„Stöcke, Hüte, Mützen fliegen in die Luft, Spieler wie Zuschauer umarmen sich.“ Dieser Satz stammt aus einem der alten Spielberichte des FC Mitwitz , der am 29. April diesen Jahres 100 Jahre alt wurde. Die große Feier musste bislang leider ausbleiben, auch die geplanten Events rund um den Geburtstag fielen ins Corona-Loch. „Aber wir wollen das auf jeden Fall nachholen“, verspricht zumindest Vorsitzender Jürgen Heidenbluth.

Jeden Monat wollte man in irgendeiner Form an das Jubiläum erinnern. Preiskopf, Faschingsveranstaltung , Bilderaktion – und enden sollte alles mit dem großen Festabend. In Mitwitz will man das alles noch nicht abschreiben. „Vielleicht klappt es diesen Herbst zumindest mit dem Festabend. Wenn nicht, dann halt nächstes Jahr.“

Neben Jürgen Heidenbluth sitzt Ehrenvorsitzender Robert Martin und lässt kaum den Blick von seinen Unterlagen. Ein Berg an Ordnern und Notizbüchern türmt sich vor ihm auf, er schreibt an der Vereinschronik. „Ich bin noch nicht ganz fertig“, sagt er und schon ist er wieder vertieft in seine alten Spielberichte. Geschrieben in altdeutscher Schrift, sind sie nicht so einfach zu entziffern, aber für ihn stellt das offensichtlich kein Problem dar. Flüssig liest er vor und einige Anekdoten sind zum Schreien komisch. Naja, heute jedenfalls.

Gemeinsam geht man die Unterlagen durch und dann breitet sich ein Grinsen auf dem Gesicht von Jürgen Heidenbluth aus. Er ist beim Jahr 2010 gelandet, genauer gesagt beim Besuch der Uwe-Seeler-Traditionself, die die Brauerei Frankenbräu organisiert hatte. Und auch wenn es spielerisch keinen Erfolg gab ( Mitwitz verlor gegen die Altstars mit 13 zu fünf Toren), sei das Ereignis doch einer der absoluten Höhepunkte geblieben. „Es gab danach eine große Party im Festzelt mit Showtanzgruppe.“ Daran erinnert er sich gerne, auch Sepp Maier , der ehemalige Nationaltorwart, sei mit nach Mitwitz gekommen. „So etwas ist und bleibt unvergesslich“, schwärmt Heidenbluth noch heute und zeigt ein Bild, auf dem er neben Uwe Seeler sitzt.

Auf eine weniger positiven Geschichte stößt man im Jahr 2000. „Da brannte das Sportheim. Es wurde am 19. Oktober 1988 eingeweiht und 12 Jahre später zerfiel es in Schutt und Asche.“ Das Sportheim, in dem jetzt die beiden die Unterlagen durchsehen, ist lange wieder aufgebaut und bei dieser Gelegenheit auch gleich vergrößert worden. Viel früher in der Chronik, genauer im Jahr 1927, gab es ebenfalls eine Katastrophe , falls man eine Pleite so bezeichnen kann. Laut Aufzeichnungen war nämlich genau das passiert: der Bankrott . Kaum gegründet (1921), musste man die Schotten sechs Jahre später schon wieder dicht machen. 1931 kam es dann zur Wiedergründung.

Seit Beginn waren mit Jürgen Heidenbluth 27 Vorsitzende im Amt und führten den Verein, der sich von weit unten nach weit oben gespielt hatte. Höhen und Tiefen, Freude und Leid , beim FC Mitwitz findet man das alles in den Aufzeichnungen, die vor allem geprägt sind von einer unwahrscheinlichen Emotionalität.