veronika schadeck

Es ist ein Novum in der Geschichte des Pfarrverbunds Rennsteig, dass ein indischer Erzbischof zu Gast ist. Josef Perumthottom aus dem südindischen Bundesstaat Kerala wird am Sonntag, 22. Mai, um 16 Uhr den Festgottesdienst in der Nikolauskirche in Windheim nach syro-malabarischen Ritus zelebrieren. Indische Nonnen werden anschließend mit typischen indischen Gerichten die Bevölkerung in der Schulturnhalle erfreuen.


Namaste als Gruß

Eine gewisse Aufregung kann Pfarrer Cyriac Chittukalam, der mittlerweile seit 18 Monaten den Pfarrverbund Rennsteig betreut, nicht verbergen, wenn er vom bevorstehenden indischen Wochenende spricht. Er ist eigentlich die Hauptperson bei dieser Veranstaltung. In seinem einstigen deutschen Wirkungsort, in Neunkirchen am Brand habe er zwar einmal einen indischen Gottesdienst zelebriert, aber ein ganzes Wochenende? Das sei auch für ihn Neuland.
Bereits am Samstagabend gibt es im Buchbacher Kulturhaus viel Wissenswertes über Indien. Nicht mit "Grüß Gott", sondern mit "Namaste" wird der Pfarrer seine Besucher begrüßen. Das bedeutet etwa: "Ich grüße das göttliche Licht in deinem Herzen." Namaste ist die bekannteste und am häufigsten gebrauchte hinduistische Grußform.


Infos über Land und Region

Cyriac Chittukalam will mit seinem Vortrag über sein Heimatland Sachinformationen geben. Er wird einen Einblick über das große Land mit den 29 Bundesstaaten und sieben Unionsterritorien mit unterschiedlichen Religionen, Menschen und Lebensweisen geben. Er wird davon sprechen, dass es 18 amtliche Sprachen und mehr als 1000 Dialekte gibt. Natürlich wird in seinen Ausführungen auch Mahatma Gandhi, der Vater der indischen Unabhängigkeit, zur Sprache kommen.


Syrisch-malabarischer Ritus

Weitere Informationen gibt es über das Klima, die Landwirtschaft, Touristenorte, über Tiere, Künste und Feste. Cyriac Chittukalam wird auf das Kastensystem, die "heilige Kuh", Buddhismus, Moslems, Hinduismus, Jainismus, Sikhismus und auf das Christentum in Indien eingehen. Erwähnt wird zudem die syro-malabarische Kirche in seiner Heimat Kerala (früher Malabar). Es ist die Heimat der Thomas-Christen. Die Kirche in Malabar hatte schon sehr früh enge Beziehungen zu der syrischen Kirche das Nahen Ostens und übernahm auch die dort entstandene Liturgie in der syrischen Sprache. Diese "Syro-Malabarische Liturgie" wird auch am Sonntag im Festgottesdienst zum Ausdruck kommen. Der Gottesdienst wird in zwei Teilen, nämlich mit jeweils einem Teil des Wortes und des Brotes gehalten. Es wird eine Liturgie mit vielen Liedern sein, verspricht Cyriac. Der Pfarrer und auch der Erzbischof werden überwiegend in ihrer Muttersprache beten, für die Gläubigen liegen Übersetzungen aus. Die indischen Schwestern werden indische Lieder singen.
Nach dem Gottesdienst gibt es in der Schulturnhalle einen Empfang. Hier können die Besucher miteinander ins Gespräch kommen, oder indische Köstlichkeiten probieren. Die indischen Schwestern werden sich mächtig ins Zeug legen. Gekocht wird zuvor in der Küche von Michis Partyservice. Ein immenser Aufwand, den die Mitglieder des Pfarrgemeinderates und der Kirchenverwaltung des Pfarrverbunds Rennsteig, zusammen mit ihrem Pfarrer betreiben. Aber "es ist keine Arbeit, es ist ein etwas anderes Fest!", so die Pfarrgemeinderatsvorsitzende aus Hirschfeld, Loretta Herrmann. Während der Pfarrer bangt: "Wieviel Leute werden denn kommen - kommen überhaupt welche?", ist Loretta Hermann überzeugt: "Das indische Wochenende wird Neugierde wecken!"
Bei der Frage, warum denn der ganze Aufwand, erklärt Cyriac Chittukalam. Es geht zum einen um Informationen, darum, Verständnis völkerübergreifend zu entwickeln: "Glaube verbindet!" Und Loretta Herrmann ergänzt: "Wir wollen zeigen, dass Fremde bei uns willkommen sind, dass wir gegenüber anderen Kulturen offen sind!" Pfarrer Cyriac Chittukalam ist seit fünf Jahren in Deutschland. Seine Heimaterzdiözese pflegt seit 27 Jahren eine Kooperation mit dem Erzbistum Bamberg. Insgesamt sind zwölf indische Priester im Erzbistum an verschiedenen Pfarreien tätig. Die größte Schwierigkeit sei die Sprache gewesen und so war es auch für ihn, als er im Herbst 2014 in die Rennsteig-Region geschickt wurde. "Ich wurde gut aufgenommen, aber ich musste mich an das Wetter und an den Dialekt gewöhnen!"


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