennie“ Tristano.