Ein Forschungsteam unter Leitung der Universität Bristol und mit Beteiligung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) wies anhand einer chemischen Analyse der Lipidrückstände gut erhaltener Keramiken nun erstmals nach, dass im Britannien der Steinzeit neben Gerste auch Weizen auf dem Speiseplan stand, der in eigens für diesen Zweck vorgesehenen Tontöpfen zubereitet wurde. Die Ergebnisse der Untersuchung erscheinen laut einer Pressemitteilung in „Nature Communications“.

Der Getreideanbau in Großbritannien reicht etwa bis 4000 v. Chr. zurück und wurde wahrscheinlich von eingewanderten Bauern aus Kontinentaleuropa eingeführt. Darauf deuten spärliche Funde von konservierten Getreidekörnern und anderen Überresten aus dem Neolithikum hin. Zeitgleich verbreitete sich auch die Töpferei . In Keramik-Überresten aus der Jungsteinzeit lassen sich auch heute noch molekulare Fettrückstände finden, die sich im unglasierten Ton des Gefäßes während des Kochens oder der Aufbewahrung festsetzt haben und Hinweise auf Ernährungsgewohnheiten geben können.

Nun konnten die Forschenden an hervorragend erhaltener, unter Wasser gefundener Keramik aus der Zeit etwa 3600 bis 3300 v. Chr. nachweisen, dass auch Weizen konsumiert wurde; bisher war die Forschung in erster Linie von Gerste als Nahrungsmittel ausgegangen.

Es ließ sich jetzt auch erstmals nachweisen, dass die steinzeitlichen Nutzer den Weizen mit Milch in nur dafür genutzten Tontöpfen kochten; Fleisch wurde in anderen, etwas größeren Gefäßen zubereitet. „Dies ist in mehrfacher Hinsicht ein spannender Befund“, erklärt Prof. Dr. Simon Hammann, Juniorprofessur für Lebensmittelsicherheit und -qualität an der FAU, der die chemische Analyse der Lipidrückstände durchführte. „Er zeigt, dass auch Getreide-Biomarker unter günstigen Bedingungen, wie Luftabschluss unter Wasser, auch über mehr als fünf Jahrtausende erhalten bleiben können.“

Rätselhafte künstliche Inseln

Die Keramik selbst ist reich verziert und wurde im Umfeld sogenannter Crannogs gefunden. Dies sind künstliche, kleine Inseln, die in einem Gewässer aufgeschüttet wurden und über deren Nutzung wenig bekannt ist. Für das Projekt untersuchte das Team vier Crannogs auf den Hebriden vor der Nordwestküste Schottlands. red