Stephan Herbert Fuchs

Man mag es kaum für möglich halten, doch einer der größten Gemüseanbaubetriebe der Region liegt hinter dicken Gefängnismauern. "Wir produzieren rund 40 bis 45 Tonnen eigenes Gemüse im Jahr", sagt der leitende Gärtnereimeister der Justizvollzugsanstalt Bayreuth-St. Georgen, Jörg Eckel. Knapp die Hälfte davon bleibt zur Eigenversorgung in der JVA, der Rest geht in den freien Verkauf.

Das Besondere an der Gefängnisgärtnerei: Hier werden nicht nur 55 bis 60 verschiedene Gemüsesorten angebaut, alles ist auch biologisch, denn der Betrieb ist seit 2020 EU-bio-zertifiziert. Welche Philosophie hinter der Gemüseproduktion im Gefängnis steckt, davon konnte sich eine Delegation des Bezirksverbands für Gartenbau und Landespflege bei einer Besichtigung ein Bild machen.

Bis etwa zum Jahr 2000 wurden hauptsächlich Blumen und Zierpflanzen angebaut, erinnert sich Eckel. Irgendwann habe aber auch die Gefängnisgärtnerei nicht mehr mit dem Billigangebot von Baumärkten und Lebensmitteleinzelhandel mithalten können, so dass sich die Verantwortlichen für den Umstieg zu Nutzpflanzen entschieden haben.

Schnell sei allerdings klar geworden, dass die Nachfrage der Kunden nach biologisch produzierter Ware immer größer wurde. So habe man zum Beispiel nach und nach von konservativen Düngemitteln auf biologischen Pflanzenschutz und Naturdünger umgestellt. Auch das Saatgut wird in der Regel selbst produziert. "Ansonsten muss man aber schon wesentlich flexibler sein als beim konservativen Anbau", sagt Eckel. Man benötige auch Sorten, die genügsamer sind.

So gibt es in einem der zahlreichen Gewächshäuser rund 850 Tomatenpflanzen auf einer Fläche von 300 Quadratmetern. Direkt daneben wachsen in einem weiteren Gewächshaus die Gurken. Pro Jahr werde etwa 900 Quadratmeter Feldsalat gepflanzt. Die Kunden, hauptsächlich aus der Stadt Bayreuth, profitieren vor allem von der Frische des Angebots. "Bei uns gibt es praktisch keine Transportwege, alles kommt vom Feld frisch auf die Theke."

Begehrter Arbeitsplatz

Neben Jörg Eckel sind in der Gärtnerei ein weiterer Gärtnermeister, ein Landschaftsgärtnermeister und zwei qualifizierte Kräfte beschäftigt. Dazu kommt eine stark wechselnde Zahl von Häftlingen, die allerdings genau auf ihre Zuverlässigkeit hin ausgewählt werden. "Es ist ein begehrter Arbeitsplatz, wir können aber nur handverlesene Leute nehmen", so der Leiter der Arbeitsverwaltung, Rainer Völkl.

Die JVA Bayreuth ist eine der ältesten und gleichzeitig eine der größten Haftanstalten Bayerns. Sie wurde 1724 von Markgraf Friedrich als Zucht- und Arbeitshaus errichtet. Hinter Mauern und Stacheldraht verbüßen derzeit rund 800 Häftlinge Freiheitsstrafen von wenigen Wochen Dauer bis zu lebenslang, darunter auch gut 100 Untersuchungshäftlinge, die auf ihren Prozess warten. Da Gefangene zur Arbeit verpflichtet sind, gibt es in Bayreuth 15 handwerkliche Eigenbetriebe, von der Kfz-Werkstatt bis zur Schlosserei, so Rainer Völkl.