"Okay, da hab ich ja was losgetreten ... Also gut, dann zwei Drohmails und anonyme Beschimpfungsanrufe später - dann hier noch einmal ein grundsätzliches Statement."

So fängt einer der jüngsten Facebook-Posts des Rattelsdorfer Kabarettisten Helmut Vorndran an. Losgetreten hat er eine hitzige Diskussion. Denn wenn Helmut Vorndran im Herbst aus seinem neuen Krimi "Natternsteine" liest, unter anderem in Bad Rodach und Ahorn, will er das nicht vor Impfgegnern tun.

Die Ankündigung im Wortlaut: "Wer geimpft oder genesen, ist herzlich willkommen. Alle anderen werden gebeten, der Veranstaltung bitte fernzubleiben. P.S. Wer aus medizinischen Gründen keine Impfung haben kann, ist mit Test natürlich herzlich willkommen."

Für alle, die Vorndran kennen, kommt die Ankündigung wenig überraschend. Seit Beginn der Pandemie hat er sich gegen Verschwörungstheorien ausgesprochen und sich dafür stark gemacht, dass das Virus ernst genommen wird. Immer wieder hat er dafür auch negative Kommentare einstecken müssen. Deshalb hat er schon befürchtet, dass er auf heftige Kritik stoßen könnte, als er auf Facebook bekannt gibt, dass er nur noch vor Geimpften und Genesenen auftreten möchte.

Und tatsächlich hat er am Mittwochnachmittag, wie er es in eigenen Worten sagt, "etwas losgetreten": Noch nicht einmal 24 Stunden nach dem Facebook-Posting trudeln bei ihm die ersten Hass-Mails ein, am Telefon wird er von anonymen Anrufern beleidigt und bedroht. Von den wüsten Beschimpfungen lässt sich Helmut Vorndran allerdings nicht beeinflussen. "Wer sich in den Wind stellt, der muss den Sturm aushalten können", sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bei der Einlassregelung gehe es ihm nur um diejenigen, die sich schlicht nicht impfen lassen wollen. Alle, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen dürfen, sind mit entsprechendem Nachweis und einem Negativtest bei seinen Lesungen herzlich willkommen, wie im Post geschrieben. "Ich kann es einfach nicht verstehen, dass es immer noch Menschen gibt, denen es völlig egal ist, dass sie andere gefährden. Es liegen doch schon längst alle Fakten auf dem Tisch", sagt Helmut Vorndran. Genau diese Menschen seien es, die ihn anonym angreifen. "Ich habe Schimpfwörter gehört, die kannte ich vorher gar nicht." Es sei aber nicht nur bei Beleidigungen geblieben.

"Ich bringe dich um"

Er habe sich Drohungen wie "Ich bringe dich um" oder "verrecke doch an dem Gift" anhören müssen - sowie den Vorwurf, ein "williger Sklave" und "Handlanger" von "denen da oben" zu sein. Eingeschüchtert sei er davon nicht. "Klar bin ich über diese Gefühlsausbrüche erschrocken. Aber: Hunde, die bellen, beißen in der Regel nicht."

Deshalb scheut er auch nicht die Konfrontation im persönlichen Gespräch: "Wenn früher beim Stammtisch jemand Nonsens geredet hat, dann hat der auch schnell Gegenwind bekommen." Durch Facebook sei es aber schwieriger geworden, sachliche Diskussionen zu führen. "Auf Facebook bewegen sich die Impfgegner in ihrer eigenen Filterblase, die den Unsinn noch befeuert", erklärt er. Darum seien die wirklich radikalen Impfgegner gegen jegliche objektive Argumentation immun, findet er. "Diskussionen sind auch immer dazu da, zu hinterfragen, ob der andere vielleicht doch im Recht sein könnte - nur diese Menschen haben beschlossen, dass sie auf jeden Fall Recht haben."

Als Person des öffentlichen Lebens sehe Vorndran sich trotzdem in der Pflicht, Stellung zu beziehen und - unter anderem mit seinen strengen Einlassregelungen bei seinen Lesungen - Druck aufzubauen. Auch privat habe er dafür Konsequenzen in Kauf genommen: "Weil sie meine Meinung nicht akzeptieren konnten, habe ich in den letzten Monaten einige Freunde verloren." Erfreulich sei für ihn allerdings, dass die Mehrzahl der Kommentare auf seiner Facebook-Seite positiv ausfällt. "Da sehe ich, dass es wirklich nur eine kleine Minderheit ist, die laut und aggressiv ist." Vorndran hofft, dass - wenn die Pandemie vorbei und die Diskussion abgekühlt ist - jeder in sich geht und begreift, was da vor sich gegangen ist.

"Pandemie, Artensterben und Klimakatastrophe - all das hängt damit zusammen, dass es Menschen gibt, bei denen das Wort ,Verzicht‘ nicht zum eigenen Wortschatz gehört", sagt er. Er vermute, dass die Impfgegner von heute die Klimaleugner von morgen sein werden. "Und ich befürchte, dass sie vielleicht nur dann begreifen, dass es so nicht weitergehen kann, wenn es ihr eigenes Haus ist, das weggeschwemmt wird."

Kein Verständnis

Aber hat Vorndran auch Verständnis für Menschen, die keinen Verschwörungstheorien anhängen, aber aus anderen Gründen Vorbehalte gegen eine Impfung haben? Vorndran: "Wir haben jetzt ein halbes Jahr Impfungen hinter uns, und nach objektiver Betrachtung der Faktenlage sehe ich keinen objektiven Grund für einen gesunden Menschen, sich nicht impfen zu lassen. Wenn nun jeder zu dieser Einsicht käme, wäre der ganze Spuk im Oktober vorbei. Da es aber Menschen gibt, die entweder Angst haben, zu bequem oder schlicht zu verbohrt sind, dieses zu tun, muss ich das zwar akzeptieren - aber nicht verstehen."