Susanne Deuerling

130 Jahre Gesangverein Cäcilia in Steinwiesen – 130 Jahre Gesang und 130 Jahre Freude bei weltlichen und kirchlichen Feiern: All das ist seit der Mitgliederversammlung am vergangenen Dienstag Geschichte. Seit Januar 2018 brodelte es in der einst so harmonischen Gemeinschaft. Man war sozusagen in zwei Lager gespalten und war dennoch bemüht, die drohende Auflösung noch abzuwenden. Doch die Differenzen waren anscheinend zu groß. Und so hatte die kommissarische Vorsitzende Monika Rohr nun zur endgültigen Auflösungsveranstaltung geladen.

Verein lief auf Sparflamme

Es sei kein erfreulicher Anlass, dieses Treffen, sagte Rohr und ging kurz auf die vergangenen zwei Jahre ein. Der Verein habe auch weiterhin finanzielle Verpflichtungen gehabt, wie den Beitrag an den Sängerbund und die Versicherungen für Fahne und Vereinszubehör. Alles lief sozusagen auf Sparflamme, auch deshalb, weil aufgrund der Corona-Beschränkungen nichts möglich war. Man habe aber in dieser Zeit durch eine überwiesene Geldsumme für den Grundschulchor der Marktgemeinde für dessen Weiterbestehen gesorgt.

Unnötige Kosten vermeiden

Bei der Abstimmung waren alle Anwesenden einstimmig dafür, den Verein aufzulösen – es war mindestens eine Drei-Viertel- Mehrheit nötig. Man war sich einig, dass es keinen Sinn hat, diese Entscheidung noch weiter aufzuschieben und dadurch unnötige Kosten zu verursachen. Einig war man sich auch darüber, wie es mit dem vorhandenen Geldvermögen weitergehen soll. Das Guthaben geht laut Satzung an den Markt Steinwiesen . Der werde es für kulturelle Zwecke im musischen Bereich verwenden, betonte Bürgermeister Gerhard Wunder und und drückte seine Hoffnung auf eine spätere Gründung eines neuen Gesangvereins aus. Der könne dann eventuell von dem vorhandenen Geld profitieren.

Der Gesangverein Cäcilia nennt natürlich auch Sachwerte sein Eigen. Die Vereinsfahne, die Zelterplakette, Auszeichnungen, Notenblätter, Fotos, die Festschrift zum 125. Jubiläum und noch vieles mehr. Einstimmig beschloss man, die meisten Sachen ins Heimatmuseum zu bringen, wo sie eingelagert werden und vielleicht eines Tages einen Ausstellungsplatz erhalten.

Das Klavier bleibt vorerst im Grünen Baum, bis es einmal anderweitig gebraucht wird, das Keyboard steht weiterhin dem Schulchor zur Verfügung. Für die vorhandenen Notenblätter versucht Walter Schmittdorsch eine Verwendung beziehungsweise bei interessierten Vereinen oder Mitgliedern einen Käufer zu finden.

Kritische Töne

Für Bürgermeister Wunder war es nicht leicht, dass in seiner Gemeinde ein Verein aufhört zu bestehen. Er kritisierte, dass vereinsintern viele nur kritisieren konnten, aber wenn wirklich jemand gebraucht worden sei, keiner dazu bereit gewesen sei. Wunder betonte aber auch, dass man die sozialen Kontakte nicht einschlafen lassen darf: Weiterhin miteinander reden, sich treffen, das sei das Wichtigste.

Nun ruht die Hoffnung auf dem Schulchor. Vielleicht bildet sich aus dieser Konstellation eines Tages wieder eine Erwachsenen-Sängergruppe.