Die Neandertaler kannten sie, Robin Hood und der Ötzi offensichtlich auch und Mediziner wissen sie zu schätzen, weil man aus ihr Wirkstoffe für die Krebstherapie entwickelt. Und doch sucht man sie, die Eibe – und zwar im gesamten Frankenwald. Das Multitalent soll zurück in die heimischen Wälder und dafür fährt man jetzt noch ganz andere Geschütze auf.

Doch zuerst, warum sucht man die Eibe so dringend, dass man jetzt sogar ein „Bürgerwissenschaftsprojekt“ initiierte, um sich die Mithilfe der Bevölkerung zu sichern? Diese Frage konnten gleich mehrere Experten beantworten, denn sie haben sich an einem Naturdenkmal in der Nähe von Bernstein getroffen, einer Eibe, die als ältester Baum des Frankenwaldes gilt. Etwa 800 bis 850 Jahre ist der knorrige Baum alt, aber er könnte theoretisch noch etwa 2150 Jahre leben. Kein Spaß, denn einzelne Eiben werden tatsächlich bis zu 3000 Jahre alt.

Fritz Maier von den Bayerischen Staatsforsten Nordhalben , Gregor Aas und Laura Lachenicht von der Uni Bayreuth, Erik Jansen vom Forstbetrieb in Nordhalben und Forstoberrätin Brigitta Köhler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Münchberg, sie alle wollen „raus aus ihrem Wissenschaftskäfig“, wie ihn Gregor Aas nannte. Sie möchten die Bürger mitnehmen und aus diesem Ansatz sei ein „Bürgerwissenschaftsprojekt“ entstanden, das darauf abziele, im ganzen Frankenwald Eiben zu suchen, zu finden und sie zu melden. Sie sollen nämlich wieder zu einem festen Bestandteil des Frankenwaldes werden.

„Diese seltene Baumart ist in ihrem Bestand stark gefährdet. Jetzt wollen wir Maßnahmen ergreifen, um sie zu schützen und zu fördern. Die Region hat das Recht auf seltene Tier- und Pflanzenarten und auf die Vielfalt. Biber, Luchs und Wolf sind ja schon zurückgekehrt und die Eibe könnte es auch.“ Fritz Maier ist sich dessen sicher und Gregor Aas gibt ihm recht: „Die Eibe fühlt sich hier wohl. Sie kommt fast auf allen Bodentypen und in unterschiedlichen Klimabereichen vor.“ Das mache sie zur Überlebenskünstlerin und zu einer interessanten Baumart im Klimawandel.

Das Projekt, das immerhin rund 60 000 Hektar Wald umfasse, der sich sowohl in staatlicher als auch in privater Hand befinde, sei ohne die Mithilfe der Bürger nicht durchführbar. Laura Lachenicht, die das Projekt hauptsächlich mit betreut, wendet sich deshalb mit einer klaren Botschaft an die Bevölkerung : „Sie unterstützen damit ein Projekt zur Erhaltung einer der seltensten Baumarten in unseren Wäldern .“

Die „ Inventur “ solle auch sicherstellen, dass es sich bei den Funden nicht um „Gartenflüchtlinge“ handelt, die teilweise aus Kreuzungen nicht heimischer Arten bestehen und ganz einfach aus dem Baumarkt kommen. Angesiedelt werden solle die einheimische Eibe, die schon seit über 20 Millionen Jahren in Europa gibt. Ihr Holz , begehrt vor allem zur Herstellung von Waffen, sei extrem elastisch und wurde unter anderem für die Herstellung von Bögen und Armbrüsten verwendet. Einen Großteil der fränkischen Eiben habe man, so Laura Lachenicht, nach England transportiert, um daraus Langbögen herzustellen. Die wurden unter anderem durch Robin Hood weltberühmt. Der Bedarf sei so groß gewesen, dass die Eibe in heimischen Wäldern selten wurde. Zusätzlich habe ihre Giftigkeit Fuhrleute dazu verleitet, Eiben am Wegesrand zu beseitigen zum Schutz der Tiere. Begehrt sei das Holz vor allem für Drechselarbeiten und für die Medizin sei der Baum von unschätzbarem Wert.

Das Projekt, das wohl eher mittelfristig angelegt sei und sich etwa über zehn Jahre hinziehen könnte, solle die Biodiversität fördern, so Maier. 2026 will man dann zum ersten Mal prüfen, welche Fortschritte man gemacht habe. Als weitere Schritte nannte er wissenschaftliche Untersuchungen, die unter anderem dafür sorgen sollen, die besten Standorte auszuwählen und den Weg des Saatgutes nachzuverfolgen.