Georg Römer aus Höchstadt ist Kellerbruder – und Zeitzeuge. Er erinnert sich an seine Kindheit und daran, was damals in den Kellerhäuschen am Höchstadter Kellerberg an Speis’ und Trank aufgetischt wurde. Er erzählt:

Ende der sechziger Jahre trafen sich in unserer Kellergemeinschaft, meist am Samstagabend, wenn kein Tanzboden in Höchstadt und Umgebung zum Tanz einlud, über ein Dutzend Lehrlinge aus allen möglichen Sparten zum Erfahrungsaustausch. Eine Burschenschaft also ganz ohne Gründungsurkunde und Satzung. Da man sich nicht groß mit Essenszubereitung aufhalten wollte, wurden in den Metzgereien ein paar Ring Stadt- und Knackwürste und Brezen vom Bäcker besorgt.

Aus den Fässern unserer Erziehungsberechtigten haben wir uns großzügig etliche Krüge Kellerbier entliehen. Zu dieser Zeit war aber auch das Mix-Getränk Whisky-Cola sehr beliebt. Diese Zutaten hielten wir auch im Kellerhäuschen immer vorrätig. So ausgestattet konnten heftige Diskussionen geführt werden.

Die kaufmännischen Lehrlinge hielten meist den Mund. Die Schaeffler-Knechte und die von der Fraktion „ Gas-Wasser-Sc …“ stritten um die Wette, wer diese Welt aus ihrer Sicht technisch vorwärts bringt. Wir von den kleineren Firmen konnten nur mit äußerstem Spezial-Wissen – und damit, welche Mädchen die damals kürzesten Miniröcke anhatten – dazu beitragen. Was uns aber alle einigte, war, dass wir in eine Schlappenschuster-Stadt südlich vom Aischgrund in die Berufsschule mussten.

Nun haben sich aber diese Azubi-Treffen auch bei dem einen oder anderen jungen Herrn herumgesprochen, der schon im Gesellenstand war. Sie luden sich selbst in unsere Gemeinschaft ein, hielten großspurige Vorträge über Beruf und Welt und labten sich an unserem Freibier und der Stadtwurst.

Mit den lebenserhaltenden Zutaten Bier und Wurst im Leib glaubten sie auch mit Whisky-Cola gut umgehen zu können. Wir unterstützten sie in diesem Glauben . Siehe da, etliche schliefen auf der Bierbank gegen der langsam aufgehenden Sonne ein.

Seit Monaten stand in der Hecke hinter unserem Häuschen ein alter Kinderwagen herum. Wir schwärzten diesen schlafenden Delinquenten noch mit Ruß aus dem Ofen das Gesicht, legten sie in den Kinderwagen und fuhren mit ihnen den Kellerberg hinunter. Manche konnten während der Fahrt entfliehen.

Andere aber, deren Narkose gereicht hätte, sie während der Fahrt am Blinddarm zu operieren, stellten wir rechtzeitig vor der Frühmesse vor die Eingangstür der Pfarrkirche St. Georg. Hinter Mauern freuten wir uns über die fragenden Gesichter der Gottesdienstbesucher .

Nach und nach verschwanden wir. Einige von uns mussten dringend ins Bett, andere in die Kirche und so konnte unser Schwarzfahrer mit Ruhe ausschlafen.

Ich frag mich heute noch, warum dieser kostengünstige Personentransport vom Kellerberg in zentrale Orte in der Altstadt von Höchstadt sich nicht traditionell durchgesetzt hat. Schade. Sehr schade. red