Die Kulmbacher Klimaschutzmanagerin Ingrid Flieger will in der Fastenzeit mit gutem Beispiel vorangehen. Sie beteiligt sich auf ihre ganz eigene Weise an der CO2-Challenge der Metropolregion Nürnberg. Wir haben uns mit ihr unterhalten.

Sie sind ein bekennender Faschingsfan. Aber nach den tollen Tagen ist Schluss mit lustig. Was haben Sie dieses Jahr gemacht, die tollen Tage konnten ja gar nicht stattfinden?

Ingrid Flieger: Es ist mir wirklich schwer gefallen, mich in diesem Jahr zu motivieren. Denn den Fasching, in dem ich normalerweise immer unterwegs bin, gab es ja nicht. Dann kommen noch die ganzen Corona-Beschränkungen dazu. Ich muss wirklich sagen, dass ich mir überlegt habe, ob ich wirklich in der Fastenzeit noch mehr Entbehrungen verkraften kann.

Und dann?

Ja, dann habe ich TV-Reportagen gesehen. Es ging in den Berichten um Kinderarbeit in Afrika. Die Kinder schuften, um zu überleben. Der Bericht handelte von der Dürre, die auf die Welt zukommt und die durch den Klimawandel immer bedrohlicher und schlimmer wird. Man versucht, die Wüste zu begrenzen, indem man ein grünes Band pflanzt. Das hat mich so sehr berührt, dass ich mich entschieden habe, auch in diesem Jahr zu fasten.

Was machen Sie?

Ich möchte meine eigene CO2-Bilanz und die CO2-Bilanz in unserem Haushalt verbessern. Das Motto meiner Aktion in den nächsten Wochen ist: "Licht aus im Haus."

Das heißt, Familie Flieger sitzt 40 Tage im Dunkeln?

Nein, natürlich nicht (lacht). Aber ich möchte mich auf die Suche nach Energiefressern machen. Schauen wir uns mal um. Da hinten ist schon so ein Fall. Da steckt das Handyladekabel - und kein Handy hängt dran. Da ist der Fernseher auf Standby und niemand schaut jetzt. Alle sind außer Haus. Das muss wirklich nicht sein. Auf solche Kleinigkeiten möchte ich mehr achten.

Macht denn die Familie auch mit?

Ja. So etwas geht nur, wenn alle zusammenhelfen. Mein Sohn hat sich eine Steckdose gekauft, in der jeder Stecker einzeln abgeschaltet werden kann. Das finde ich wirklich gut. Sehr praktisch - ich habe mich sehr darüber gefreut. Bei solchen Dingen merke ich, dass ein bisschen etwas von dem, was ich mit der Fastenchallenge erreichen möchte, schon angekommen ist.

Was sind die größten Probleme im privaten Haushalt der Klimaschützerin?

Konsum ist bei mir nicht so schlimm. Ich bin eher jemand, der eine klassische Mode mag. Ich kann Kleidungsstücke auch mehrere Sommer oder Winter anziehen und muss mich nicht immer neu ausstatten. Aber bei uns geht es darum, den Energieverbrauch und die Ernährung zu hinterfragen.

Was kommt denn am Aschermittwoch auf den Tisch?

Ich fange gleich mit einer vegetarischen Lasagne an. Ich möchte in der Fastenzeit öfters mal auf Fleisch verzichten. Denn Fleisch und Wurst belasten die CO2-Bilanz natürlich und schlagen ganz schön zu Buche. Aber ich mag halt gerne mal eine Brotzeit. Ganz darauf möchte ich nicht verzichten. Ich habe das schon mal bei einer Fastenchallenge probiert, aber das möchte ich in diesem Jahr nicht. Heute früh gab es keine Butter. Und auch Käse wird reduziert während der nächsten Wochen.

Und die Mobilität. Das Thema E-Mobilität sorgt in Kulmbach ja gerade für Schlagzeilen?

Wir sind seit vier Jahren überzeugte E-Mobilisten und warten gerade auf unser neues E-Auto. Ich versuche aber in den nächsten Wochen, immer mal Fahrgemeinschaften zu bilden. Ziel ist es ja, weniger Autos auf die Straße zu bringen. Wenn es wärmer wird, dann fahre ich auch mit dem Rad zur Arbeit - mit dem E-Bike. Das sind drei Kilometer und das tut richtig gut. Die Strecke wäre auch noch so, dass man mal laufen kann. Aber das ist dann schon wieder nicht so praktisch und es wäre schwierig, dies jeden Tag umzusetzen.

Und die Heizung?

Es ist für uns keine Schwierigkeit, die Temperatur mal ein Grad runterzudrehen. Da wir alle am Tag außer Haus sind, sparen wir ohnehin. Wir haben außerdem eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und einen Speicher im Keller. Damit reduzieren wir unsere eigene CO2-Bilanz und sparen Strom.

Gibt es noch weiteres Potenzial?

Ja. Ich habe gern vor dem Fernseher gebügelt. Aber das ist energetisch natürlich nicht sinnvoll. Denn erstens habe ich, wenn ich nebenbei TV geschaut habe, länger zum Bügeln gebraucht, zweitens verbrauchte ich doppelt so viel Strom. Deshalb konzentriere ich mich jetzt aufs Bügeln. Fertig. Das geht genauso.

Die Fastenchallenge hat ja jeden Tag ein anderes Motto. Machen Sie alles mit?

Ich versuche es. Aber manche Herausforderungen sind bei uns einfach viel schwieriger zu realisieren als beispielsweise im Umfeld der Metropolregion Nürnberg. Das fängt schon mit dem öffentlichen Nahverkehr an. Und eine Herausforderung, ich weiß natürlich nicht, ob sie kommt, schaffe ich nie: Verzicht aufs Smartphone - das funktioniert einfach nicht.

Nützt denn diese ganze Aktion etwas. Eigentlich ist das doch nur ein Nichts in Bezug auf den Gesamt-Energieverbrauch?

Natürlich. Nur, weil ich meinen eigenen Energiekonsum hinterfrage und meine elektronischen Geräte abschalte, rette ich natürlich nicht die Welt. Aber wenn viele mitmachen, bewirkt es ein bisschen etwas. Außerdem soll die Aktion ja ein Umdenken fördern. Man soll selbst über sich und sein Leben nachdenken. Und das passiert durch die Aktion mit Sicherheit.

Nach welchem Leitsatz leben Sie?

Für mich ist das Wichtigste: bio - fair - regional. Ich bin richtig stolz, dass unser Landkreis zertifiziert ist. Und ich finde es auch toll, dass viele Menschen sowie der Einzelhandel und die Gastronomie mitmachen.

Das Gespräch führte Sonny Adam.