Mit zwei überraschenden Bronzemedaillen bei den Deutschen Berglaufmeisterschaften in Breitungen setzten die Läufer des SV Bergdorf-Höhn ein Ausrufezeichen.

Damit hatte im Vorfeld keiner gerechnet: Daniel Götz, Andreas Krenz und Frank Elsner sicherten sich bei den Deutschen Berglaufmeisterschaften überraschend die Bronze-Medaille in der Männer-Mannschaftswertung. "Altmeister" Michael Wolter belegte in der Altersklasse M65 ebenfalls den ausgezeichneten dritten Platz.

Mit 13,2 Kilometern war die Strecke bei nationalen Titelkämpfen am Berg noch nie so lang wie am Plessberg in Breitungen in Thüringen. Dabei galt es 785 Höhenmeter bergauf und vier Kilometer bergab zu bewältigen. So manchen traditionell nur bergauf laufenden Bergläufer schreckte dies ab. Das Laufteam des SV Bergdorf-Höhn ließ sich davon aber nicht beeindrucken und mischte stattdessen im 256 Starter starken Feld mit.

Götz wählt neue Taktik

Daniel Götz, der beste Bergläufer in Reihen der Höhner, wählte bei diesen Meisterschaften eine für ihn eher ungewöhnliche Taktik. Er reihte sich im Kreise der Verfolger ein und ließ die Spitze ziehen. "In den vergangenen drei Wochen konnte ich wegen meines Umzugs und einer hartnäckigen Leistenverletzung nur eingeschränkt trainieren", begründete der 30-Jährige seine Marschroute.

Doch je länger das Rennen am Plessberg dauerte, desto stärker wurde Götz. Von Zwischenrang 13 kommend, sammelte er Läufer für Läufer ein. Am Ende arbeitete er sich in 59:06 Minuten völlig erschöpft noch auf den siebten Platz im Gesamteinlauf ein. Es war dies seine stärkste Einzelplatzierung bei einer Deutschen Meisterschaft seit seiner Bronzemedaille (U23) über 3000 Meter Hindernis im Jahr 2010. Deutscher Berglaufmeister wurde der Regensburger Simon Boch vor seinem Mannschaftskollegen Konstantin Wedel und dem Marathonläufer Marcel Bräutigam.

Während die Höhner Fans im Ziel fest mit Tom Heumann als Zweiten aus ihren Reihen warteten, musste dieser aufgrund einer Fußverletzung etwa auf der Hälfte der Strecke aufgeben und von Sanitätern zurück zum Start gebracht werden.

Andreas Krenz bemerkte nichts vom Ausfall seines Teamkollegen und zeigte ebenfalls ein beherztes Rennen. Die zwei bis zu 40 Prozent steilen Rampen absolvierte er mit Bravour. In 1:06:38 Stunden erklomm der Läufer aus Mengersgreuth-Hämmern das Hochplateau am Pless, rund drei Minuten später kam mit Frank Elsner der nächste Höhner ins Ziel. Der M50-Athlet hatte im Vorfeld mit einer Medaille in seiner Altersklasse gerechnet, musste sich an diesem Tag aber der bärenstarken Konkurrenz aus Bamberg und Kempten geschlagen geben. Er wurde Fünfter der M50.

Wolter mit Bronze

Mit Michael Wolter hatten die Höhner neben Elsner im Seniorenbereich noch ein weiteres Ass im Ärmel. Der pensionierte Lehrer biss vom ersten Meter an auf die Zähne und fightete um einen der vorderen Plätze in seiner Altersklasse M65. Mit 1:21:53 Stunden und einer verdienten Bronzemedaille wurde er dafür belohnt.

Noch überraschter reagierten die Höhner dann allerdings, als sie von Bronze in der Mannschaftswertung der Männer-Klasse erfuhren. Mit nur 14 Sekunden Vorsprung auf die LG Brandenkopf sprangen Daniel Götz, Andreas Krenz und Frank Elsner freudestrahlend aufs Podest. Der frühere Weltklasse-Biathlet und -Trainer Frank Ullrich (61) gratulierte und ließ es sich nicht nehmen mit den Höhnern zu plaudern. Eine Einladung zum Höhner Berglauf am 3. Oktober schlug er allerdings aus Termingründen aus.

Ullrich kandidiert bei den Thüringer Landtagswahlen für die SPD und ist am Tag der Deutschen Einheit lieber auf Stimmenfang in seiner Heimat statt auf Läuferfang in Höhn. rs