Auf die Bedeutung von Gemeinschaft und Heimat wies Bezirkstagspräsident Henry Schramm beim Richtfest für das neue Gemeinschafts- und Ärztehaus in Marktleugast hin. Im Ortsteil Hohenberg geboren, erinnerte er sich noch genau an Einzelheiten aus seiner Kindheit und an gemeinsame Veranstaltungen, die ihn bis heute begleiten würden. Für die Erfahrung von Gemeinschaft brauche es aber auch einen Ort. Dazu werde das neue Haus seinen Zweck erfüllen, genau wie es mit einer integrierten Arztpraxis den Bürgern in gesundheitlicher Sicht Sicherheit gebe.

Insofern, so Schramm, sei der Neubau an der Stelle des ehemaligen Petzold-Hauses genau die richtige Investition der Kommune für ihre Bürger.

Die Idee für ein Bürgerbegegnungszentrum sei erst schrittweise entstanden, blickte Bürgermeister Franz Uome zurück. "Alles begann 2015 in einem Gespräch mit unserem Allgemeinarzt Josef Schmidt", erinnerte Uome. Dieser habe ihn darauf aufmerksam gemacht, dass er sich in drei bis vier Jahren zur Ruhe setzen wolle und dass ihm daran gelegen sei, dass die Arztstelle nicht verloren geht, man sich also um Praxisräume außerhalb seines Privathauses kümmern müsse.

"Das war eine ernste Situation, die mir Kopfschmerzen bereitet hat", sagte Uome. 2016 spielte dann aber das Schicksal der Gemeinde in die Hände. Die mittlerweile in Roth ansässige Familie Pezold hatte der Gemeinde ihr Haus zur Schenkung angeboten. "Wir haben nicht gezögert und gleich zugelangt."

Dies sei der Moment des Anstoßes für das Projekt Ärztehaus gewesen. 2017 habe man dies bei der Regierung für die Förderoffensive Nordostbayern angemeldet. Geplant war Uome zufolge zunächst ein Umbau mit Sanierung für 950 000 Euro. Aufgrund des schlechten Zustands musste die Immobilie aber abgerissen werden. Nach intensiven Gesprächen mit den beiden Ärztinnen Natascha von Schau und Karola Klein, dem Landesamt für Gesundheit und diversen Politikern sei dann das Projekt Bürgerbegegnungszentrum entstanden, das am Ende mindestens 2,9 Millionen Euro kosten wird. Davon beläuft sich der Eigenanteil von Marktleugast auf 730 000 Euro.

Das Begegnungszentrum soll "ein Ort der Bildung und des Feierns, ein Ort im Herzen unseres Marktes werden", befand der Bürgermeister. Zudem werde mit der Praxis die ärztliche Versorgung im Oberland gesichert.

Segensreiche Förderoffensive

Die Gesamtnutzfläche beträgt 680 Quadratmeter. Im Obergeschoss befinden sich Vereinszimmer, Jugend- und Seniorenraum und eine kleine Küche. Im Erdgeschoss werden 250 Quadratmeter an die Arztpraxis vermietet, so dass sich der Kostenanteil der Kommune über die Jahre amortisieren wird. Das Gebäude soll im Juli oder August nächsten Jahres fertig sein.

Die Umplanung war laut Landrat Klaus Peter Söllner eine richtige Entscheidung für die Weiterentwicklung der Gemeinde. Dabei lobte er die Marktgemeinde für ihre Initiative und den Bezirk für die Zusammenarbeit. Überhaupt, so Söllner, sei die Förderoffensive, durch die bislang 60 Millionen Euro in den Landkreis Kulmbach geflossen seien, "ein Segen für die Region". Der Bezirk habe auch deshalb unkompliziert in Marktleugast mitgewirkt, "weil man hier fertige Konzepte in der Schublade hatte".

Dazu betonte Michael Mohnkorn, im Bezirk zuständig für Städtebau, dass bei der Zusammenarbeit mit den Kommunen "nicht gemauschelt und manipuliert wird". Marktleugast habe mit seinem Ortsentwicklungskonzept und bei seinen Projekten immer "einen Fuß in der Tür". Mit dem Begegnungszentrum und der Arztpraxis habe man etwas Sinnvolles gestaltet und sei dabei aber nicht übers Ziel hinausgeschossen.