Zum Bericht "Eine einmalige Chance" (Bayerische Rundschau vom 13. Januar) erreichte uns folgende Zuschrift:

"... ein Wettbewerb zur Neugestaltung mit Bürgerbeteiligung in Rothwind und Fassoldshof"; "... loslegen und die Zukunft unserer Heimat retten"; "... sie fühlt sich schuldig und will attraktiv entwickeln" - ich bin wohl nicht der einzige, der sich die Augen gerieben hat.

Nach dem Durchboxen der Umgehung im Hauruckverfahren erkennt nun wohl auch der Mainleuser Gemeinderat, was seine Politik des "gefallen wollens" angerichtet hat: zerstrittene Nachbardörfer und Nachbarschaften, verzweifelte Anwohner, kopfschüttelnde Bürger, die ihre Heimat und das obere Maintal lieben, bewahren wollen und seit Generationen prägen, Neuplanung mit exorbitanten, weiteren Kosten und als größter Verlierer - unsere Flora und Fauna, die keine Leserbriefe schreibt, sich womöglich aber auf andere Weise zurückmeldet.

Ein Großteil der Mainleuser Gemeinderäte hätte gut daran getan, sich vor der hastigen Entscheidung persönlich ein Bild zu machen und sich mit der Thematik und ihrer Tragweite zu befassen. Man hätte vorher mit den Betroffenen reden können. Man hätte vorher über ihre Argumente, Vorschläge und die Bürgersorgen nachdenken und sie ernst nehmen können, sich die Unterschriftenliste ansehen und bemerken können, dass fast alle Grundstücksbesitzer gegen die Umgehung sind.

Das fragwürdige Vorpreschen unseres CSU-Bürgermeisters Robert Bosch in der Bayerischen Rundschau unmittelbar vor der Gemeinderatsentscheidung könnte als Manipulation und billiges Taktieren ausgelegt werden. Wäre der Mainleuser Gemeinderat nicht sorglos gefolgt, hätte man sich womöglich die Brückenumplanung mit all ihren kostspieligen Folgen und den neuerlichen Versuch, bei "Mein Dorf soll schöner werden" zu gewinnen, sparen können. Warum zum jetzigen Zeitpunkt plötzlich Bürgerbeteiligung angeboten wird, durchschaut jedes Kind.

Fassoldshof und Rothwind erfreuen sich aktiver, engagierter Dorfbewohner, die ihre Heimatorte ideenreich beleben, Traditionen pflegen und ein charaktervolles Dorfbild schufen und erhalten. Wir sind zum Glück noch keine Schlafsiedlung. Für diese Vielfalt arbeiten viele von uns tagtäglich und hart. Unsere Bedenken und Sichtweisen kommentarlos zu übergehen, zieht das nach sich, was es jetzt nach sich zieht. Und wir sind erst noch am Anfang.

Kommunalpolitik ist nicht für sich selbst da.

Politisches Gebaren, das ein eindeutiges Unterschriftenvotum und jedwede Argumentation der betroffenen Grundstücksbesitzer und Landwirte bewusst ignorierte, hat nunmehr allen Grund, Bürgernähe, gute Botschaften und Mitbestimmung medienwirksam zu demonstrieren.

Die nächste Kommunalwahl kommt bestimmt. Hoffentlich danken es dann wenigstens die Bundestags-CSUler an den richtigen Stellen.

Matthias Stenglein

Rothwind