Die Rosenberg Festspiele präsentieren erstmals den „Jedermann“ auf der Bühne. Premiere ist am 3. Juli.
„Jeeedermann!“ Das Stück vom Sterben des reichen Mannes ist in diesem Jahr Kern der Kronacher Rosenberg Festspiele . Das Bühnenspektakel, dessen Urfassung aus dem 16. Jahrhundert stammt, fasziniert das Publikum bis heute – und es ist aktueller denn je. Das hat viele Gründe.
Wenn der Jedermann, Hugo von Hofmannsthals reicher Mann, entdeckt, dass er nicht nur Geld, sondern auch Angst hat, dass er ein Wesen mit Herz und Seele ist, dann ist der Moment gekommen, in dem sein Erlösungstod naht. Diese Erkenntnis ereilt den Jedermann seit 100 Jahren in jedem Sommer vor dem Dom der Festspielstadt Salzburg – und in diesem Jahr auch erstmals in der Festspielstadt Kronach .
Der Tod kann jeden jederzeit treffen – das ist die Kernbotschaft der moralisierenden Urfassung. Die erste nachweisbare Ausgabe stammt aus dem Jahre 1529, die in England unter dem Titel „Everyman“ erschienen ist. In einer Zeit, in der die Schrecken des „Schwarzen Todes“ sicher noch nicht vergessen waren und andererseits das Aufblühen von Produktion und Handel aber auch die reformatorische Bewegung die Frage nach gültigen Werten aufwarf.
Im Jahr 1920, dem Jahr der Uraufführung des Jedermanns in der Fassung von Hugo von Hofmannsthal in Salzburg, waren die Schrecken des Ersten Weltkriegs noch sehr präsent und eine neue Pandemie, in Form der Spanischen Grippe, kostete Unzähligen das Leben. Der Autor schien begeistert von den mittelalterlichen Mysterienspielen, die dem Volk neben Unterhaltung eine gewisse moralische Erziehung mitgaben.
Der Inhalt des Stücks: Weil sich die Menschen von Gott abgewandt haben, will dieser ein Exempel statuieren und den reichen, ungläubigen Jedermann vor das göttliche Gericht zitieren. Jedermann liebt das pralle Leben, verprasst seinen Reichtum, arme Bittsteller verhöhnt er. Als der Tod kommt, um ihn zu holen, fleht er Gott um Gnade an und bereut sein ausschweifendes Leben. Er durchläuft eine Reihe von Prüfungen, in denen Freundschaft und Liebe und vor allem sein irdisches Werk und sein Glaube zentrale Rollen spielen. Jedermann stirbt. Doch durch Gottes Gnade kommt seine Seele in den Himmel.
Ein Archetypus
Der Jedermann steht für den Archetypus des Menschen, der im Angesicht des Todes sein Leben überdenkt und Fehler bereut. Für Anja Dechant-Sundby, die in diesem Jahr die künstlerische Leitung der Kronacher Rosenberg Festspiele übernommen hat, gibt es triftige Gründe, den Jedermann jetzt zu inszenieren: „In diesem Jahr ist uns allen bewusst geworden, wie schnell sich unser Leben wandeln kann, wie plötzlich Pläne und Lebensentwürfe über Bord geworfen werden müssen. Wir werden vor existenzielle Fragen gestellt: Wie will ich leben? Was ist mir wichtig? Welche moralische Richtschnur habe ich? Was passiert mit mir im Angesicht des Todes?“