Der "kleine Schlenker" auf dem Weg von der Stadt Dorsten im Münsterland nach Berlin sind 260 Kilometer, 260 zusätzliche Kilometer. Vom 31. August bis zum 8. September fahren 13 Mitglieder des Bundesverbandes Parkinson Youngster von Dorsten in die Hauptstadt, um dort dem Gesundheitsminister Jens Spahn ihre Ansprüche und Ideen über eine altersgerechte Versorgung von Parkinson-Patienten mitzuteilen.

Die Tour ist damit 835 Kilometer lang, neun Etappen mit rund 90 Kilometer sind es. Der Umweg über Coburg auf dieser Radtour "Ride for Life" hat seine Grund in Prinz Andreas von Sachsen-Coburg und Gotha. Er ist ebenfalls an Parkinson erkrankt und vor zwei Jahren von Coburg nach Gotha mit dem Fahrrad gefahren. Unterstützt wird diese Etappenfahrt damals vom Rotary-Club Coburg.

Sportliche Tour

"Wir haben davon gehört und es verfolgt", sagt Nadine Mattes am Sonntagvormittag auf dem Coburger Marktplatz. Als der "Ride for Life" aus Dorsten nach Berlin organisiert wird, hat die Gruppe kurzerhand bei Andreas von Coburg nach einem Besuch und Zwischenstopp in Coburg angefragt. "Und es kam sofort eine Zusage", so Nadine Mattes. Auch Oberbürgermeister Dominik Sauerteig ist am Sonntagvormittag gekommen und begrüßt die Mitglieder der Bundesvereinigung Parkinson Youngster. "Es ist ein langer Weg und eine recht sportliche Tour", weiß Sauerteig aus eigener Radsport-Erfahrung.

Bewegung ist das A und O

Für den Rotarycub Coburg fühlt sich Max Beyersdorf "an den Geist vom 1. Mai 2019" erinnert. An diesem Tag startet die Tour von Prinz Andreas nach Gotha. "Wir fühlen uns von dem Besuch geehrt", teilt er auch die Einschätzung des Oberbürgermeisters. Mit 500 Euro unterstützen die Coburger Rotarier die Unternehmung.

Bewegung ist das A und O für Menschen, die an der schleichenden Krankheit Parkinson leiden. "Nach dem Aufstehen heute Morgen waren nur kleine Schritte möglich. Mit zunehmender Bewegung wird es besser. Jetzt laufe ich ganz normal", sagt die 40-jährige Nadine Mattes. Bewegung ist einer der wichtigsten Bausteine für eine bessere Lebensqualität. Die gesundheitlichen Vorteile durch das Fahrradfahren sind bei Parkinson durch wissenschaftlichen Studien belegt.

Andere Bedürfnisse

Jüngere an Parkinson erkrankte Menschen brauchen nach den Worten von Nadine Mattes andere Therapien. "Im Wesentlichen sind die Therapien und Behandlungsangebote auf Menschen im Alter von 70 plus ausgerichtet. Wir haben andere Bedürfnisse." Dazu zählt die Kostenübernahme. "Fitnessstudio und Fahrräder müssen wir bislang alles selbst finanzieren." Den "Ride for Life" begleiten Angehörige, ein Physiotherapeut und ein Fahrradmechaniker. Bis auf ein Zweirad handelt es sich um E-Fahrräder. Der zusätzliche Antrieb ist für die beiden Lastenfahrräder unerlässlich. Immerhin bringt so ein langes Gefährt einen Zentner Masse auf die Waage. Dazu kommen noch die Verpflegung und der Fahrer.

Im Ruhrgebiet sei die Landschaft eben, weshalb eine Akkuladung bei den beiden Lastenbullitts 90 Kilometer reicht. "Hier in der hügeligen Landschaft ist nach 50 Kilometern Schluss, dann wird der Akku gewechselt", so Nadine Mattes.

Von Meiningen war die Gruppe am Samstag nach Coburg gekommen und fährt am Sonntag nach Eisfeld weiter. "Prinz Andreas wird uns hier noch ein Stück mit dem Fahrrad begleiten, worauf wir uns jetzt schon alle freuen."