Jugend hält den Markt auf Trab

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Im Markt Burkardroth ist die Jugend selbstständig unterwegs. Foto: Archiv/Kathrin Kupka-Hahn
Im Markt Burkardroth ist die Jugend selbstständig unterwegs.  Foto: Archiv/Kathrin Kupka-Hahn

Arbeit mit jungen Menschen ist facettenreich. Das zeigte die Jugendpflegerin Ina Hiller bei der jüngsten Gemeinderatssitzung des Marktes Burkardroth. In einem Vortrag ging sie auf die momentane Situation ein.

Johannes Schlereth Der Markt Burkardroth hält sich jung. Das zeigt sowohl der Zuzug junger Familien, aber auch das Engagement der Kommune um die örtliche Jugend. Bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates sprach Gemeindejugendpflegerin Ina Hiller über den Personalmangel bei der Jugendarbeit und berichtete aus ihrem Arbeitsalltag.

Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) betonte: "Das ist mehr, als nur einmal bei den Multifunktions-Spielflächen vorbeizuschauen." Hiller ist in verschiedenen Arbeitsfeldern tätig. Darunter beispielsweise die Jugendbeteiligung. Im Markt Burkardroth wurden zwei U18-Wahlen abgehalten, um politisches Interesse zu wecken. Außerdem beteiligte sich die Jugend beim diesjährigen Frühjahrsmarkt, der unter dem Motto "Burkardrother Grillspecktakel" stattfand. Hiller sagt rückblickend: "Die Jugendlichen haben passend zum Thema Stockbrot und Marshmallows gemacht." Dabei legten sie große Selbstständigkeit an den Tag. "Die etwa 14 Jugendlichen haben sich ihre Schichten selbst eingeteilt." Helfen bei Festen wolle die Jugend des Marktes weiterhin, wie Hiller versicherte.

Die Gewissheit zieht sie aus ihrer Netzwerkarbeit und der Kontaktpflege. Dafür setzt Hiller unter anderem auf moderne Technik: "Ich halte den Kontakt zu den Jugendlichen auch über Whatsapp. Das klappt sehr gut." Mit dem Messengerdienst erreiche sie vom Viertklässler bis zum jungen Erwachsenen fast jede Altersgruppe. Außerdem bietet Hiller regelmäßige Sprechstunden im Rathaus an. In den Aufgabenbereich fallen auch die Teilnahme an Lenkungsgruppensitzungen der Allianz Kissinger Bogen und der Tag der Allianz in Oberthulba, bei dem sie den Verein Pro Jugend repräsentierte. Aber auch die Kontaktaufnahme zu Vereinen, Unternehmen oder Schulen ist Teil von Hillers Job.

Zielgruppe erweitern

Dadurch ergaben sich verschiedene Freizeitangebote für die Jugendlichen. Beliebt bei der Jugend des Marktes war beispielsweise ein Harry Potter-Projekt im März. Dafür arbeitete Hiller mit der Bücherei und der Schreinerei Elmar Brehm zusammen. Außerdem beteiligte sich die Jugendpflegerin am Ferienprogramm der Kommune. Bei einem Ausflug in den Hochseilgarten unterstützte die Feuerwehr sie mit einem Fahrservice.

In Premich machte der KiKiBu - der Kissinger Kinderbus des Vereins "Pro Jugend im Landkreis Bad Kissingen" - zwei Mal Halt. Derzeit arbeiten die Verantwortlichen daran, den KiKiBu auch für ältere Jugendliche interessant zu machen. Ideen die diesbezüglich kursieren sind beispielsweise Jugendlichen das Skaten beizubringen oder Bänke aus Paletten zu bauen. Die Öffentlichkeit über solche Aktionen zu informieren, ist ebenfalls Teil von Hillers Aufgaben. Im kommenden Jahr sollen auch Projekte in anderen Ortsteilen stattfinden. Eine Hürde, der sich Hiller stellen musste, war das Auffangen der Aufgaben von Angelika Martin. Die Jugendpflegerin arbeitet nicht mehr im Markt Burkardroth. Hiller ist somit allein in der kommunalen Jugendarbeit im Markt Burkardroth tätig. Die Übernahme und das Fortführen der Jugendarbeit sei ihr laut dem Burkardrother Rathauschef gelungen. Entspannung für die Jugendpflegerin scheint in Sicht zu sein. Demnächst würden Bewerber hospitieren. "Es soll sich eine langfristige Zusammenarbeit ergeben." Die Teamfähigkeit sei daher äußerst wichtig. Eine Aufgabe der Zukunft wäre beispielsweise der neue Aufbau der Jugendgruppe in Stangenroth. Durch den Weggang von Angelika Martin habe sich die Gruppe teils aufgelöst, aber auch nach Burkardroth verlagert.

Fehlende Räumlichkeiten

Vor Probleme stellt die Jugendarbeiterin außerdem die Raumsituation. "Im Jugendraum Burkardroth hat nicht mehr jeder einen Sitzplatz, wenn viele da sind", teilte Hiller dem Gemeinderat mit. Das Gremium will die Räumlichkeit demnächst besichtigen. Besucht wird er laut Hiller von zwölf bis 15 Kindern. In Premich nutzen etwa zehn bis zwölf Jugendliche das Angebot.

Schwierig ist die Situation in den Ortsteilen Waldfenster und Oehrberg. Dort gibt es wegen fehlender Räumlichkeiten keinen Jugendraum. Versuche, über die Ortsschelle, die Vereine oder die Ortsreferenten eine Lösung zu finden scheiterten bislang. Ein Anliegen Hillers waren auch die privaten Bauwägen und die Vermietung von Räumlichkeiten durch Vereine. Dabei sei es zu Alkoholkonsum von - teilweise sehr jungen - Minderjährigen gekommen. Ein Gemeinderat betonte, dass solche Vorkommnisse in der Verantwortung des Mieters lägen, der stets ein Erwachsener ist. Hiller will mit den Vereinen über die Problematik sprechen. Bei den Bauwägen hat der Markt keine Handhabe, weil sie sich auf Privatgrund befinden. "Wir können nicht eingreifen, solange es keine Beschwerden gibt", sagte Gemeinderätin Silvia Metz. Ähnlich sah die Thematik der Bürgermeister. Der Zweite Bürgermeister Daniel Wehner (CSU) betonte: "Bei den Bauwägen handelt es sich nicht um ein Konkurrenzangebot für die kommunale Jugendarbeit." Die Bauwagenbesucher seien häufig ältere Jugendliche. "Die gehen da gezielt hin, weil sie dort unbeobachtet sein können."