Georg Römer aus Höchstadt ist Keller­bruder – und Zeit­zeuge. Er erinnert sich an seine Kindheit und daran, was damals in den Kellerhäuschen am Höchstadter Keller­berg an Speis’ und Trank aufgetischt wurde. Er erzählt:

Frische gute fränkische Bratwürste gab es in den meisten Höchstadter Bauernhöfen nur, wenn in der kalten Jahres­zeit ein Schwein geschlachtet wurde oder in den Wirtshäusern zu den Kirch­weihen. Natürlich auch in den Metzgersläden. Wir hatten aber in unserer Keller­gemeinschaft „Zum Boläsdä“ das Glück, mehrere Metzger unter den Kellerbrüdern zu haben. Da fiel natürlich des Öfteren im Jahr eine größere Portion rohe Bratwürste oder Bratwurst-Gehäck an.

Entweder wurde es gleich roh aus dem Darm gepuhlt und aufs Brot geschmiert oder deftig angemacht. Das schon gewürzte Schweine­hack wurde mit viel Zwiebeln , Knoblauch und mit Pfeffer und Paprikapulver kräftig nachbearbeitet. Dazu noch ein rohes Ei und manchmal ein guter Schuss Rot­wein.

Es wirkte – aber anders

Damals war ein gewisser blaufränkischer Rot­wein aus Österreich in einer kostengünstigen Zwei­liter­flasche sehr beliebt. Ohne Frost­schutz­mittel. Das war also schon immer eine beliebte fränkische Brot ­zeit. Auch heute noch.

Die Kellerbrüder langten kräftig zu und dichteten dieser Kombination aus rohem Schweine­fleisch, rohem Ei und Rot­wein eine kräftige Stärkung der Mannes­kraft zu, wie man sie heutzutage von einer gewissen blauen Tablette erwartet. Hätte man bei den Frauen dieser Brüder danach gefragt, hätten diese wahrscheinlich nur ein müdes Lächeln übrig geh­abt.

Nach etlichen Krügen Bier hat sich die Wirkung bei den meisten Helden stark verändert. Bei einigen kam es in der Nacht zu einer starken abdominalen Luftdruckerhöhung mit Knall­effekt. Andere mit einer gewissen Stoffwechselstörung spürten danach starken stechenden Schmerz im Großzehen­grund­gelenk.

Herren mit einer schon etwas älteren Prostata stellten sich eine alte Zehn­liter-Sauer­kraut-Dose aus einer Großküche neben das Bett, um sich die umständlichen mehrmaligen nächtlichen Wege übern Hof auf das Klohäuschen neben dem Mist­haufen zu sparen. Eine Wirkung hatte diese Rohkost mit Keller­bier allemal. Ich kann’s nur empfehlen.