Annika Erhardt und Theresa Will haben einen Rundruf in Motschenbach gestartet. 13 Männer und zehn Frauen haben sich zusammengefunden, um für den großen Auftritt am Sonntag, 26. Juni, zu proben. In diesem Jahr soll wieder eine "richtige Kerwa" gefeiert werden. Kaplan Norbert Förster freut sich riesig und hat den Jugendlichen Unterstützung zugesagt. Und er wagt mit Mesnerin Rosi Bergmann auch selbst ein Tänzchen, hat er zumindest versprochen.
"Bis vor 22 Jahren wurde bei uns Kerwa im Gasthaus gefeiert. Damals gab es noch eine Losbude, und eine Schiffschaukel wurde aufgestellt. Doch in den letzten Jahren war nichts mehr", klagt Annika Erhardt. "Jetzt wollen wir wieder eine richtige Kerwa", ergänzt Theresa Will.
Seit März feilen die Jugendlichen schon an ihrem Plan - und schnell stand fest, wo die Kerwa steigen soll: im alten Stall der Familie Erhardt, direkt unterhalb der Kirche. "Wir nutzen den alten Stall ja ohnehin für kirchliche Feste. Warum dann nicht auch zur Kerwa", sagt Annika Erhardt.
Am Samstagabend ab 19 Uhr soll die Kerwa steigen. Es gibt Bratwürste und Steaks der Hausmetzgerei Maternus Will aus Motschenbach. Dazu spielen Hofi & Hofi. Es wird eine Bar aufgebaut. "An der Bar gibt es den Katholiggenhammer" und den "Protestantenzauber", verrät Annika Erhardt und muss schmunzeln.
Absoluter Höhepunkt der Motschenbacher Kerwa soll der Sonntag werden. Die Kirchweihmesse ab 10.30 Uhr wird von Kaplan Norbert Förster und Florian Will, Kerwamitglied und Theologiestudent, gestaltet. Anschließend gibt es Mittagessen (nur auf Vorbestellung) und Livemusik. "Da wir die Kerwa in diesem Jahr zum ersten Mal planen, müssen alle, die bei der Kerwa ein Mittagessen wollen, vorbestellen", sagt Erhardt und hofft trotzdem auf gutes Gelingen. Nachmittags sorgen die Motschenbacher bei Kaffee und Kuchen für Gemütlichkeit.
Besonders aufgeregt sind die Jugendlichen allerdings wegen ihres "Kerwatanzes". Am Sonntag um 13.30 Uhr soll er stattfinden. Während die jungen Frauen bei den Proben noch ihre bedruckten Kerwa-T-Shirts tragen, wollen sie zum Kerwasonntag ihre schönsten Dirndl anziehen. Und die jungen Burschen werden Krawatten, passend zu den Dirndln ihrer Tanzpartnerin, tragen. "Ich mache jedenfalls mit, das ist selbstverständlich. Wir haben schon oft daran gedacht, die Kerwa wiederzubeleben und nie kam was zustande. Jetzt schon", ist auch Tobias Goppert (23) ganz begeistert. Und dass einige Jungs rosafarbene Krawatten tragen werden, nehmen alle gelassen. Hauptsache die Tanzschritte sitzen. Deshalb wird vorher auch fleißig geprobt.
"Ich finde es richtig toll, dass die Jugendlichen die Kirchweih wiederbeleben möchten. Denn das ist ja auch ein Beweis, dass der Glaube hier in Motschenbach noch sehr lebendig ist. Ich kann das nur unterstützen", sagt Kaplan Norbert Förster. Tatsächlich hat der Kaplan die Initiative von Anfang an unterstützt. "Ich habe per WhatsApp rumgefragt, wer Lust hat, mitzumachen. Und ich habe mich sehr gefreut, dass die Jugend sofort Feuer und Flamme war", lobt Förster die Kirchweihjugend um Annika Erhardt und Theresa Will. Theresa Will ist mit 21 Jahren übrigens schon Vorsitzende der Pfarrgemeinderates in St. Maternus Motschenbach. Auch das sei höchst anerkennenswert, betont Förster. "Das Weltliche gehört zur Kirche auch dazu - und eine Kirchweih darf gefeiert werden. Das ist wichtig", sagt der Kaplan.
"Wir wollen mit unserer traditionellen Kerwa die Dorfgemeinschaft wieder stärken", wünscht sich indes Annika Erhardt und die Kerwajugend stimmt mit großem Hallo zu.