Mit Orgelmusik verbinden sicherlich die meisten eher getragene Kirchenlieder . Dass die „Königin der Instrumente“ auch anders kann – das stellte Reinhold Schelter beim außergewöhnlichen Benefizkonzert am Sonntagabend in der Dreieinigkeitskirche in Weißenbrunn eindrücklich unter Beweis.

Mit Bravour und unglaublicher Leichtigkeit meisterte der Bezirkskantor im Dekanat Wunsiedel die stilistische Gratwanderung zwischen unterschiedlichen Musikwelten. Mühelos schienen seine Finger über die Tasten zu schwirren, um dann wieder an den genau richtigen Stellen markante Akzente zu setzen. Mal zärtlich-innig, mal aufbrausend und ohne „Schonung“ brachte der Künstler das altehrwürdige Strebel-Werk zum Dröhnen und Brausen und versetzte damit das Gotteshaus in einen wahren Musikrausch.

Virtuose Musikmischung

Seinen majestätisch-festlichen Auftakt fand die spannende musikalische Reise mit dem Concert G-Dur von Johann Sebastian Bach . In exzellenter Spielkultur stellte der Kirchenmusikdirektor das musikalische Ereignis tonmalerisch dar, indem der Altmeister alle drei Sätze allegro-grave-presto eines Konzerts von Prinz Johann Ernst bearbeitete. In seiner Choralbearbeitung von „Nun danket alle Gott“ (BWV 657) interpretiert Bach die im Text zum Ausdruck gebrachte Freude und den Glauben an Gott in einer wahren Fülle von Motiven.

Weit abseits der Kirchenmusik wandelt das heitere Kabinettstück „Sortie“ in Es-Dur. Die fröhlich-verspielte Kirmesorgel-Musik mit ihren weichen Passagen und dem silbrigen Klang ist – neben dem „Bolero de Concert“ – das sicherlich bekannteste Werk des französischen Romantikers James Alfred Louis Lefébure-Wély. Mit großer Freude lauschten die Besucher auch drei reizvollen Orgelstücken von Théodore Salomé. Leider geriet der zu seiner Zeit bekannte und beliebte Organist und Komponist zu Beginn des 20. Jahrhunderts weitgehend in Vergessenheit.

Mit den drei rhythmischen Bearbeitungen „Come on“, „Wellen“ und „Latin-Partita“ der bekannten Kirchenlieder „Du hast uns, Herr, gerufen“, „Ins Wasser fällt ein Stein“ und „Singt Gott, unserem Herrn“ gelangte der erfrischend kurzweilige musikalische Spaziergang durch Zeit und Raum zum Abschluss.

Eine weiße, teilvergoldete Kostbarkeit

Am Ende gab es warmen, langanhaltenden Applaus für den sympathisch und bescheiden auftretenden Orgelvirtuosen, der die elementare Klangmacht des schönen Instruments vollends zur Entfaltung gebracht hatte – vom fließend leichten und perlenden Spiel bis hin zu gewaltigen Akkorden. Freiwillige Einlagen kamen dann auch der frisch sanierten Orgel zugute, eine der ältesten im Dekanat überhaupt.

Geschaffen wurde die weiße, teilweise vergoldete Kostbarkeit 1906 vom bekannten Nürnberger Orgelbauer Johannes Strebel als zweimanualige Taschenlade, mit 13 klingenden Registern hinter den historischen Rokokoprospekt von 1767 eingebaut. Als eine der ersten Orgeln mit einer pneumatischen Register- und Tonsteuerung war sie für die damalige Zeit geradezu schon visionär. Später wurde sie um eine neue Kanzelle im Pedal und eine neue pneumatische Kegellade erweitert sowie umdisponiert, sodass diese nunmehr über 16 herrlich klingende Register verfügt.

Der Kirchenmusikdirektor hatte sich für das Benefizkonzert aufgrund seiner Verbundenheit zum Gotteshaus zur Verfügung gestellt, in dem seine Mutter getauft und konfirmiert worden war und auch Hochzeit gefeiert hatte. Diese innige Zuneigung kam beim Konzert deutlich zum Tragen – so auch bei der höchst beschwingten Zugabe, dem expressiv-poppigen Klezmer-Song „Dance with me“ des Gegenwartskomponisten Michael Schütz. hs