Shalom - Friede! Am Abend des höchsten jüdischen Feiertages, Jom Kippur, fand im Rahmen des Jubiläums "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" die dritte Veranstaltung des Kultur- und Sportbeirates Kulmbach statt: Ein Abend mit Texten jüdischer Autorinnen und Autoren, gelesen von Mitgliedern des Kulmbacher Literaturvereins, abgerundet durch israelische Volkstänze der Tanzgruppe "Sim Shalom".

"Christentum und Judentum sind Geschwister", sagte Pfarrer Ulrich Winkler zur Begrüßung, "der heutige Abend ist ein weiteres Zeichen der Verbundenheit." Dritter Bürgermeister Ralf Hartnack verwies auf die vergangenen Veranstaltungen in Kulmbach und hatte gute Neuigkeiten für all diejenigen im Gepäck, die keine Gelegenheit hatten, an der "Stolpersteine-Führung" von Wolfgang Schobert im Juli teilzunehmen: "Es wird am 30. September um 19 Uhr eine zusätzliche Führung geben, um vorherige Anmeldung wird gebeten."

Doch zurück zum Geschehen in der Petrikirche. Die Mitglieder des Literaturvereins hatten sich viel Mühe gegeben, Texte jüdischer Autoren auszuwählen. Da gab es Nachdenkliches und Skurriles, Wehmütiges und Lustiges, Poetisches und Hoffnungsvolles. Karin Minet startete mit "Sozusagen grundlos vergnügt" von Mascha Kaleko, während Evi Weier aus dem nicht ganz unumstrittenen Buch "Der jüdische Witz" von Salcia Landmann vortrug. Der jüdische Autor Paul Celan, dessen Todesumstände 1970 nicht geklärt wurden, veröffentlichte 1952 ein Gedicht mit dem Namen "Corona". "Das hat aber natürlich mit dem heutigen Virus nichts zu tun", erklärte Klaus Köstner, der das Gedicht präsentierte. Else Lasker-Schüler hatte es hingegen Robert Prawitz angetan. "Sie konnte bereits mit vier Jahren lesen und schreiben und war eng mit Franz Marc befreundet", stellte er die Autorin des Gedichts "Ein Lied der Liebe" vor. Mehrfach sei Lasker-Schüler nach Palästina gereist und durch den Krieg an einer Rückreise in die Schweiz gehindert worden. "1945 starb sie verarmt und ausgegrenzt in Jerusalem."

Als zeitgenössischen jüdischen Autor, der ganz spezielle und teils bizarre Kurzgeschichten schreibe, stellte Henry Kersting den israelischen Schriftsteller Etgar Keret vor. Friederike Köstner baute auf einen alten Bekannten, Ephraim Kishon, dessen feiner Witz vielen Menschen bekannt sein dürfte. Den Abschluss der Lesungen bildete Anneliese Haun mit Auszügen aus einer Geschichte über eine ungewöhnliche Heiratsanbahnung von Andre Kaminski. Dazwischen immer wieder eingestreut die fröhlichen Tänze der Tanzgruppe Sim Shalom, "das bedeutet auf Deutsch: bringt Frieden", erklärte die Tanzgruppenleiterin Astrid Hofmann-Weiß aus Neudrossenfeld.

Die israelischen Tänze hätten eine über 3000 Jahre alte Tanzgeschichte und die Tänze, Melodien und Texte seien so bunt wie das Land selbst, mit vielen Einflüssen. "Es gibt heute über 4500 Tänze, die alle ein eigenes Muster haben, eine eigene Geschichte erzählen", sagte die Tanzkursleiterin. Die Tänze seien dabei eher volkstümlich und weniger religiös, es gehe um den Spaß an Gemeinschaft und an der Bewegung.