Die drei größten Feste im Landkreis Haßberge stehen bevor: das Zeiler und das Sander Weinfest sowie das Eberner Altstadtfest. In Sand steckt man im Zwiespalt. In Zeil und in Ebern ändert sich heuer was. Und: Wie steht es um die Sicherheit?
Andreas Lösch
Vertrauen ist gut, Kontrolle auch: Bei den großen Festen im Kreis Haßberge müssen die Organisatoren einen schwierigen Spagat schaffen. Zum einen soll die Sicherheit gerade hinsichtlich des Jugendschutzes gewährleistet sein, so gibt es auch entsprechende Kontrollen. Zum anderen soll sich keiner durch zu viele Vorschriften und Auflagen eingeschränkt fühlen. Eigenverantwortung und ein Vertrauensvorschuss für die Gäste seitens der Behörden ist also angebracht.
Das scheint zu funktionieren: Mit Schlägereien zum Beispiel "ist es nicht mehr so schlimm wie früher", sagt Norbert Mohr Für ihn ist es als Polizeichef der erste Sommer im Kreis Haßberge. Er hat sich die Statistiken der vergangenen Jahre angeschaut und schließt daraus, dass das Sicherheitskonzept, das sein Vorvorgänger Kurt Förg mit auf den Weg gebracht hat, eine sinnvolle Maßnahme war.
1#googleAds#100x100
Vor den großen Festen im Landkreis treffen sich mehrmals Polizei, Veranstalter, das Landratsamt, Rettungskräfte wie Rotes Kreuz, Feuerwehr oder Wasserwacht und die privat beauftragten Sicherheitsfirmen zur Besprechung des Sicherheitskonzepts: Wo ist erhöhte Präsenz vonnöten, was wird wo ausgeschenkt, welche Fluchtwege gibt es? Einen Plan zu haben allein gibt Sicherheit.
Keine Schnapsbar
Was den Jugendschutz betrifft, sind die Veranstalter besonders angehalten, die Augen offen zu halten. "Es zählt das Wohl des Kindes. Wenn ein 14-Jähriger betrunken rumtappt, ist das sicher nicht zu seinem Wohl", sagt Mohr. Deswegen wird genau darauf geachtet, insbesondere keine "harten", also branntweinhaltige Getränke, an Minderjährige auszuschenken. "Eine Bar gibt es bei uns sowieso nicht", sagt Tom Fensel, der Leiter der Hauptverwaltung der Stadt Zeil und Cheforganisator des dortigen Weinfests.
An den Ständen der Vereine gebe es Wein, Bier, alkoholfreie Getränke und allerhand Kulinarisches. Schnaps und dergleichen wird nur in den Wirtschaften ausgeschenkt. Die Betreiber sind dahinter, dass hier der Jugendschutz eingehalten wird. "Die Gastwirte machen das sehr gut, da hat es bis jetzt kaum Probleme gegeben", sagt Fensel.
Das Zeiler Weinfest unterscheidet sich maßgeblich von dem des Nachbarn aus Sand: Die Altstadt und ihre kleinen Gassen sowie der Marktplatz als große Feierarena sind der Grundstein, die Besucher verteilen sich in der gesamten Innenstadt. In Sand ist alles etwas konzentrierter auf einer großen Festwiese am Altmain. Deswegen lässt sich die immer wieder gestellte Frage, welches der beiden Weinfeste denn nun besser sei, kaum beantworten: Das ist halt Geschmackssache.
Die Zeiler wollen das Fest nicht aufblähen und nicht auf immer größere Besuchermassen hinarbeiten: Lieber soll es "etwas
heruntergefahren" werden, erläutert Fensel. Ein Feuerwerk wird es, wie schon vergangenes Jahr, nicht geben, in der oberen Turmstraße spielt am Sonntag keine Band mehr. Es soll "ein gemütliches Fest in der Altstadt werden", sagt der Organisator und verspricht, dass es den Besuchern dennoch an nichts mangeln werde. "Die Leute kommen nach Zeil, um das Ambiente zu genießen", sagt er. Freilich gibt es weiter verschiedene Bands in den Seitengassen und Gaudi auf dem Markt. "Diese Mischung hat sich sehr gut bewährt."
In Sand stecken die Veranstalter heuer im Zwiespalt, wie Roland Mahr, Vorsitzender des Weinfest-Organisationskomitees, erklärt. Der Grund ist die aktuelle Europameisterschaft in Frankreich: Weil nun mehr Mannschaften teilnehmen als in den vergangenen Jahren, dauert das Turnier vier statt drei Wochen. Und genau auf den Weinfestsonntag fällt das Finale. "Dieses Problem hatten wir bislang nur bei Weltmeisterschaften so", sagt Mahr.
Nun müsse man alle zwei Jahre ein großes Turnier bei den Planungen berücksichtigen. "Wenn die Deutschen ins Finale kommen und wir keine LED-Leinwand aufstellen, dann können wir zumachen." Für diesen Fall müsste dann die Lasershow ausfallen, wie Mahr erklärt. Ohne Deutschlandspiel wird gelasert.
Hauptsache nicht England
Beides wird vorgehalten: Weil sowohl Leinwand als auch Lasershow lange vorher bestellt werden müssen, stehen (noch) beide auf dem Festplan. Je nachdem, wie das Turnier in Frankreich verläuft, gibt es den entsprechenden Programmpunkt. Rund 20 Prozent Ausfallgebühr müssen die Sander dafür einplanen, die für eine der beiden Optionen fällig wird. Freilich wünscht sich Mahr, dass die DFB-Elf am 10. Juli im Finale steht. "Wir freuen uns natürlich.
Mir ist es lieber, wenn Deutschland Europameister wird, als England." Dieses Problem hat sich seit Montagabend für Mahr erledigt: Da flog England gegen den Fußballzwerg Island sensationell aus dem Turnier.
In Ebern wird zum Altstadtfest ebenfalls ein Sicherheitskonzept mit Polizei, Rettungskräften und Veranstaltern ausgearbeitet. Damit junge Festbesucher auch ihren Spaß haben, wird es wieder eine alkoholfreie Cocktail-Bar mit DJ geben, sagt Helen Zwinkmann, die für die Stadt Ebern die organisatorischen Fäden des Festes in der Hand hält.
Ein Veranstaltungstechniker kümmert sich um die musikalischen Anlagen, die Stadt um die Verpflegungsstände und Rechtliches, der Festwirt (der früher fast allein organisierte), ist jetzt "nur" noch für Ausschank, Bars und DJs zuständig.