Kräuter suchen und ernten. Das war früher, als die Menschen auf die Natur angewiesen waren gang und gäbe. In der heutigen Zeit ist viel Wissen über Pflanzen in Vergessenheit geraten. Durch den Feiertag Mariä Himmelfahrt lebt noch ein Brauch weiter: Das Wurzbüschel-Binden. Doch welche Kräuter kommen hinein, und wo sind sie zu finden?

Christine Helmrich hat eine Leidenschaft für Pflanzen und Kräuter und gibt ihr Wissen gerne weiter. "Die geweihten Kräutersträuße sollten damals Segen für die Tiere, Haus und Hof bringen", sagt die Heil- und Wildkräuterexpertin. Bei einem Gewitter habe man zum Beispiel einen Teil des Straußes im Herdfeuer verbrannt, um das Haus vor einem Blitzeinschlag zu schützen.

Die Kräuter werden zwischen Juni und August gesammelt, zu einem Strauß gebunden und an Mariä Himmelfahrt in der Kirche geweiht. Danach werden sie zum Trocknen aufgehängt.

Das muss in den Strauß

"Von neun bis 99 Kräuter ist alles erlaubt", sagt die Heil- und Wildkräuterexpertin aus Memmelsdorf. Unbedingt in den Strauß müssten Johanniskraut, Beifuß, Schafgarbe, Dost/ Wohlgemut, Labkraut, Kamille, Heilziest und Hafer oder eine andere Getreidesorte. Außerdem die Königskerze, die den Mittelpunkt des Straußes bildet.

Neben diesen Grundzutaten können wahlweise Gartenkräuter oder Blumen ergänzt werden. Dafür eignet sich zum Beispiel Salbei, Rosmarin, Thymian oder auch eine Sonnenblume.

Darauf sollte geachtet werden

Beim Pflücken sei es wichtig, dass die Pflanzen trocken sind und am besten vor 15 Uhr gesammelt werden. Dies solle im Zeitraum zwischen dem Johanni-Sommersonnwendtag, am 24. Juni, und Mariä Himmelfahrt, am 15. August, geschehen. "Die Kräuter, die in dieser Zeit blühen, sind Licht- und Sonnenkräuter und nehmen die Sonnenenergie in sich auf", sagt Helmrich.

Im Winter würde es daher Sinn machen, den geweihten Kräuterstrauß wieder hervor zu holen und sich durch riechen oder räuchern die Sommersonne in der dunklen Jahreszeit zurück zu holen. Jedes Kraut habe eine eigene Wirkung auf den Menschen. So hebt Johanniskraut etwa die Stimmung und Beifuß, was auch Mutter aller Kräuter genannt wird, entspannt und wärmt.

Orte zum Kräuter sammeln

Die besten Orte zum Sammeln sind auf Magerwiesen und brachliegenden Flächen. Auch Waldränder, Waldlichtungen oder Wanderwege würden sich anbieten. Wichtig sei, dass der Boden nicht gedüngt ist und die Pflanzen nicht unmittelbar an einer viel befahrenen Straße wachsen.

"Ich gehe gerne am Tauschenberg beim Waldrand sammeln", sagt die Memmelsdorferin. Dort würde Schafgarbe, Johanniskraut und Heilziest wachsen. Ein weiterer guter Ort zum Pflücken sei in der Nähe der Bahnschienen zwischen Lichteneiche und Gundelsheim.

Wurzbüschelkräuter gibt es auch im Klosterkräutergarten der Abtei Maria Frieden. Dort ist die 54-Jährige ehrenamtlich tätig. Sie bietet in dem Garten neben Kräuterführungen auch gemeinsames Kochen mit Wildkräutern und im Herbst auch Räucherkurse an. she