Auf Einladung der CSA und der Frauen Union informierte Karin Brandl von der Kripo Coburg über die Drogensituation in Oberfranken. Ein junges Mädchen, deren Gesicht mit Ekzemen verunstaltet ist, bröselnde Zähne und ein ausgemergelter junger Mann - es waren erschreckende Bilder, die die Kriminalhauptmeisterin in der Turnerheim-Gaststätte zeigte.
"Manchmal kommt es mir vor wie ein Kampf gegen Windmühlen", gestand sie ein. Die Volksdroge Nummer eins sei nach wie vor der Alkohol. Das Trinkverhalten habe sich - Stichwort Komasaufen - aber enorm verändert. Das Einstiegsalter für ein bewusstes Berauschen liege bei elf Jahren, wobei Mädchen den Jungs in nichts hinterher stünden. Ihr bekannte "Highlights" 1,1 Promille bei einer Zehnjährigen, 3,8 Promille bei einem 15-Jährigen, 3,9 bei einem 16-Jährigen und 4,2 bei einer 14-Jährigen. "Solche Werte schaffen nur regelmäßige Trinker mit Hochprozentigem." 16,2 Prozent aller geklärten Straftaten in 2014 seien unter Alkoholeinfluss begangen worden.
Ebenfalls erhöht habe sich 2014 die Rauschgiftkriminalität - und zwar um 9,3 Prozent oder 302 Fälle. "Der Drogenmarkt ist so unübersichtlich wie noch nie. Wir können unsere Kinder nicht mehr schützen. Das riesige Angebot auf dem Markt ist nicht kontrollierbar. Im Internet bekommt man alles", bedauerte Brandl, die klare Worte fand: "Wir haben in Oberfranken ein Drogenproblem."
"Neue Drogen" würden beispielsweise als Kräutermischungen, aber auch als Lufterfrischer, Badesalz, Pflanzendünger oder Reiniger angeboten.
Lange Jahre waren Brandl zufolge im Bereich Coburg-Kronach-Lichtenfels etwa zwei Drogentote im Jahr zu beklagen. Inzwischen seien es sieben bis neun. Jeglicher Umgang mit Drogen sei strafbar und werde streng geahndet. Ziel müsse es sein, den Drogenkonsum im Vorfeld zu verhindern. Besonders wichtig sei dabei das Elternhaus. Eindeutige Symptome gebe es nicht, dafür aber Signale , wie ungesundes Aussehen oder starke Gewichtsabnahme. Oft wechselten die Jugendlichen den Freundeskreis, fielen in der Schule ab oder gäben Hobbies auf. Betroffen sei jede Bevölkerungsschicht. Ohne professionelle Hilfe komme man von einer Drogensucht nicht los.
"Ich bin schockiert", sagte stellvertretende FU-Vorsitzende Ursula Eberle-Berlips. Familie, Lehrer, Erzieher, Vereine und Behörden müssten gemeinsam dem Problem entgegentreten. CSU- Kreisgeschäftsführer Bernd Liebhardt sprach die Einführung eines Streetworkers an. Laut Karing Brandl ist es wichtig, Kinder zu einem gesunden Selbstbewusstsein zu erziehen und ihnen Normen und Werte zu vermitteln. Heike Schülein