A dvent, besinnliche Zeit, warmer Kerzenschimmer, liebliche Melodien, festliche Vorfreude. Aber dann die Realität: der letzte Parkplatz in der Innenstadt vo...
A dvent, besinnliche Zeit, warmer Kerzenschimmer, liebliche Melodien, festliche Vorfreude. Aber dann die Realität: der letzte Parkplatz in der Innenstadt vor der Nase weggeschnappt, der geplante Geschenkartikel gerade ausverkauft, schimpfendes Gedränge an der Kasse, ausgerechnet jetzt die Heizung defekt, und dazu der unverschämte Vorwurf von jemandem, der es gerade nötig hat. Was denn noch alles! Hektik pur. Die Nerven liegen blank. "Jetzt reicht's mir aber".
Verdorbener Advent? Aber nun mal ruhig tief ausatmen! Es reicht mir ja tatsächlich. Im Gegensatz zu Millionen auf dieser Erde, denen es überhaupt nicht reicht, weder zum Sattwerden noch zu einem Schlaf ohne Angst vor Todesgefahr, geht es den meisten von uns doch wirklich gut. Ein Blick in den gefüllten Kühlschrank oder in den überquellenden Kleiderschrank kann es uns zeigen. Wenn uns etwas mangelt, dann ist es Dankbarkeit und Zufriedenheit. Nein, nein, auch bei uns ist nicht alles gut. Auch in unserem Land gehen Kinder ohne Frühstück in die Schule, bangen Menschen um ihren Arbeitsplatz, warten alte Menschen vergeblich auf einen bezahlbaren Pflegeplatz.
Aber dann reicht es bei uns hoffentlich zu adventlicher Barmherzigkeit, zu einem offenen Herzen gegenüber der vielen Not, zu mehr Geduld und Zufriedenheit. Damit die Adventszeit ihren Namen verdient und Gottes Liebe nicht nur im Kerzenlicht konkreten Widerschein bekommt.
(Gotthart Preiser aus Haßfurt ist Regionalbischof a.D.).