"Das sagt jeder, wenn er es zum ersten Mal hört", stellt Jockel Müller mit einem Lächeln fest. Gerade hat er ein rund 100 Jahre altes Grammophon in Gang gesetzt und auf diese Reaktion gewartet: "Oh, das klingt aber erstaunlich gut!" Wie gut so ein altes Gerät klingen kann, will der begeisterte Sammler nun Interessierten zeigen. Er lädt zum Konzert.
Platz dafür hat er. Jockel Müller ist der Wirt des "Bräustüble" in Meschenbach. Der Brauereisaal bietet das geeignete Ambiente, um einen Abend lang Schellackplatten aufzulegen. Morgen, Mittwoch, soll das stattfinden, und das hat seinen Grund: "Es ist der Geburtstag von Zarah Leander", erklärt Müller. Am 15. März 1907 wurde die Sängerin mit der außergewöhnlichen Altstimme im schwedischen Karlstad geboren.
Mit Liedern wie "Kann denn Liebe Sünde sein?", "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n" oder "Bei mir bist du schön" wurde sie in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in Deutschland zum Star. Sie spielte in zahlreichen Filmen wie etwa "La Habanera", "Die große Liebe" oder "Das Herz der Königin" und stand in Operetten und Musicals auf der Bühne so etwa in "Die lustige Witwe", "Axel an der Himmelstür" oder "Eine Frau, die weiß was sie will".


Reichliche Auswahl

Unzählige ihrer Lieder wurden auf Schellackplatten konserviert. "So 30 bis 40 Stück davon habe ich", sagt Jockel Müller. Einige davon werden beim Konzertabend im Brauereisaal zu hören sein. Alle Platten, die der Sammler bis heute zusammengetragen hat, kann er an einem Abend nicht vorführen. "Es sind ungefähr 6000", sagt er und lächelt.
Wer Grammophone sammelt, stolpert nicht mehr jeden Tag über ein neues Objekt, schon gar nicht über ein interessantes. So hat denn jedes Stück in Jockel Müllers Sammlung sein eigene Geschichte, so wie etwa das Gerät, dass er einem anderen Sammler abkaufen konnte, der wieder ein besonders interessantes Stück in Aussicht hatte, dafür aber nicht genug Geld.


Geschichte der Tonaufzeichnung

Im zum Museum umfunktionierten Raum der einstigen Flaschenabfüllanlage der Meschenbacher Brauerei finden sich nicht nur die klassischen Grammophone mit Trichter. Jockel Müller führt einen Edison Walzenphonographen von 1896 vor. Ein Vorläufer. Ein anderes Gerät funktioniert schon mit einer Platte - aus Metall. Da wurden Noppen eingestanzt, die bei der Rotation abgetastet wurden, was klingt wie eine Spieluhr, nur länger.
Mal wurde der wenig dekorative Trichter einfach in den Unterbau der Musiktruhe versenkt, mal versuchten die Konstrukteure den Klang über eine Papiermembrane hörbar zu machen. Zum rein mechanischen Antrieb kam irgendwann das "duale System". Unterwegs wurde dieses Grammophon mit dem üblichen Federwerk angetrieben. Daheim konnte es an den Strom angeschlossen und per Elektromotor betrieben werden. "Dual" wurde ein recht bekannter Firmenname.
Ein anderes Grammophon zeigt schon den Gedanken der Musikbox. Der Deckel lässt sich nach Einwurf einer Münze öffnen. Der Gast kann die aufgelegte Platte abspielen. "Wenn es zu Ende war, ist der Wirt gekommen und hat den Deckel zugeklappt."
Eingeschränkten Service bot auch eine echte Musikbox aus den USA von 1934, die in der Sammlung steht. Sie sieht späteren Geräten schon sehr ähnlich. Wer eine Münze einlegte, konnte Musik hören. Aussuchen konnte er aber nicht. Alle im Geräte gestapelten Platten konnten nur nacheinander abgespielt werden.
Wenn Jockel Müller morgen auflegt, dann trifft er die Musikauswahl. Die Gäste dürfen gespannt sein, denn Auswahl gibt es genug, bei dieser Geburtsagsfeier für Zarah Leander.
Sollte großes Interesse seitens der Gäste bestehen - nun, vielleicht lässt sich Jockel Müller ja überzeugen, am 23. Juni einen weiteren Konzertabend zu veranstalten. Das ist der Todestag von Zarah Leander. Sie starb 1981 in Stockholm.