"Die aktuelle Situation ist für uns verheerend", sagt Steffen Knapp, Bereichsleiter Vertrieb bei Schmetterling International in Geschwand. Weiter erklärt er: "Wir sind ja ein Komplett-Dienstleister für Reisebüros in ganz Europa und stellen ihnen auch Softwarelösungen zur Verfügung. Deshalb leben wir davon, dass die Reisebüros Reisen verkaufen."

Doch aufgrund der aktuellen Krise ist das nicht möglich. Schmetterling International hat mit etwa 4000 Reisebüros in Europa Kooperationen. "Im Augenblick sitzen wir alle ein einem Boot", meint Knapp und erläutert, dass nicht nur die Reisebüros, sondern auch Veranstalter, Fluggesellschaften oder Hotels unter der Krise leiden. "In der Gastronomie kann man vielleicht einen Lieferservice anbieten, aber unsere Geschäftsgrundlage ist im Moment nicht vorhanden. Wir wissen auch nicht, wie es nach Corona weitergehen wird", erklärt Knapp.

Provisionen fließen wieder zurück

Ein Problem seien besonders die Stornierungen, denn dann müssen die Reisebüros ihre Provisionen zurückzahlen. "Das ist deren Verdienst. Die Marge ist eh nicht groß. Da haben sie beraten und gebucht, also etwas geleistet, und müssen den Verdienst zurückzahlen. Jede stornierte Reise bringt uns dem Tod ein Stück näher."

Eines dieser Schmetterling-Reisebüros ist "Sandras Reisecenter" in Hallstatt. Inhaberin ist Sandra Kirsch: "Wir sind verzweifelt. Die Buchungen für April waren im letzten Jahr so gut angelaufen. Jetzt musste ich fast 40 Buchungen stornieren." Das bedeutet für sie, dass sie dafür Provisionen zurückzahlen muss. "Ich liebe diese Arbeit und nehme mir gern Zeit für meine Kunden. Aber gerade mache ich das für null Euro", sagt sie.

Das Reisebüro ist wohl geschlossen, aber sie ist trotzdem telefonisch erreichbar, um Fragen zu beantworten. Ihre Angestellten musste sie in Kurzarbeit schicken. Sie versucht zu sparen, wo es nur geht. Sie selbst wollte in dieser Woche nach Mallorca fliegen. "Aber das darf ich ja nicht. Dann noch das Schließen des Büros, das empfand ich zuerst alles als eine Art Entmachtung", gesteht Sandra Kirsch und hofft, dass es doch bald besser gehen wird.

Auch Metin Karabag vom "Reisebüro Karabag" in Forchheim muss sich mit Stornierungen auseinandersetzen. Sein Reisebüro ist seit dem 17. März geschlossen. Vorteil ist, dass es sich um einen Familienbetrieb handelt, doch es ist auch ein Nachteil, denn die Existenz der Familie steht damit auf dem Spiel. "Wir nehmen nichts ein, haben aber fixe Ausgaben wie zum Beispiel Miete", erklärt Karabag. Auch hier sind das Problem die Stornierungen.

"Es gibt ja in Berlin das Corona-Kabinett. Hier wurde zugestimmt, dass Verbraucher erst einmal Gutscheine erhalten. Wir hoffen, dass die EU-Kommission in Brüssel das absegnet", erklärt Anya Müller-Eckert, Geschäftsführerin von Schmetterling International. Ihr ist wichtig, die Reisebüros so gut wie möglich zu unterstützen, deshalb bietet das Unternehmen im Internet Informationen für die Reisebüros, aber auch für deren Kunden an.

In Kurzarbeit

Zu den Gutscheinen erklärt sie, dass diese bis Ende 2021 gelten sollen. Wenn der Gutschein nicht eingelöst werden kann, soll er Anfang 2022 erstattet werden. "Es ist auch eine Härtefallregelung vorgesehen. Wenn jemand das Geld sofort braucht", informiert Anya Müller-Eckert. Denn viele Menschen sind von Kurzarbeit betroffen. Das ist auch ein Thema bei Schmetterling International: "Dass sich das Blatt von einem Tag auf den anderen wendet und so das Lebenswerk meines Vaters, unserer Familie sowie die Existenz meiner Mitarbeiter und Partner gefährdet, ist eine noch nie dagewesene Katastrophe."

Sie erzählt, dass ihre Mitarbeiter und sie bereits an sämtlichen Stellschrauben drehen. "Trotz aller Maßnahmen sind wir seit Mitte März in Kurzarbeit, damit wir so wenig betriebsbedingte Kündigungen wie möglich vornehmen müssen." Mit der restlichen Mannschaft arbeitet sie bereits an Marketing- und Online-Maßnahmen, damit es nach der Krise weitergeht. Doch wann die Menschen wieder verreisen können und wollen, ist heute noch nicht abzusehen.