Für Algen gibt es aufgrund ihrer Inhaltsstoffe vielfältige Verwendungsmöglichkeiten als Nahrungsmittel, in der Medizin, in kosmetischen Produkten oder in der Landwirtschaft. In Kleinwei-sach, einem Ortsteil der Gemeinde Vestenbergsgreuth, sollen Mikroalgen bald kontrolliert gezüchtet werden.
Bereits seit einigen Jahren ist in der Gemeinde eine Anlage zur Mikroalgenkultivierung im Gespräch. Jetzt geht es mit diesem Pilotprojekt nach den Worten von Bürgermeister Helmut Lottes (CSU/UB) "in die konkrete Phase". Wie im Juli 2016 beschlossen, weist die Gemeinde in Kleinweisach ein "Sondergebiet Mikroalgenkultivierung" aus.
Dafür war zunächst die Änderung des Flächennutzungsplans samt einer Verschiebung der Grenze des Naturparks notwendig. Die Änderung des Flächennutzungsplans sei bereits abgeschlossen, berichtete Landschaftsplaner Frieder Müller-Maatsch aus Burghaslach. Er stellte den Entwurf des Bebauungsplans in der Gemeinderatssitzung am Montag vor. Am Ende wurde die Bauleitplanung einstimmig gebilligt. Mit Ausnahme von Drittem Bürgermeister Alfred Winkler (WG Oberer Weisachgrund), der auf dem nördlich angrenzenden Areal eine Biogasanlage und Geflügelzucht betreibt. Da er mit Flächen an der geplanten Erschließungsstraße beteiligt ist, enthielt sich Winkler als "betroffen" von der Abstimmung.


Drei Hallen, ein Nebengebäude

Drei Hallen, jeweils 30 mal 75 Meter groß, sind in dem Sondergebiet vorgesehen. Dazu ein zweigeschossiges Nebengebäude für Verwaltung und Lager. Im Verwaltungsgebäude dürfen jedoch keine Betriebsleiterwohnungen untergebracht werden. Wie Müller-Maatsch erläuterte, werden die eingeschossigen Betriebsgebäude "gestaffelt" in den Hang hinein gebaut, um sie gut in die Landschaft einzubinden. Die gesamte Mikroalgenzucht erfolge in einem "eingehausten System" ohne Tageslicht, bei künstlicher Beleuchtung. Die Hallendächer sollen mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden.
Für das Abwasser sei ein eigener Anschluss an die gemeindliche Abwasserdruckleitung geplant. Die Behälter selbst seien ein Kreislaufsystem, in dem das Wasser immer wieder verwendet werde, erklärte Lottes. Das Oberflächenwasser soll nach der Planung in die Kleine Weisach als Vorfluter geleitet werden. Dazu sei noch ein eigenständiges Wasserrechtsverfahren notwendig, erklärte der Landschaftsplaner.
Die verkehrsmäßige Erschließung erfolge von der Kreisstraße ERH 18. Gemeinderat Friedrich Brehm (SPD) äußerte Bedenken, eine fünf Meter breite Straße sei zu schmal. Dies soll nun vom Planer noch einmal geprüft werden. Die Straße werde nicht nach der Straßenausbaubei-tragssatzung der Gemeinde, sondern über eine Erschließungsvereinbarung zwischen der Gemeinde, der Firma Mikral AG als dem Vorhabensträger und der Firma Winkler ausgebaut und abgerechnet. Über die Vereinbarung werden auch die notwendigen Flächenabtretungen geregelt. In das bestehende Biotop an der Kreisstraße werde nicht eingegriffen. "Es wird keine Hecke verschwinden und kein Baum gefällt", betonte der Planer.
In der anschließenden Diskussion wurde die Frage nach Regenrückhaltebecken aufgeworfen. Er gehe davon aus, dass eine entsprechende Aussage im Wasserrechtsverfahren getroffen werde, antwortete Müller-Maatsch.
Noch ist nicht entschieden, woher die Ausgleichsflächen für das Sondergebiet genommen werden. "Flächen finden wir auf jeden Fall, wir müssen aber erst darüber beraten", betonte der Bürgermeister. "Was wird mit den Hallen, wenn das Projekt schiefgeht?", wollte Alfred Winkler wissen. Dann habe die Gemeinde in der Hand, was damit passiere. Über eine Änderung des Bebauungsplans könne sie das steuern.
Bürgermeister Lottes geht im Übrigen davon aus, dass durch die Mikroalgenanlage zehn bis 15 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Als nächster Verfahrensschritt folgt nun die erste öffentliche Auslegung des Entwurfs.