Stephan Herbert Fuchs

In diesem Jahr wird es kein Wilhelm-Kempff-Klavier-Festival in Thurnau geben. Der Initiator, der international renommiert und in Kulmbach lebende Pianist Ingo Dannhorn bedauert das sehr, legt aber großen Wert auf die Feststellung, dass die Planungen für das Festival 2022 bereits laufen.

"Wir legen coronabedingt eine künstlerisch-kreative Schaffenspause ein", sagt Ingo Dannhorn. Im laufenden Jahr sei es einfach noch zu riskant, das Festival zu planen und dann vielleicht doch noch kurzfristig absagen zu müssen.

Schon im zurückliegenden Jahr hatte er als Veranstalter, der das volle Risiko trägt, seinen Kollegen kurzfristig absagen müssen. "Das Risiko wollten wir einfach nicht noch einmal eingehen", so Dannhorn: Er hatte im vergangenen Oktober kurzfristig selbst zwei Abende mit identischem, aber überaus hochkarätigem Programm bestritten, wobei nur jeweils 70 statt der üblichen gut 200 Zuhörer im Kutschenhaus des Schlosses Thurnau zugelassen waren.

Hoffnung auf 2022

Im kommenden Jahr soll das Festival unter dem Motto "Kempff und Freunde" dagegen sogar noch erweitert werden. "Wir hoffen 2022 wieder auf ein ganz normales Festival."

Das Kempff-Festival hatte Ingo Dannhorn 2016 ins Leben gerufen. Er möchte damit unter anderem an die legendären Hauskonzerte des weltberühmten Pianisten Wilhelm Kempff (1895 - 1991) erinnern, der in den Nachkriegsjahren zusammen mit rund 100 weiteren Flüchtlingen im Schloss von Thurnau untergekommen war und dort für die Menschen musiziert hatte.

Gleichwohl gibt es für Ingo Dannhorn in diesem Tagen Grund zum Feiern. Am 1. September wird er eine volle ordentliche Professur für das Hauptfach Klavier an der Staatlichen Musikhochschule Trossingen antreten. Das bedeute aber nicht, dass er Kulmbach den Rücken kehren wird. Im Gegenteil: "Selbstverständlich bleibe ich Kulmbach auch weiterhin treu", sagt er, auch wenn er künftig immer ein halbes Jahr im rund 400 Kilometer entfernten Trossingen unterrichten wird.

Bereits im Mai war Ingo Dannhorn dem Ruf an die baden-württembergische Musikhochschule mit ihren 500 Studenten gefolgt. In der Nachfolge des Pianisten Wolfgang Wagenhäuser wird Ingo Dannhorn dort eine Klavierklasse aufbauen. Inhaltliche Schwerpunkte sieht Ingo Dannhorn darin, seinen Studenten die Breite und Kenntnis der musikalischen Stilistik zu übermitteln und sie auf die Berufswirklichkeit als Lehrer, Korrepetitor, Liedbegleiter oder Konzertpianist vorzubereiten.

Motivation für junge Musiker

"Ich habe schon immer gern unterrichtet", sagt Ingo Dannhorn, der zeitweise auch eine Gastprofessur im südkoreanischen Seoul hatte. Die Arbeit mit Studenten aus aller Herren Länder empfinde er als "unglaublich bereichernd". Ziel seiner Arbeit müsse es sein, den Studenten das Rüstzeug mitzugeben, damit sie künftige Herausforderungen selbst bewältigen können.

"Am Ende müsse sich der Lehrer selbst überflüssig machen", so der Pianist. Dabei will er die jungen Leute vor allem motivieren und für die Musik begeistern.