Die Gößweinsteiner Tourismuschefin Christin Kellner, die in der Nachbargemeinde Wiesenttal auch Marktgemeinderätin ist, hat ihr Arbeitsverhältnis mit dem Markt Gößweinstein gekündigt. Gründe nannte Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (FW) nicht, als es während der jüngsten Ratssitzung in Morschreuth um ihre Nachfolge ging.

Die Stelle der Leitung des Gößweinsteiner Tourismusbüros im Haus des Gastes soll bis zum 1. Januar 2021 neu besetzt werden. Während der Sitzung ging es vor allem darum, welche Qualifikation eine neue Leiterin oder ein neuer Leiter des Tourismusbüros mitbringen soll und wie die Ausschreibekriterien für diese Stelle aussehen sollen. FW-Chefin Daniela Drummer erinnerte an die Anfänge vor einem Vierteljahrhundert. "Am Anfang war es nur eine Verwaltung des Tourismus", so Drummer. Bis der erste gelernte Touristiker kam - Matthias Helldörfer, der heute Chef der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz ist. Von da an ging es aufwärts, vor allem mit den Übernachtungszahlen und der Bettenauslastung. Auch Helldörfers Nachfolgerin Christin Kellner ist vom Fach, habe nicht nur verwaltet, sondern auch gestaltet. Etwa die schönen Barockfeste, oder den Weihnachtsmarkt, so Drummer, die der Meinung ist, dass jemand, der ein touristisches Studium hat, einen weiteren Blick habe. "Ich warne davor zu sagen, das kann jeder", so Drummer.

"Mit dem Herzen dabei sein"

Für Marco Brendel (BMG) ist eine kaufmännische Ausbildung Grundvoraussetzung. "Ansonsten muss man mit dem Herzen dabei sein", so Brendel. Dietmar Winkler (CSU) schloss sich Drummer ausdrücklich an. "Einfach einen Verwalter einzustellen, dafür ist das Geld zu schade", so Winkler. Auch Kerstin Hölzel (SPD) schloss sich Drummers Meinung an. Die Stellenausschreibung würde sie aber weiter fassen. "Wenn wir reinschreiben, dass man ein Studium haben muss, dann muss man es auch haben", gab Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (FW) zu bedenken und betonte, dass er einen ausgebildeten Touristiker für diese Stelle haben will.

"Wenn wir uns die Übernachtungszahlen anschauen, hätten wir vor 20 Jahren nicht zu träumen gewagt, wie sie angestiegen sind", so Georg Lang (CSU). Für Lang liegt dies vor allem daran, dass der Markt einen Touristiker eingestellt und sich die ARGE Tourismus und Wirtschaft gegründet hatte. "Wir sollten deshalb keinen Schritt zurück machen", so Lang. Gerade weil der Inlandstourismus auch wegen Corona gerade boomt.

Lang plädierte, wieder einen Touristiker wie Helldörfer einzustellen. Und zwar mit einer Ganztagsstelle, um das Niveau zu halten. Für Bernhard Vogel (SPD) waren Langs Ausführungen hypothetisch. "Ein Akademiker ist angesichts des Gemeindehaushalts unterfordert", so Vogel. Denn aktuell ist es noch keine Vollzeitstelle.

Kürzungen auch im Tourismus

Zimmermann warnte auch davor, solche Begehrlichkeiten zu wecken. Erst kürzlich habe man das Haushaltskonsolidierungskonzept mit deutlichen Einschränkungen auch im Tourismusbereich beschlossen. "Dagegen sollten wir nicht gleich verstoßen", so Zimmermann. Anderer Meinung war Hans Heckel (CSU). "Wenn jemand davon leben will, braucht er eine Vollzeitstelle. In der Ausschreibung sollte auf jeden Fall eine touristische Ausbildung Voraussetzung sein", so Heckel.

Vogel sah jedoch in der interkommunalen Zusammenarbeit großes Potenzial. "Für das Gestalten reicht deshalb auch eine weniger hohe Qualifikation", so Vogel. Für Lang brauche es aber auch jemanden vor Ort, der in der Lage zu wissen, was am Markt gefragt ist. Und er müsse Bindeglied zwischen den Anbietern und der Tourismuszentrale sein. Das habe man mit ausgebildeten Tourismusfachleuten erreicht mit jetzt 130 000 Übernachtungen und einer Verdoppelung der Auslastung. Maximilian Sebald (JuF) gab seiner Mutter Kerstin Hölzel recht. "Ich würde es offen formulieren", so der CSU/JuF-Fraktionschef.

Akademiker braucht es nicht

Winkler war schließlich auch dafür, in die Ausschreibung eine spätere Option für eine Ganztagsstelle mit reinzuschreiben. "Man weckt damit eine Hoffnung, die man später nicht erfüllen kann", lehnte Vogel ab. Er findet es attraktiver, wenn sich jemand engagiert und dann auch länger bleibt. Dazu brauche es keinen Akademiker, so Vogel. Schließlich einigten sich die Gemeinderäte einstimmig auf eine kaufmännische Ausbildung im Bereich Marketing, ein abgeschlossenes Tourismusstudium oder einer Erfahrung im Bereich Tourismus als Mindestvoraussetzungen.