Wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung stand ein 65-jähriger Kulmbacher am Freitag vor dem Amtsgericht. Den Angeklagten und den 57- jährigen Geschädigten verbindet eine Vergangenheit. Jahre lang haben sie nebeneinander gewohnt. Seit März lebt der 65-Jährige wo anders. Der Grund: er sei von seinem Nachbarn ständig schikaniert worden. Dauernd sei die Polizei bei ihm im Haus gewesen, wegen anhaltlosen Beschuldigungen des 57-Jährigen. Dieser weist die Beschuldigungen entschieden von sich.


Der Tathergang

"Ich war an der Kieswäsch, am Badesee", berichtet der Angeklagte in Rage. "Dann kam mein ehemaliger Nachbar auf seinem Fahrrad und hat mich schon wieder belästigt. Ja, ich bin lauter geworden und habe ihn leicht mit einer Hand geschubst. Ich wollte nur, dass er mich in Ruhe lässt." Dabei habe er weder den Mann verletzt, noch dessen Fahrrad in irgendeiner Weise beschädigt. "Nach dem Schubs ist er gleich rumgesprungen und hat ,Körperverletzung!' geschrien. Er hat sofort nach Zeugen gesucht. Verletzt war er dabei sicherlich nicht."
Die Schilderung des Geschädigten ist um einiges ruhiger und sachlicher: "Ich habe ihn zufällig an der Kieswäsch gesehen und musste ihn dringend nach seiner neuen Adresse fragen. Dabei ging es um unsere gemeinsame Abwasserpumpe. Er hat seinen Teil noch nicht bezahlt. Irgendwie muss ich ihm schließlich die Rechnung zukommen lassen."
Eigentlich sollte es nur ein kurzes Gespräch werden, allerdings sei der Angeklagte sofort lauter und handgreiflich geworden. "Als ich vom Rad absteigen wollte, hat er mich mit beiden Händen fest gestoßen. Das Rad fiel dabei um - und ich habe mir durch den Schubs den Hals verzerrt."
Allgemein ist das Verhältnis zwischen den beiden ehemaligen Nachbarn seit dem Vorfall enorm angespannt. Bei der Polizeivernehmung soll der 65-Jährige eine Morddrohung ausgesprochen haben. Vor Gericht wiederholt er seine Drohung sogar noch einmal: "Ich habe immer ein Messer einstecken und ich werde das auch benutzen. Ich darf mir doch nicht alles gefallen lassen." Staatsanwalt Stefan Hoffmann zeigt sich geschockt: "Ist Ihnen eigentlich bewusst, was Sie da gerade sagen?"


55-Jährige als Zeugin

Die 55-jährige Zeugin bestätigt die Behauptung des Geschädigten. Sie war an dem Tag zusammen mit ihrem Enkel und ihrer Tochter am Badesee und hat die Männer beobachtet. Nach dem Stoß sei der Angeklagte sofort weggelaufen. Sie selbst sei gleich zu dem 57-Jährigen, um sich nach dessen Befinden zu erkundigen. "Ich bin Krankenschwester und wollte einfach wissen, ob ich helfen kann. Es hätte schließlich auch etwas Schlimmeres passiert sein können", erklärt sie vor Gericht. Staatsanwalt Stefan Hoffmann fasste zusammen: "Der Angeklagte war teilweise geständig und hat keinerlei Vorstrafen. Allerdings hat er sich sogar noch hier vor Gericht schrecklich verhalten, zeigte keinerlei Reue und hat seine Morddrohung bestätigt." Er fordert eine Geldstrafe von 1600 Euro.
Richterin Sieglinde Tettmann stimmt ihm dabei zu: "Der Angeklagte scheint nicht in der Lage, sich zusammenzureißen. Selbst vor der Polizei und auch hier vor Gericht hat er sich unangemessen benommen." Trotzdem fällt ihr Urteil etwas geringer aus - 1200 Euro Strafe.
"Ich werde keinen Cent zahlen. Sollen die mich doch einsperren", murrt der Angeklagte und verlässt wütend den Sitzungssaal.